
Nach etwas mehr Zeit als eingeplant ließen wir den Stau in Auckland und damit auch den nördlichen Teil der Nordinsel hinter uns und erreichten bei Dunkelheit unser Nachtquartier in Kaiaua. Von dort aus ging es am nächsten Morgen weiter nach Thames. Da den ganzen Tag Regen angesagt war – und zwar so ein Regen, dass selbst Straßen gesperrt waren – gingen wir es ruhig an. Wir informierten uns in der Touristen-Information über mögliche Aktivitäten für die nächsten Tage, machten den kurzen Window Walk durch ehemalige Goldminen in der Karangahake Gorge und entspannten in einem Café.

Auf den alten Schienen … 
… hinein in die alten Goldminen … 
… zu den „Fenstern“
Zum Glück war für den nächsten Tag besseres Wetter angesagt und uns packte mal wieder die Wanderlust, sodass wir gegen Abend in den nahegelegenen Nationalpark fuhren um dort die Nacht zu verbringen und am nächsten Morgen früh aufbrechen zu können. Allerdings kam dann alles anders als geplant. Ich erhielt von zuhause die Nachricht, dass meine Mutter spontan operiert werden müsse, was eine Menge Emotionen in mir auslöste: Ungewissheit, Angst und ein wirklich schlechtes Gewissen nicht dort zu sein. Noch dazu kam, dass wir in dem Nationalpark keinen Empfang hatten. Wir beschlossen also zurück nach Thames zu fahren und hielten auf dem Weg dahin noch an der Touristeninformation an, wo es zumindest WLAN und damit eine Möglichkeit zu telefonieren gab. Ich war froh meine Mutter noch vor der OP persönlich erreichen zu können, auch wenn ich mich am liebsten direkt zurück nach Deutschland gebeamt hätte. Das ging aber leider nicht und war in dem Moment eine wirklich schwere Erfahrung – auch wenn die ganze Situation für meine Mutter sicherlich noch viel schlimmer war. Glücklicher Weise ist alles gut verlaufen und wir erhielten am nächsten Morgen die beruhigende Nachricht! An dieser Stelle nochmal ganz liebe Grüße!
Wie man so will, hatte aber selbst diese negative Erfahrung etwas Positives. An der Touristeninformation trafen wir nämlich Kaisa und Jaako aus Finnland, die es ebenfalls auf das WLAN abgesehen und für den nächsten Tag die gleiche Wanderung geplant hatten. Vermutlich hätten wir uns am nächsten Tag verpasst, weil wir zu unterschiedlichen Zeiten starten wollten. Da wir aber nun die Nacht in Thames verbrachten und viel später als geplant wieder im Nationalpark ankamen, trafen wir die beiden wieder, starteten gemeinsam den sogenannten Pinnacles Walk und verstanden uns auf Anhieb. Im Nachhinein haben wir oft gesagt, dass es eine Art Schicksal gewesen sein muss!
Die Wanderung führte uns über Hängebrücken, durch dichte Wälder, an steilen Felsen hoch bis auf den Gipfel eines Berges, der alle Anstrengung wert war! Die Aussicht vom Gipfel gab uns das erste Mal einen Einblick in die atemberaubende Natur Neuseelands und machte uns alle einen Moment sprachlos. Nach sieben Stunden wandern kamen wir schließlich wieder am Parkplatz des Nationalparks an und fühlten uns erstaunlicher Weise gar nicht so erschöpft wie vorher gedacht – was wahrscheinlich auch an der guten Gesellschaft lag. Wir beschlossen anschließend nicht nur den Abend zusammen ausklingen zu lassen, sondern auch die nächsten Tage gemeinsam weiterzureisen. Fun fact: Wie sich herausstellte, waren Kaisa und Jaako auch beide Lehrer – Manu war also von Pädagogen umringt 😀

Über die Hängebrücke hinauf… 
Unsere neuen Freunde aus Finnland 
We made it! 
Posen auf den Pinnacles
Da am Abend dann doch die Erschöpfung und der Muskelkater einsetzten, stand für den nächsten Tag etwas Entspannung auf dem Programm: Der Hot Water Beach. Wie der Name schon verrät, bietet dieser Strand eine Besonderheit. Unter der Erde befinden sich heiße Quellen. Wenn man also an bestimmten Stellen ein Loch gräbt, strömt das heiße Wasser nach oben und man erhält seinen eigenen Pool mit heißem Wasser. Oder man macht es wie wir und setzt sich in ein bereits gegrabenes Loch vom Vorgänger 😉 So saßen wir also mit einer Menge anderer Leute im neuseeländischen Winter mit Badeklamotten in den heißen Pools am Strand und erfrischten uns (kaum zu glauben) danach sogar im eiskalten Ozean, weil uns so warm wurde. Selbst die beiden Finnen hatten das Gefühl in einer Sauna zu sitzen und das soll schon was heißen! Das Wasser wird stellenweise tatsächlich so heiß, dass man Eier darin kochen kann. Beim Buddeln ist also etwas Vorsicht geboten – was auch wir zu spüren bekamen, also Manu etwas zu ambitioniert tiefer grub. Nach der Entspannung konnten wir es dann doch nicht ganz lassen und machten noch eine kleine Wanderung vom Hahei Beach entlang der Küste zur bekannten Cathedral Cove.

Erst die Arbeit … 
… dann das Vergnügen 

Cathedral Cove
Danach trennten sich unsere Wege erstmal für die Suche eines geeigneten Nachtquartiers bevor wir uns am nächsten Tag ein paar Kilometer weiter südlich in Rotorua wieder trafen. Auch hier gibt es etwas Heißes zu entdecken: Den Kuirau Park. Heiß deshalb, weil es auch hier heiße Quellen gibt und dadurch blubbernde Pools entstehen – teils dampfend, teils matschig, teils auch sehr muffig. Aber auf jeden Fall ein Erlebnis! Und das ganze „for free“ inmitten der Stadt. Man muss also keine teure Tour durch andere geothermale Parks buchen, die ebenfalls angeboten werden.
Ganz um die bezahlten Attraktionen kamen wir an dem Tag aber doch nicht herum und entschieden uns noch zur Waimangu Volcanic Valley zu fahren. Dort brachen am Ende des 19. Jahrhunderts über 20 Krater des Vulkans Mount Tarawera gleichzeitig aus, sodass an der Stelle, wo vorher noch ganze Dörfer standen, nur noch ein 100 Meter tiefer Krater übrigblieb. Heute ist das Vulkan-Tal das jüngste Thermalgebiet der Welt und definitiv einen Besuch wert. Der angelegte Weg durch das Tal führte uns vorbei am rötlichen Southern Crater (die rote Farbe ist nicht, wie wir erst dachten, das Ufer, sondern Farn auf der Wasseroberfläche), am blubbernden Frying Pan Lake – oder auch Flying Pan Cake wie Kaisa ihn unabsichtlich nannte 😀 , am türkisblauen Inferno Crater bis hin zu den Warbrick Terraces. Da der Park leider schon um 17 Uhr schloss, mussten wir uns etwas beeilen und den Shuttle Bus zurück zum Eingang nehmen. Dennoch waren die Eindrücke und die vielen unterschiedlichen Farben in dem Vulkan-Tal ein einmaliges Naturerlebnis.

Southern Crater 

Inferno Crater
– Worauf noch viele weitere folgen sollten! Es ging nämlich weiter Richtung Süden zum Lake Taupo und Umgebung. Dazu aber beim nächsten Mal mehr!
Bis dahin,
Tamara & Manuel



Ein Gedanke zu „Neuseeland Teil 2 – Coromandel & Rotorua“
Supi, Supi wieder einmal ein toller Block. Ich bin begeistert. GLG