
Neuseeland, das Land der Kiwis – weiter weg von Zuhause werden wir (auf dieser Reise) nicht sein. Der erste Eindruck vom neuen Land war zunächst weniger erfreulich, denn es standen die strengen Einreisekontrollen bevor: Tamara durfte einen sehr großen (vermutlich) Baumsamen in Herzform aus Malaysia nicht mit einführen – das Fossil aus Australien durften wir aber behalten. Schweren Herzens trennten wir uns von diesem Souvenir und checkten hundemüde um 01:00 Uhr nachts im Hostel in Auckland ein. Am nächsten Morgen, ohne wirklich viel Schlaf, ging es dann zur Abholung unseres Campervans von Travellers Autobarn. Wir hatten nach einem Monat in einem solchen Gefährt immer noch nicht genug und buchten das gleiche Modell, einen Toyota Hiace. Schon fast routiniert ging es an die Planung der nächsten Tage, zum Einkaufen und erst einmal raus aus Auckland.

Erste Eindrücke 
Ready-Set-Go 
Da issa!
Den ersten größeren Stop legten wir in Whangarei (das „wh“ wird übrigens als „f“ ausgesprochen) ein. Da wir in unseren Backpacks neben einem Pullover und einer langen Hose keine warmen, respektive Winterklamotten dabei hatten, musste wir diese also erstmal einkaufen. Ausgestattet mit Skiunterwäsche und dicken Socken fühlten wir uns gewappnet für die anstehenden kalten Tage und Nächte.
Etwas außerhalb der Stadt befinden sich die Abbey Caves. Wir hörten, dass diese eine kostenfreie Alternative zu den berühmten (und überlaufenen) Waitomo Caves bieten sollten. Wir kletterten also an Felswänden hinunter in die Caves und stapften durch knietiefes Wasser. Bewaffnet mit Taschenlampen waren wir auf der Suche. Wonach eigentlich? Glühwürmchen! Wir haben den „Sternenhimmel“ in vollkommener Dunkelheit erlebt und waren begeistert. Leider können die Bilder nicht die ganze Atmosphäre wieder geben, aber diese ist in unseren Köpfen gespeichert! Desweiteren besuchten wir in Whangarei noch einen ziemlich coolen Wasserfall (Whangarei Falls), welcher sehr einfach zu erreichen und einen kleinen Spaziergang wert ist. Außerdem verspürten wir mal wieder die Lust auf einen Kinoabend und schauten The Lion King, bevor es weiter nach Waitangi ging.

Höhleneingang der Abbey Caves 
Das Wasser bis zum Halse 
Der „Sternenhimmel“ 

In Waitangi ist etwas entscheidendes in der Geschichte von Neuseeland passiert: Die Stämme der Ureinwohner, der Maori, und das britische Empire schlossen einen Vertrag, welcher den neuen Staat Neuseeland beschloss. Fun fact am Rande: Die Maori sind eigentlich gar nicht die Ureinwohner Neuseelands. Es gibt Hinweise darauf, dass Asiaten vor den Maori auf der Nordinsel gelebt haben und die Maori, weil körperlich überlegen, diese ausgerottet haben. Über diese wirklich interessante Geschichte Neuseelands kann man sich im Cultural Village informieren. Das Museum ist wirklich ansehnlich und interaktiv gestaltet, sodass wir unseren Aufenthalt in einem Museum tatsächlich genossen.
Außerdem gab es auch noch die Culural Performance, welche zwei Mal täglich stattfindet. Eine Angestellte sagte uns im Vorfeld, dass, wenn wir die besten Plätze haben wollen würden, wir am Anfang die Hand heben sollen. Gesagt getan. Als eine Maori-Frau um einen Freiwilligen bat war Tamara die erste, die die Hand hob. Nur brauchte sie einen Freiwilligen-Herren. Also wurde ich kurzer Hand zum Chief der Besucher des Maori-Hauses.
Die Maori-Frau klärte mich kurz auf, was ich zu tun hätte und dann ging es auch schon los. Ein Maori-Kämpfer kam brüllend mit seiner Speer-ähnlichen Waffe auf mich zu. Er versucht die wahre Absicht der „Eindringlinge“ herauszubekommen um seine Familie und sein Haus im schlimmsten Fall bis zum Tod zu verteidigen. Grimassenziehend hielt er die ganze Zeit Blickkontakt mit mir. Ich glaube ich habe mein Herz noch nie so laut schlagen hören, auch wenn das Ganze natürlich nur eine Inszenierung war. Zum Ende seiner „Begrüßung“ ließ er einen Zweig liegen, den ich im Zeichen der Freundschaft an mich nahm und meine Truppe in das Gebäude führte.
Im Inneren warteten aber schon die nächsten Prüfungen auf den Chief (mich). Während die weiteren Besucher auf Bänken Platz nehmen durften, stand für mich eine traditionelle Begrüßung mit einem weiteren Krieger an. Nicht nur Händeschütteln war angesagt, sondern dabei auch noch die Stirn gegen den Gegenüber pressen, für kurze Zeit halten und die Augen schließen – eine traditionelle Maori-Begrüßung. Wo war ich hier nur reingeraten?
Die Frau von vorher sagte mir mit einem Zwinkern, dass nach der Eröffnungsrede vom Krieger meine Eröffnungsrede erwartet werden würde. „Na klar“ dachte ich und zwinkerte ihr, nicht ganz ernst nehmend, zurück. Nach der Eröffnungsrede des Maori-Kämpfers hieß es dann: „Okay, dann kommt jetzt die Eröffnungsrede von unserem werten Gast!“. Ernsthaft? Was hatte sie noch gesagt? „Alles unter fünf Minuten wird als Beleidigung empfunden …“ – Meine Rede beinhaltete dann soviel: Danksagungen, dass wir hier in diesem Haus und in diesem wundervollen Land sein dürfen. Außerdem hab ich noch sowas gesagt wie, viel Spaß und mal schauen was noch so alles passiert. Etwas überfordert mit der Situation und aufgeregt durfte ich dann in der ersten Reihe (auf den wirklich besten Plätzen) Platz nehmen und die folgende Cultural Performance verfolgen. Begrüßungstänze, Vorführungen von Nahkämpfen bis hin zum berühmten Haka war alles dabei. Sehr beeindruckt und um eine wirklich intensive Erfahrung reicher, verließen wir schließlich die Cultural Village.
In den folgenden Tagen musste dann nicht mehr ich, sondern unser Vehikel leiden: Unsere Wege zu den Nachtquartieren waren nicht immer ganz einfach zu erreichen. Mal ging es durch große Schlammlöcher direkt an den Strand und ein anderes Mal über Schotterpisten. Apropos Strand: Eine Fahrt über den 90 Mile Beach durfte natürlich auch nicht fehlen. Der 90 Mile Beach ist ein offizieller Highway an der Westküste in Northland. Er führt wie der Name schon vermuten lässt direkt entlang des Strandes und ist demnach nur bei Ebbe zu befahren. Nach circa 10 km und einer Menge Spaß während der Fahrt durch Sand und Meerwasser war unsere Fahrt dann aber auch schon beendet. Unweit des 90 Mile Beaches befinden sich die Te Paki Giant Sand Dunes. Gefühlt aus dem Nichts erheben sich wirklich gigantische Sanddünen aus der grünen Landschaft. Dort angekommen liehen wir uns ein Sandboard aus und surften diesmal nicht auf Wasser sondern auf Sand.

Der „Highway“ 
Die Dünen erheben sich 

Unsere Reise setzte sich immer weiter Richtung Norden fort, bis wir den nördlichsten Punkt von Neuseeland erreicht hatten – Cape Reinga. Dort wo die Tasmanische See auf den Pazifischen Ozean trifft. Was sollen wir sagen?! Ein schöner Leuchtturm, ein cooler Anblick wie zwei Ozeane aufeinander treffen und ein heiliger Ort für die Maori. Diese glauben, dass die Seelen der Verstorbenen an dieser Stelle in Neuseeland das Land verlassen und in Richtung ihrer Herkunft (Polynesien) ziehen. Für uns definitiv nice-to-see aber kein must-see.

Cape Reinga
Auf unserem Rückweg Richtung Süden stoppten wir bei einem weiteren Giganten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Höhe: 51,5 m, Umfang: 13,8 m. Die Rede ist vom Tane Mahuta, dem „Lord of the forest“ – dem größten Kauri-Baum der Welt. Die Bilder die wir geschossen haben zeigen leider nicht die Ausmaße dieses Baumes. Eine Art Ehrfurcht machte sich in Gegenwart des Tane Mahutas in uns breit. Das Alter dieses Baums wird auf circa 1500 – 2000 Jahre geschätzt. Man stelle sich nur einmal vor, welche Geschichten dieser Baum erzählen könnte, wenn er sprechen könnte … Leider wurden wir auch direkt am Anfang des Waldes mit der Schattenseite der Kauri-Bäume konfrontiert. Eine circa 2011 eingeschleppte Krankheit befällt die Bäume und tötet sie. Bisher ist wenig über diese Krankheit bekannt und es wird versucht deren Verbreitung mittels Portalen zu verhindern, in welchen sich Besucher die Schuhe reinigen und desinfizieren. Sobald man in Neuseeland einen Wald mit Kauri-Bäumen betritt, gibt es immer eine Art Schleuse, um sich die Erde und eventuelle Krankheitserreger abzuspülen.

Tane Mahuta
Der letzte Stop in Northland war für uns Sheepworld. Wie der Name schon sagt, geht es um die Haupteinwohner Neuseelands: Schafe. Wir lernten viel über das Handwerk des Schafscherens und durften auch selbst Hand anlegen. Bevor die Schafe geschoren werden, müssen sie eingetrieben und separiert werden. Es können z.B. Schafe von verschiedenen Besitzern in einer Herde sein. Auch Männlein und Weiblein gilt es zu unterscheiden. Tamara und ich durften (mal wieder als Freiwillige) eine auf uns zurennende Schafherde mittels Schranken in drei verschiedene Gruppen unterteilen. Wir haben unseren Job äußerst zufriedenstellend ausgeführt und haben keinen Fehler gemacht. Achtung Eigenlob: Das kommt laut der Schafschererin äußerst selten vor! 😊Nachdem die Schafe separiert worden waren, wurde zu Demonstrationszwecken ein Schaf geschoren und ich durfte sogar mit Hand anlegen. Anschließend folgte noch die Fütterung der kleinen Lämmer und Kälber, die etwas ungestüm auf uns zu kamen und es nicht abwarten konnten, ihre Milch zu bekommen. Insgesamt mal ein etwas anderes Erlebnis, aber den Eintritt wirklich wert!
Nachdem wir Auckland wieder erreicht hatten, gerieten wir natürlich erst einmal in einen Stau – der erste wirkliche Stau so wie wir ihn kennen seit wir Deutschland verlassen haben.
Ob wir es aus diesem Stau heraus geschafft und unser nächstes Ziel die Coromandel-Halbinsel erreicht haben, erfahrt ihr dann im nächsten Kapitel unserer Reisegeschichte.
Stay tuned,
Manuel & Tamara





