Indonesien

Yogyakarta

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Anreise

Wir hatten im Vorfeld viel über Yogyakarta (oder auch Jogjakarta geschrieben, was da jetzt so richtig ist, wissen wir nicht – ich find Yogyakarta cooler also bleibe ich dabei) gehört. Kulturelle Hauptstadt Javas, Kunstausstellungen überall, viele große Tempel in der Nähe und kulinarische Vielfalt, um nur ein paar Dinge zu nennen. Die achtstündige Zugfahrt von Jakarta nach Yogyakarta haben wir im sehr komfortablen Zugabteil viel besser weggesteckt als vorher befürchtet. Wir haben uns vorher über die Züge in Indonesien schlau gemacht und haben direkt den Pulli angezogen. Was die Deutsche Bahn anscheinend im Sommer immer noch nicht beherrscht, kann die indonesische Bahn umso besser: Klimaanlage auf Anschlag! In typisch deutscher Manier haben wir uns es auf dem Weg nicht nehmen lassen erstmal Stullen zu schmieren und diese zu schnabbulieren. Es ging vorbei an den Ausläufern von Jakarta und unser Bild von dieser riesigen Stadt bestätigte sich hier noch einmal mehr eindrucksvoll: Müll überall. Die erste Stunde der Zugfahrt haben wir fast nichts anderes als Müll, Slums und Armut gesehen.

Spontan wie wir mittlerweile geworden sind, haben wir uns über Airbnb im Luwabica Arts Hostel für vier Nächte einquartiert und können diese Unterkunft auch guten Gewissens weiterempfehlen. Fun fact: Am ersten Abend haben wir die Brasilianerin wieder getroffen, welche wir schon kurz in den Cameron Highlands in Malaysia getroffen hatten – klein ist die Welt. In unserer Zeit in Yogya haben wir auch die Zeit gefunden mal wieder mit unseren Eltern zu skypen. Viele Grüße auch nochmal an dieser Stelle. Wir denken oft an euch und freuen uns schon auf die nächste Skype-Session!

Schlendern durch Yogya

Wenn wir an einem neuen Ort ankommen, haben wir es uns mittlerweile angewöhnt als erstes etwas zu Fuß die neue Umgebung zu erkunden. Bei unserem ersten Spazieren durch Yogya sind uns sofort die super freundlichen Leute aufgefallen. Wir wurden häufig von Menschen angequatscht, wenn wir kurz stehen blieben um uns umzuschauen. Die Fragen waren dabei ziemlich gleich. „Wo kommt ihr her?“ „Wie lange bleibt ihr ihr?“ „Wo wollt ihr hin?“ und „Kann ich euch helfen?“ Am Anfang war es ziemlich befremdlich für uns diesen Leuten überhaupt zu antworten, weil wir immer im Hinterkopf hatten, dass sie uns irgendwas andrehen wollen. Aber nachdem wir uns darauf einließen, haben wir gemerkt, dass diese Leute einfach nur freundlich uns gegenüber waren und wirklich hilfsbereit sein wollten. Ein derartiges Verhalten kannten wir aus Deutschland schlicht einfach nicht. Wenn man als anders aussehender Mensch durch eine deutsche Stadt mit knapp 400.000 Einwohnern läuft, wird man wohl nicht einfach freundlich gefragt, wie es einem geht und ob man irgendwie helfen könne.

Nachdem wir also dem Tipp eines freundlichen Mannes gefolgt sind, welcher uns sogar ein Stück des Weges begleitet hat, sind wir in einer Batik-Schule gelandet. Wenn wir an Batik dachten, dann waren es immer simple T-Shirts mit Farbverläufen. Hier haben wir allerdings gesehen, dass mit der Batik-Technik ganze Gemälde erstellt werden können. Die Technik dabei ist relativ simpel und doch sehr aufwendig. Zunächst wird beispielsweise ein Bild mittels Wachs auf eine Baumwolltextilie aufgebracht. Anschließend wird die Textilie in ein Farbe getaucht und danach wird der Wachs geschmolzen, sodass das gemalte Bild in der Farbe des Textils (also weiß) erscheint und der Rest in der Farbe. Dieses Prozedere wird dann beliebig oft wiederholt. Sinnigerweise wird von hellen nach dunklen Farben gearbeitet. Auch eine Produktion von Batik-Textilien haben wir anschließend besucht und uns die Verfahrensschritte angeschaut. Hier wurde der Wachs dann nicht mehr per Hand so wie bei den Kunstwerken aufgebracht, sondern mit einem Kupferstempel. Im Shop nebenan waren uns die Waren allerdings etwas zu teuer und wir kauften lieber auf dem lokalen Batik-Basar ein.

Foto-Flashmob

Eine weitere witzige Anekdote ist uns bei einer kurzen Rast, um unsere Beine auszuruhen, passiert. Wir saßen keine zwei Minuten auf einer x-beliebigen Bank an einer Straßenkreuzung bis eine Gruppe Frauen in bunten Gewändern auf uns zu kam, um ebenfalls eine kurze Rast einzulegen. Indem wir etwas zusammenrückten, boten wir einer älteren Dame einen Platz neben uns an. Wenig später fragte die Dame uns nach einem Foto mit ihr. Na klar, willigten wir ein und setzten unser Fotolachen für die Fotografin (eine Verkäuferin mit einem Bauchladen) auf. Was wir erst während des Fotos bemerkten war, dass mittlerweile nicht nur die nette ältere Dame mit aufs Foto wollte, sondern die gesamte Gruppe der bunten Frauen. Also saßen wir auf einmal inmitten dieser Gruppe und fühlten uns wie Promis 😀 . Quasi ein Foto-Flashmob. Nachdem sich die Gruppe verabschiedete nutzten allerdings noch einige andere Leute die Chance auf ein Foto mit uns, bis es uns zu viel wurde und wir uns wieder auf den Weg machten. Ich glaube wir würden dort immer noch sitzen und Fotos mit vorbeilaufenden Menschen machen, wenn wir nicht die Fotoanfragen
abgelehnt hätten und weitergegangen wären 😉 .

Sunrise und Borobodur Temple

Mit dem Roller ging es an einem Morgen/Nacht um 03:30 Uhr in Richtung einer Aussichtsplattform am Borobodur Tempel (Barede Hill). Wir fuhren circa eine Stunde durch die Nacht und wurden mit einem schönen Sonnenaufgang belohnt. Wirklich viele Menschen trafen wir an der Plattform nicht an, was uns ganz entgegen kam nach dem wuseligen Aufenthalt auf dem Markt vom Vortag. Nachdem die Sonne gerade aufgegangen war, verließen die circa 10 Leute die Plattform schnell wieder und wir hatten die ganze Umgebung nur für uns. Wir verweilten einige Zeit an diesem schönen Fleckchen Erde, legten uns auf eine Bank, schlossen die Augen und ließen die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf uns wirken. Wir genossen den Moment der Stille und die Wärme der Sonne. Nachdem wir so genug Sonne getankt hatten, ging es weiter zum Borobodur Tempel. Dieser Tempel ist der größte buddhistische Tempel in Indonesien und wird vor allem von Einheimischen besucht. Am Eingang wird zwischen Einheimischen und Ausländern unterschieden, welche einen circa fünffachen Preis zahlen müssen. Da wir allerdings noch unsere Studentenausweise dabei hatten, konnten wir für den dreifachen Preis eintreten und wurden mit einem Kaffee und einem Sarong begrüßt.

Am Tempel selbst trafen wir sofort auf zwei Schülerinnen, welche sich anboten, uns etwas zum Tempel zu erzählen. Sie führten uns um den Tempel und erzählten etwas zur Geschichte und zu den steinernen Abbildungen am Tempel. Die Schülerinnen sind für ein Projekt der Schule je eine Woche am Borobodur und eine Woche an einem anderen Tempel, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern und ausländischen Touristen wie uns ihre Kultur näher zu bringen. Auf dem Gipfel des Tempels angekommen verabschiedeten sich die beiden und eine neue Auflage der Fotosession mit Tamara & Manuel begann. Leider wollten so viele einheimische Touristen, stellenweise sehr aufdringlich, Fotos mit uns machen, dass wir die Zeit am Tempel nicht wirklich genießen konnten. Der beeindruckende buddhistische Bau rückte für uns und die fotografierenden Leute leider in den Hintergrund.

Essen in Yogyakarta

Nachdem wir uns in unserer bisherigen Zeit in Indonesien gezwungener Maßen sehr eintönig (Reis, Reis oder Reis mit was dabei) ernährt hatten, haben wir in Yogya eine kulinarische Vielfalt erlebt. Wir haben in Erfahrung bringen können, dass die Indos nahezu alle Gerichte mit Reis essen. Wenn kein Reis beim Essen dabei ist, haben sie das Gefühl etwas fehlt und sie haben noch Hunger. So kann es also vorkommen, dass die Leute ein Nudelgericht essen, um anschließend oder dazu noch eine Schüssel Reis zu essen. Verrückt. Aber eigentlich auch gar nicht so verrückt, wenn man bedenkt, dass bei uns in Deutschland ein ähnliches Verhalten mit Kartoffeln oder Fleisch an den Tag gelegt wird. Da Bilder mal wieder mehr als tausend Worte sagen, hier ein Auszug aus den Köstlichkeiten:

Sarah, unsere neue Freundin aus Yogyakarta

Ich glaube es war direkt am ersten Tag in Yogyakarta als wir auf Sarah trafen. Wir bummelten so durch die Straßen und kamen an einem kleinen Obstladen vorbei, welcher auch frisch gemixte Säfte verkaufte. Wir entschieden, einen kurzen Stopp zu machen und einen Saft zu genießen. Dabei kamen wir mit der super freundlichen und liebenswerten Verkäuferin Sarah ins Gespräch. Aus dem anfänglichen Smalltalk entwickelte sich ein angeregtes Gespräch, bevor wir weiter zogen, um die Stadt zu erkunden. Wir tauschten direkt Nummern aus, da sie sich uns für Tipps und Ratschläge zur Verfügung stellte. Am übernächsten Tag statteten wir ihr wieder einen Besuch ab und verweilten über zwei Stunden an ihrem (es stellte sich heraus, dass sie die Besitzerin war) Laden. Am Ende lud sie uns für den Abend in ihr Lieblingslokal ein. Wir freuten uns total und sagten sofort ja.

Aus den Gesprächen mit Sarah haben wir so viele wunderbare Eindrücke und Denkanstöße mitgenommen. Wir unterhielten uns über die Schulbildung in Indonesien und stellten fest, dass es die gleichen Problem in den Schulen
in Indonesien und Deutschland gibt. Zu wenig Lehrer, die nicht wirklich Zeit haben um individuell auf die Kinder einzugehen und daher ihren Stoff nach den Richtlinien durchboxen müssen. Natürlich sind die Niveaus sehr unterschiedlich, aber das Kernproblem bleibt das Gleiche. Was ebenfalls stark in unseren Köpfen hängen geblieben ist, war der Austausch über den Islam und Religionen mit Sarah. Wir sprachen über die Rituale, welche in Yogyakarta deutlich für uns zu hören waren und über den Glauben an sich. Wir sprachen sie auf den Jihad an und fragten, was denn die eigentliche Bedeutung sei. Die „westliche Welt“ assoziiert mit Jihad ja immer sofort Krieg oder Terror. Sarah sprach allerdings von einem übergeordnetem Ziel, an welches sie und die Muslime glauben. „There are million ways to Rome and there are million ways to Jihad“. Es gibt nicht die eine Bedeutung für dieses Wort. Sie sagte, wenn man Geld für seine Familie verdient, dann ist das ebenso Jihad, wie etwas Gutes für einen Fremden zu tun. Es geht also um den Sinn hinter den Dingen. Ich glaube, dass vielen Leuten (mich eingeschlossen) dieser Sinn hinter dem Tun verloren gegangen ist. Vielleicht weil der Glaube an die Kirche verloren gegangen ist? Keine Ahnung. Wir haben allerdings erlebt, mit welcher Überzeugung und welchem Stolz Sarah uns dies erzählte und spürten ihr glückliches, fröhliches Wesen.

Am nächsten Tag lernten wir ihre ganze Familie, Mama, Papa, Bruder und Sohn kennen – welche uns alle ebenfalls herzlich begrüßten. Sarah schenkte uns zum Abschied aus Yogya außerdem noch zwei T-Shirts von einem befreundeten Künstler. Wir werden dich hoffentlich eines Tages wiedertreffen, Sarah!

Garduaction

Auf einem Blog haben wir über das Garduaction-Projekt südlich von Yogyakarta gelesen. Da wir uns intensiver mit der Müllproblematik in Indonesien und Asien beschäftigen wollten, stand für uns recht früh fest, dass wir diesem Projekt einen Besuch abstatten wollten. Seit vier Jahren betreibt Budhi (ich hoffe sein Name wird so geschrieben) nun schon die Waste-Bank „Garduaction“ direkt neben einem Touristen-Hotspot am Strand. Budhi ist ein Künstler und Crafter, so wie er es nennt. Er verwendet alte Dinge, Müll, nicht mehr Benötigtes und verwandelt alles in neue Gebrauchsgegenstände. So werden aus alten Autoreifen und Fischernetzen neue Sitzgelegenheiten. Aus Deckeln von Plastikflaschen werden künstlerische Banner für das Garduaction-Camp. Auch gestaltet Budhi die Wände in Form von Malereien selbst.

Wir fragten ihn, was sein Ziel mit dem Projekt sei, bzw. warum er das Ganze tue. Er antwortete sehr klar und entschlossen. Als er das Projekt ins Leben gerufen hatte, konnte er einfach nicht mehr weiterhin mit zusehen, wie die Menschen um ihn herum und auf der ganzen Welt unachtsam und sorglos die wunderbare Natur und die Welt vermüllen. Er will für Aufklärung sorgen. In einem Land, wo die ältere Gerneration noch das Essen in Bananenblätter eingewickelt und diese anschließend zum Kompostieren weggeworfen hat. Dieses Verhalten zeigt sich beim Umgang mit Plastikmüll leider auch – nur das der Plastikmüll unwesentlich (Sarkasmus) länger zum Verrotten braucht. Budhi bietet aber auch Arbeitsplätze. Die Einheimischen bringen ihren Müll (vor allem Plastik) zu Budhi und er bezahlt sie dafür. Anschließend trennen seine Mitarbeiter, den Plastik sortenrein und er wird so an Unternehmen verkauft, welche Plastik recyclen. Er organisiert Strand-Säuberungen und bietet Schulklassen die Möglichkeit, in seinem Camp über die Gefahren und den Umgang mit Plastik zu lernen. Er arbeitet ebenfalls mit einer Professorin der Universität Freiburg zusammen. Eine offizielle Partnerschaft kann aber erst entstehen, wenn Budhi genügend Geld gesammelt hat, um eine Organisation zu gründen. Budhi wirkte bei seinen Erzählung sehr authentisch und wir haben ihm jedes Wort geglaubt, das er gesprochen hat. Er hat die Vision die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir glauben, dass jeder seinen Teil dazu beitragen sollte und sein Handeln einfach mal hinterfragen und ändern sollte, auch wenn es schwer fällt und gegen die Gewohnheiten oder das gesellschaftliche Ansehen ist.

Wir haben übrigens in einem selbstgebauten einfachen Bambushaus mit geilem Blick hinaus aufs Meer gewohnt. Das ganze nur auf Spendenbasis. „Pay whatever you like“. Leider konnten wir nicht länger als eine Nacht bleiben, da meinen Magen ein paar fiese kleine Bazillos heimgesucht haben und das einzig verfügbare Klo ein Loch im Boden war. So sind wir nach einer für mich nicht so erholsamen Nacht (runter vom Baumhaus klettern, ein paar Meter zum „Klo“ rennen … und das einige Mal in der Nacht) wieder zurück nach Yogya gefahren, um mich zu erholen.

Als nächstes auf dem Programm stehen die Vulkane Bromo und Ijen. Was es dort zu sehen und zu erleben gab, erfahrt ihr im nächsten Blog-Eintrag.

Bleibt dran,

Tamara & Manuel

4 Gedanken zu „Yogyakarta

  1. Hallo Tamara und Manuel, es ist schön wieder von euch zu hören und euren interessanten Schilderungen zu folgen.
    Ich finde es sehr gut, dass ihr auch die Müllprobleme so direkt ansprecht. Leider sind nicht alle sensibel genug zu erkennen, welche langwierigen Schäden schon entstanden sind. Das von Euch geschilderte Projekt sollte gefördert werden.
    Auch die Feststellung wie wir im Ausland freundlich und hilfsbereit behandelt werden entspricht meinen Erfahrungen. Hier gilt der Satz von Humboldt. Aber leider wird dieses nicht in D publik gemacht.
    Die Rolle eines „Fotomodells“ kann manchmal lästig sein, aber es dient einem guten Zweck!
    Euch beiden noch vielen Spaß insbesondere bei den Vulkanbesteigungen. Habe gerade auf Kamtschatka in diesen Bereichen viele positive und interessante Erfahrungen gemacht!
    Lg Horst

    1. Vielen Dank für deine lieben und verständnisvollen Worte Horst! Du solltest dir auch überlegen einen Blog über deine Reisen zu schreiben – das klingt nämlich auch immer sehr spannend und unterhaltsam bei dir!
      Viele Grüße

  2. Hallo Ihr beiden,

    es ist immer wieder beeindruckend, was ihr auf eurer Reise alles erlebt. Toll,  dass ihr so vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet.
    Euch weiterhin viel Spaß und wir freuen uns schon auf das nächste Skypen.

    Alles Liebe von Birgit und Martin

    1. Vielen Dank euch beiden! Wir freuen uns auch schon auf das nächste Skypen und hoffen, dass wir möglichst bald mal eine geeignete WLAN-Verbindung haben 😀
      Liebe Grüße

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