Malaysia

Borneo – Sarawak

Borneo stand von Anfang an auf unserer Wunschliste für die Reise – vor allem weil Borneo in unseren Köpfen ein Symbol für den Regenwald und gleichzeitig einer der letzten Zufluchtsorte einer ganzen Art – der wilden Orang Utans – ist. Dies stimmte uns im Vorfeld schon etwas traurig und wir wollten das Ausmaß der ganzen Zerstörung mit eigenen Augen sehen. Darüber hinaus hat uns aber auch der Regenwald an sich, ein für uns völlig unbekanntes Ökosystem, sehr gereizt.

So Begann unsere Reise durch Borneo zunächst in Sarawak, dem größten Staat Malaysias, der zusammen mit Sabah, Brunei und dem indonesischen Teil Borneos die komplette Insel bildet. Wie vielfältig und interessant dieser Staat ist – lest und schaut selbst!

Kuching

Angekommen in Kuching, fielen wir am Abend in unserem Hostel nur noch platt ins Bett. Die Ruhe hatte aber am Morgen schnell ein Ende, als sich gefühlte 1000 Schulkinder um unser Hostel versammelten. Wie sich herausstellte lag es inmitten von 3 Schulen und die Schüler begrüßten uns grinsend, wenn wir das Hostel verließen (ich werde die Schule aber auch nicht los 😉 ). Schon beim Frühstück lernten wir dann ein paar andere Hostel-Gäste kennen – darunter Philip aus Schweden und Marie aus Deutschland, die uns direkt einluden mit in die Cultural Village zu fahren. Wir entschieden uns allerdings erst einmal dazu, Kuching auf eigene Faust zu erkunden und einen Plan für die nächsten Tage zu schmieden. Viel schlauer waren wir nach etwas Recherche zwar nicht, aber den Tag haben wir doch noch ganz gut mit Schlendern an der Waterfront, Bootsfahrt auf dem Fluss und ausgiebigem Essen (aus einer Portion für zwei wurden ungewollt zwei Riesenportionen für eine ganze Familie) herumbekommen. Am Abend setzten wir uns dann mit den anderen aus dem Hostel zusammen und buchten gemeinsam den nächsten Flug nach Mulu – eine lange Geschichte mit folgendem Ende: Wir zahlten doppelt so viel wie Philip, der als erstes gebucht hatte, aber hey – dafür alle zusammen. Außerdem beschlossen wir am nächsten Morgen um 7 Uhr aufzustehen, um in das Semenggoh Orang Utan Sanctuary zu fahren. Erstmal standen aber Abendessen und ein Bierchen in einer Bar auf dem Programm. Lange Rede, kurzer Sinn: Aus einem Bierchen wurden ein paar mehr, sodass wir schließlich inmitten von Einheimischen mittwochs Abends (die Münsteraner kennen das) auf der „Tanzfläche“ einer Bar gelandet sind und schließlich erst um 3 Uhr im Bett waren. Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, wie der nächste Morgen
verlaufen ist… wir sind natürlich nicht um 7 Uhr aufgestanden, sondern eher um 11 – Orang Utans gabs also erst später SPOILER.

Am Nachmittag stand allerdings noch ein weiterer Punkt auf unserer To Do-Liste: Cooking Class @ Bumbu mit dem Einheimischen Josef, der ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Dschungel von Sarawak stammt. Wir erhofften uns, etwas mehr über die lokale Küche zu erfahren und endlich auch mal etwas nachkochen zu können, was wir die letzten Wochen so verspeist hatten. Wie sich herausstellte, bot der Kochkurs aber noch viel mehr als das! Wir fuhren erst einmal gemeinsam auf den Markt und kauften uns mit Rattan-Korb bewaffnet durch sämtliche Obst-, Gemüse- und Gewürz-Stände. Gefühlt die Hälfte der Obst- und Gemüsesorten war uns zu dem Zeitpunkt völlig unbekannt, was auch eine Verkäuferin zum Lachen brachte, als wir Lemon Grass mit Lauch verwechselten – ups. Auf der Rückfahrt erfuhren wir von Josef viel über Sarawak und das Verhältnis der Leute zum Dschungel. Zu unserer Überraschung erklärte er, dass Sarawak eine Art eigene Gesetze hat, welche es zum Beispiel ausländischen Firmen schwer machen, Land für Palmölplantagen zu kaufen, da dieses größtenteils den Einwohnern Sarawaks und eben nicht der Regierung gehört. Diese spezielle Position Sarawaks zeigt sich auch beim Visum, das selbst Leute aus Westmalaysia nur für 30 Tage erhalten – obwohl sie ja eigentlich alle einem Land angehören. Wenn es wirklich dem Schutz der Natur dient und nicht anders ausgenutzt wird, eine gute Sache!

Wieder zurück in der Küche bastelten wir zunächst einmal kleine Boxen aus länglichen Blättern (als Plastikersatz) und befüllten diese mit einem Kokosnuss-Pudding aus eigenhändig gepresster Kokosmilch. Danach ging es weiter mit Gemüse und Obst schnippeln. Ein Highlight dabei war die Technik des Ananas-Schneidens. Wir hatten bewusst eine kleine Ananas gekauft, um zu erfahren, wie viel man davon hat, wenn man eben nicht die Hälfte abschneidet, sondern filigran die äußere Schale entfernt und die „Augen“ durch spiralförmiges Einritzen entfernt. Hört sich kompliziert an und dauert tatsächlich auch etwas länger, aber es sieht im Endeffekt super aus und man verschwendet kaum etwas von der Ananas. Neben solchen „Life-Hacks“ erfuhren wir von Josef viel über die kulinarischen Vorlieben der Einheimischen und wurden zu guter Letzt mit dem eigenen Essen belohnt. Die Reste durften wir komplett mitnehmen, das Essen für den nächsten Tag war also direkt mitgesichert. Wenn das Gericht auf einer Speisekarte stehen würde, dann würden wir es so nennen: „Junglefern mit self-made veggie curry“. Insgesamt war die Cooking Class eins unserer Highlights auf Borneo, dass uns die Kultur und die besondere Verbundenheit der Einwohner Sarawaks zur Natur auf ganz andere Weise näher gebracht hat.

Bako Nationalpark

Ein weiteres Highlight in Sarawak und ganz in der Nähe von Kuching auf einer Insel gelegen, war der Bako Nationalpark. Da wir schon vorher erfahren hatten, dass das letzte Boot von Bako um 15 Uhr ablegen würde, nahmen wir (diesmal wirklich) morgens um 7 den Bus, um dann mit dem Boot weiterzufahren. Bereits vom Boot aus
konnte man einen ersten Eindruck von der Vielfältigkeit des Nationalparks bekommen: Mangroven, Dschungel, Sandstrand … Auf der Insel angekommen, warnten die ersten Schilder direkt vor Krokodilen – gesehen haben wir aber (leider) keins. Dafür rannte uns auf dem Weg zur Registration direkt ein Wildschwein über den Weg. Noch besser wurde es dann auf dem Rückweg von der Registration zu den Hiking Trails. Direkt über dem Weg hatten sich auf der linken Seite ein paar Silver-Leaf-Monkeys im Baum niedergelassen, auf der rechten Seite ein paar Proboscis Monkeys (die berühmten Nasenaffen). Also bereits viel zu sehen auf den ersten Metern – wenn man Glück hat.

Wir entschieden uns Trail 7 zu einem Wasserfall zu nehmen. Der Weg hat ca. 4 Stunden hin und zurück gedauert und ging durch die unterschiedlichsten Landschaften. Nur der Wasserfall am Ende war eher ein kleiner Bach, aber dennoch eine willkommene Abkühlung (wie wir nachher erfuhren, hätten wir noch etwas weitergehen müssen um an den wirklichen Wasserfall zu kommen 😀 ). Da wir nach der Wanderung noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des Bootes hatten, gingen wir noch fix einen weiteren kürzeren Weg (Trail 3), der an einem Strand endete. Der Strand hatte schon etwas Magisches und war menschenleer, sodass wir kurz verschnaufen und die Ruhe genießen konnten. Auf dem Rückweg zum Boot passierte dann noch einmal ein kleines Wunder, mit dem wir nicht mehr gerechnet hatten. Völlig aus dem Nichts sprang eine Familie von Nasenaffen über unsere Köpfe hinweg. Leider war es schwierig das rege Treiben irgendwie einzufangen, aber an Ort und Stelle wirklich einmalig. Alles in allem war der Tag in Bako voller Überraschungen und absolut zu empfehlen für Wanderungen in der Natur inklusive wilder Tiere!

Mulu Nationalpark

Man könnte nun denken: „Schon wieder ein Nationalpark? Was soll da groß anders sein?“ – Darauf können wir nach unserem Aufenthalt im Mulu Nationalpark nur sagen: Alles! Bereits die Anreise nach Mulu war kaum mit der Anreise nach Bako zu vergleichen. Es ging von Kuching aus mit einer kleinen Propeller-Maschine direkt in den Nationalpark.
Funny fact: Obwohl der Flug nur knapp über eine Stunde dauerte, gab es ein Sandwich zum Frühstück und zweimal Getränke, das Flugpersonal war also rundum beschäftigt und wir zufrieden als wir in Mulu ankamen. Mit ankommen meinen wir hier, dass das erwähnte Flugzeug auf der einzigen Landebahn inmitten des Nationalparks landete,
einmal auf der Landebahn drehte und zu dem kleinen Flughafengebäude mit circa drei Mitarbeitern zurückfuhr. Von da aus ging es für uns zum Hostel, das direkt am Fluss lag und nur bei Nacht mit Strom durch einen Generator versorgt wurde. Man könnte Mulu insgesamt als sehr autark beschreiben. Außer ein paar Hostels, einem Hotel, zwei Minimarts und ein paar Restaurants, gibt es wirklich „nur“ Natur. Handynetz und Internet sucht man hier vergeblich, was aber tatsächlich sehr entspannend für uns war. Dafür hat der Park umso mehr zu bieten.

An einem Tag machten wir sowohl eine Tour zur Clearwater und Wind Cave, also auch eine Tour zur Deer und Laang Cave mit. Highlight der ersten Tour war für uns tatsächlich nicht der Besuch der Höhlen, sondern das Baden danach im Jungle River vor einer der Höhlen. Die zweite Tour hat uns dann aber umso mehr begeisterst, was wahrscheinlich an der unbeschreiblichen Deer Cave lag, die einfach riiiiiesig ist und von über 3.000.000 Fledermäusen bewohnt wird. Diese bemerkt man zum einen durch den „Geruch“ in der Höhle (es gibt tatsächlich Berge aus Fledermaus-Exkrementen, mit anderen Worten Scheiße), zum anderen bei Dämmerung, wenn sich die Fledermäuse auf Nahrungssuche begeben und in Schwärmen aus der Höhle fliegen. Ein wirkliches Spektakel , der Bat Exodus. Abgesehen von den Fledermäusen, gibt es Mulu eine enorme Anzahl anderer Tieren – vor allem Insekten (in der Überzahl: Mücken). So bestaunten wir auf unseren täglichen / nächtlichen Wegen durch den Park „Lebende Stöcker“, diverse Raupen („don’t touch the hairy ones“), riesige Käfer, die wirklich witzigen „Lantern Bugs“ und Glühwürmchen. Auch im Hostel hatten wir einige „Mitbewohner“ dieser Art, die immer wieder für eine Überraschung gut waren. Für den größten Lacher sorgte allerdings ein kleiner Gecko, der sich mitten im Paarungsakt von der Decke in Manuels Boxershorts fallen lies 😀 . Die Reaktion könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen.

Nun aber zurück zum Park. Neben den berühmten Höhlen gibt es auch ein paar schöne Rundwege, die allerdings nicht so natürlich belassen und oft mit Holzplanken versehen sind. Bei Regen (der im Regenwald schon mal häufiger und heftiger vorkommt) verwandeln sich diese in echte Rutschbahnen – was auch ich zu spüren bekam. Der riesige blaue Fleck erinnert mich nun zwei Wochen später noch an Mulu. Trotzdem hat uns der Pako Valley Loop sehr gut gefallen, der an einem Wasserfall am Fluss endet. Was will man mehr nach einer Wanderung in der Hitze als eine Abkühlung mitten im Dschungel? Dass es in dem Fluss auch ziemlich giftige Wasserschlangen gibt, haben wir zum Glück erst später erfahren. Insgesamt war Mulu eine besondere Erfahrung für uns, da wir viele neue Eindrücke von der Natur und ihren Bewohnern sammeln konnten. Wir haben darüber hinaus auch noch viele nette und unterschiedliche Menschen/Reisegefährten kennenlernen dürfen – und das fernab der sonstigen Zivilisation, vollkommen ohne soziale Medien. Es geht also doch noch auf die altmodische Art und Weise 😉

Eigentlich hatten wir vor nur einen Blog-Beitrag für Borneo zu schreiben. Da dieser hier über Sarawak schon wieder länger als geplant geworden ist, teilen wir das Ganze in zwei Teile.

Wir hoffen das euch auch dieser Eintrag gefallen hat. Kritik und Wünsche sind gerne willkommen. Freut euch schon auf den zweiten Teil von Borneo.

Terima kasih,

Tamara & Manuel

4 Gedanken zu „Borneo – Sarawak

  1. Hallo ihr Zwei,
    schön dass ihr wieder etwas im Blog verfasst habt. Dank der wunderschönen Bilder kann ich mir gut vorstellen wie das Leben in den Wildparks und der Natur ist. Aber natürlich ist es ganz anders es direkt zu erleben😀
    Wünsche Euch weiterhin viel Spaß una Abenteuerlust bis bald, ich bleibe am Ball!

    1. Wildpark klingt so nach Tierpark/Zoo aber du hast recht, freilebende/wilde Tiere gibts da sehr viele. 😂
      Wir konnten einmalige Eindrücke sammeln und sind immer noch baff.
      Unser Highlight von Borneo kommt aber noch 😉
      Grüße mittlerweile aus Indonesien

  2. Hallo ihr Weltenbummler,
    die Kocherfahrungen sind ja eindrucksvoll geschildert und das es Spaß gemacht hat glaube ich gerne. Wirkt sich wahrscheinlich später bei euch in der Küche aus 😊. Beeindruckend ist aber auch das Foto der besonders behandelten Ananas, auf diese Idee der spiralförmigen Beschneidung wäre ich nicht gekommen.
    Die Nationalparks müssen ja wirklich klasse sein. Auf dem Foto vom Bad im „Dschungel“ sind aber keine Giftschlangen zu erkennen!
    Dann bin ich aber wirklich neugierig auf den zweiten Teil eurer Erlebnisse.
    Habe gerade meinen Anschlussflug nach Kamtschatka verpasst und hänge nun in Moskau fest. So wird heute diese Stadt erkundet.
    Viel Spaß weiterhin und schöne Grüße Horst

    1. Hallo Horst, schön wieder von dir zu hören – wir dachten schon, du bist in Russland unter die Räder gekommen 😀 Wir hoffen doch, dass sich die ganzen Erfahrungen später nicht nur in der Küche bezahlt machen, aber da sicher auch! Der zweite Teil ist nun auch online. Wir wünschen dir weiterhin eine tolle Reise in Kamtschatka und ebenso tolle Erfahrungen.

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