Malaysia

Ipoh und Cameron Highlands

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Auf dem Weg in die Cameron Highlands haben wir, um uns etwas Abkühlung von der heißen Malayischen Luft zu verschaffen, vorher noch einen Zwischenstopp in Ipoh gemacht. Was es in Ipoh zu entdecken gibt und, ob die frische Luft uns wirklich gut getan hat, könnt ihr in diesem Blogpost selbst nachlesen:

Ipoh

Außer, dass Ipoh direkt auf der Strecke von Penang zu den Cameron Highlands liegt und, dass es eine Art alte Hippie-Stadt sein soll, wussten wir im Vorfeld nicht wirklich, was uns erwarten würde – gut so!

Bei der Ankunft am Busbahnhof in Ipoh war die Verbindung zur Stadt etwas undurchsichtig. Der Busterminal befindet sich leider rund 10km außerhalb der Stadt. Ein sehr hilfsbereiter und netter älterer Herr hat uns aber schnell weitergeholfen. Wir kamen ins Gespräch und plauderten beim Warten auf den Bus eine Weile. Er erzählte, dass er lange Jahre für die Royal Air Force gearbeitet hat, nun pensioniert ist und durch das Land reist. Ein wirklich netter Mann wie ich fand – Tamara erzählte mir nachher allerdings, dass er sie mit keinem Blick gewürdigt hat.

Die Old Town in Ipoh lädt absolut zum Verweilen ein. Viele kleine Gässchen, durch die man schlendern kann. Viele nette Cafés an jeder Ecke und (wieder mal) Streetart. Wir haben die Altstadt von Mittags bis Abends erkundet und uns am coolen Flair der Stadt erfreut. Wir können gar nicht richtig beschreiben, warum wir uns in den Gässchen so wohl gefühlt haben – aber das muss der „Vibe“ sein, von dem wir im Vorfeld nur gelesen haben. Wir haben viele coole Fotolocations gefunden und uns auch die Zeit genommen einige schönes Fotos zu schießen. Funny fact: Ein junger asiatischer Tourist kam auf Tamara zu und hat sie gefragt, ob sie ein Foto von ihm und mir machen könne – cool, dass er mich nicht selbst gefragt hat – bei Promis geht halt alles über das Management 😀

Die Altstadt von Ipoh verwandelt sich allerdings am Abend noch schlimmer als Werne: Ab circa 17:00 Uhr werden hier die Bürgersteige hochgeklappt und alle Läden geschlossen, sodass sich die Altstadt fast in eine Geisterstadt verwandelt. Wir hatten am ersten Abend Probleme etwas Essbares für uns zu finden. Ein BBQ-Garten hatte noch offen, für uns aber lediglich Krautsalat und Brot 😀 . Eine nette tamilische Familie hat uns dann mit Händen und Füßen den Weg zu einem Indischen Restaurant erklärt, wo wir dann auch endlich etwas Essbares gefunden haben. Langsam begann unser Appetit auf Nudeln, Reis oder Milchbrötchen in den Variationen süß, süß und noch süßer mit Käse, zu schwinden und wir sehnten uns nach zumindest europäischem Essen. Die Lösung: Im Shopping Center Baguette, Knoblauchbutter und Wassermelone kaufen, in die Hotellobby setzen und schnabulieren. Diese Kleinigkeiten waren für uns ein wahres Festmahl – auch wenn der Hotelangestellte gedacht haben muss, dass wir bekloppt sind 😀

Dann war da noch …
… unser Erlebnis mit der Frozen-Yogurt-Crew. Stellt euch einen heißen Tag in einer Stadt vor. Ihr schlendert so durch die Gassen und dann lest ihr: „Frozen-Yogurt“. „Jetzt son Yogurt-Eis-Dingsbums“! Nachdem wir förmlich (aber sehr nett) in den Laden gezogen wurden, waren wir auch schon umzingelt von den Mitarbeitern (und witziger Weise Kuscheltieren als Deko-Objekten), die uns alle etwas erklären wollten. Stress pur, wenn man von „hyperaktiven“ aber sehr netten) Mitarbeitern eines großen Ladens (ohne weitere Gäste) die volle Aufmerksamkeit bekommt. Das Eis war sehr lecker, wir waren trotzdem heil froh wieder in der Hitze zu sein.

Fazit: Für einen Zwischenstopp war Ipoh wirklich cool und empfehlenswert, aber wir konnten uns nicht wirklich länger an diesem Ort aufhalten als zwei Tage.

Tanah Rata / Cameron Highlands

Die Cameron Highlands versprechen eine willkommene Abkühlung, denn hier soll es 10°C kühler als im Rest von Malaysia sein – Juhu, nur noch 24°C 🙂

Die Anreise mit dem Bus war weniger schlimm als erwartet. Wir hatten gelesen, dass man aufjedenfall Kotz-Tüten mitbringen soll, da es sehr kurvig und schaukelig im Bus ist. Wir denken aber, wenn man schon mal in Österreich, Norwegen oder sonst wo Serpentinen hochgefahren ist, dann stellen diese Kurven keine schlimmeren Herausforderung dar. Uns hat das Klima direkt gut gefallen und wir haben relativ schnell beschlossen, dass wir um eine weitere Nacht verlängern werden. Durch diese Verlängerung haben wir (mal wieder) Anka und Florian (die ebenfalls mit dem Flugchaos vom Start unserer Reise zu kämpfen hatten – ihr wisst schon) spontan und durch Zufall auf der Straße wieder getroffen – Malaysia ist ja so klein.

Wir haben eine „Halbtages-Mossy-Forest-Tour“ bei EcoCameron gebucht und können diese absolut empfehlen. Wir haben eine Teeplantage besichtigt, hatten dann etwas Pech, dass wir wegen eines Hindu-Festes nicht in die Produktion konnten und haben anschließend noch eine Wanderung durch den Mossy Forest gemacht. Der Guide hatte uns anfangs vor die Wahl gestellt: Entweder die normale Touri-Tour oder einen von ihm entdeckten Pfad durch den Mossy Forest zu gehen. Natürlich fiel die Wahl auf den zweiteren Vorschlag. Der Guide erklärte uns dabei auch noch, dass es seit März 2019 eine Gebühr für den Mossy Forest gibt. Der Grund hierfür ist, dass der Wald auch durch Touristen derart verschmutz wurde, dass er sogar für eine Zeit geschlossen wurde. Eine gute Sache, haben wir gedacht – bis der Guide uns erzählte, dass er Mitglied in einer Naturschutzorganisation (REACH) ist und sich für den Mossy Forest einsetzt. Diese Organisation hat bisher kein Geld von der Regierung für Schutz- oder Aufforstungsmaßnahmen des Mossy Forest erhalten. Für seinen Weg bezahlten wir also keine Gebühr – wir als achter Gruppe spendeten allerdings den Betrag der Gebühr der Naturschutzorganisation. Der „Wanderweg“ der anschließend folgte war einfach grandios. Mehr gebückt und irgendwo hochkletternd als wandernd haben wir mit eigenen Augen sehen dürfen, warum der Wald Mossy Forest genannt wird. Es ist wirklich überall Moos. Wer jetzt denkt: „Ich hab auch Moss auf der Garage, so spannend kann das doch nicht sein“ der irrt. Auch hier sagen Bilder mehr als tausend Worte …

Die Region um Tanah Rata, aber auch in den gesamten Cameron Highlands lädt sehr gut zum Wandern ein. Da konnten wir natürlich auch nicht nein sagen. Wir entschieden uns für einen anspruchsvollen Wanderweg (Trail 8 zum Gunung Berembun). Für mich (Manuel) die bisher geilste Wanderung/Klettertour, die ich bisher erleben durfte. Für Tamara wohl der anstrengendste Tag ihres Lebens. „[…] ich glaube so geschwitzt habe ich noch nie!“ – man bedenke die kühlen Temperaturen 😀 Es ging zunächst circa zwei Stunden steil bergauf. Mit steil meine ich so steil, dass man sehr häufig nur auf allen Vieren und kletternd voran kam. Mit der ein oder anderen kurzen Pause zwischendurch konnten wir die Aussicht und den Dschungel um uns herum jedoch trotzdem genießen. Auf dem Gipfel angekommen trafen wir dann auf einen Österreicher und einen Deutschen. Beide reisen schon seit knapp zwei Jahren um die Welt. Wir tauschten uns über ihre Erlebnisse auf Wanderungen und über Tipps für unsere weiteren Reiseziele aus, bevor es wieder steil bergab ging. Der Ausblick auf dem Gipfel hätte als Belohnung etwas besser ausfallen können, aber wir wollen ja nicht meckern – der Weg war also das Ziel. Am Ende der kräftezehrenden Wanderung haben wir noch in einem netten kleinen Teehaus einen Tee und eine kleine Stärkung mit frittierten Bananen, Oreo und Käse zu uns genommen. Wir verweilten hier eine ganze Weile und genossen noch ein wenig die Aussicht und die Leckereien bevor wir uns dann wieder aufrappelten und die letzten Meter zur Unterkunft meisterten.

Unser Apartment hatte wie schon so häufig einen gemeinsamen Wohn- und Essbereich. Dort lernten wir auch Tan und Ong kennen. Beide chinesisch-stämmige Malaii, die einen Kurzurlaub in den Cameron Highlands machten. Wir unterhielten uns lange über unsere Kulturen und lernten so einige Dinge. Wusstet ihr, dass Nasi Goreng eigentlich gar kein Gericht ist, sondern einfach nur frittierter Reis heißt? Oder das Menschen aus Westmalaysia eine Art Visum für Ostmalaysia (Borneo) brauchen? Wir erhielten sehr viele Tipps zur malaiischen Küche, welches Gericht was beinhaltet und welches Obst wir unbedingt mal probieren sollten. Es war auch sehr interessant zu hören, dass sie relativ wenig über Deutschland wussten. Sie wussten zum Beispiel nicht, dass wir mittlerweile ohne Probleme von West- nach Ostdeuschland reisen können. Sie wirkten auf uns sehr viel heimatverbundener als wir es zum jetzigen Zeitpunkt sind. Wir erzählten, dass wir eigentlich noch gar nicht so viel von Deutschland gesehen und kennengelernt haben, worauf die beiden antworteten, dass sie erstmal ihr Heimatland erkunden wollen. Wir trafen danach immer mal wieder auf die beiden und haben uns sehr gut verstanden – Danke euch beiden für eure Gesellschaft!

Die Inhaberin unserer Unterkunft (Charen), ebenfalls eine chinesisch-stämmige Malaii, betreibt gleichzeitig auch noch ein Hostel, wo wir morgens immer bei selbst gebackenem Zimt-, Kokosnuss-, oder Schokoladenbrot frühstückten. Am Frühstückstisch unterhielten wir uns mit einer Brasilianerin über unsere Pläne für die Cameron Highlands („[…]ohh, you’re just two weeks into travelling, that’s why you are so full of energy[…]“) und über Rassismus in Vietnam. Auch mit einem ziemlich witzigen Mann aus dem Jemen hatten wir ein lustiges Pläuschchen
über Bärte und ihre Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Auch die beiden „Wandergefährten“ trafen wir am Frühstückstisch wieder.

Unser Host Charen, bot uns außerdem an, eine chinesische Tee-Zeremonie mit uns und ein paar weiteren Leuten aus dem Hostel abzuhalten. Wir lernten zum Beispiel die Bedeutung der chinesische Tee-Tradition kennen. Sie wird jeden Abend mit wechselnden Gästen abgehalten und kostet eine Menge Geld. Darum bringen die Chinesen auch zu den Tee-Zeremonien immer eine eigene Portion Tee mit. Ganz wichtig ist übrigens auch, dass man niemals unaufgefordert die Teekanne des Hausherren anfassen darf, denn diese kann unter Umständen mehrere Tausend Euro kosten und das ganze Leben des Hausherren bedeuten. Wir saßen zu siebt im Schneidersitz an einem kleinen Tisch. Charen brühte den Tee in ihrer Teekanne, ließ ihn nur wenige Sekunden ziehen und schüttete diesen dann
in eine weitere Teekanne ohne Teeblätter. Anschließend schenkte sie ihrer Nachbarin in die „Riechtasse“ ein. Diese Nachbarin schenkte dann ihrer Nachbarin ein und so weiter. Ein zweimaliges leichtes auf den Tisch klopfen während des Einschenkens bedeutet „Danke“ und es wird als unhöflich betrachtet, wenn man dies nicht tut. Nachdem man den Tee eingeschenkt bekommen hat und selbst eingeschenkt hat, nahm man die „Riechtasse“ und stülpte sie über auf die „Trinktasse“. Nachdem man dies tat, hob man die „Riechtasse“ an und konnte das Aroma des Tees aus ihr riechen. Riechen tut man allerdings nur bei Aufbrühnummer zwei und drei, da sich hier das meiste Aroma erschnüffeln lässt. Vor dem ersten Trinken sagt der Gastgeber noch einen uns nicht mehr bekannten Satz auf den wir als Teilnehmer dann mit „sai sai“ antworteten, was so viel wie „Danke“ bedeutet. Für einiges Gelächter hat Manuel dann gesorgt, als er als einziger laut „chin chin“ sagte. Selbst am nächsten Tag musste sich Charen darüber noch amüsieren 😀

Den oben beschrieben Vorgang wiederholen die Chinesen überigens für einen Tee 3-5 Mal und es wird je ein Tee für jede anwesende Person getrunken. Ziemlich zeitaufwändig. Allerdings ist es überhaupt nicht schlimm, wenn man später dazu stößt oder früher geht. Wir verbrachten einen wirklich netten und informativen Abend in geselliger Runde. Wir sind wieder einmal sehr dankbar für diese bleibende Erfahrung und können euch, falls ihr mal in der Nähe seid, die Apartments oder das Hostel „the Cave“ von Charen sehr empfehlen.

Auch zielmich cool ist es, in den Cameron Highlands einen Roller zu mieten und einfach eine Weile durch die Gegend zu fahren (wärmere Sachen zum Überziehen nicht vergessen, sonst friert man tatsächlich!). Das haben wir auch an einem Tag gemacht. Wir hielten an einer weiteren Teeplantage, einer Bienenfarm und einer Erdbeerfarm – welche allerdings nicht mehr als ein Gewächshaus mit „Balkon-Erdbeeren“ war. Da sind uns die deutschen Erdbeerfelder doch lieber!

Nachdem wir ja schon schlechte Erfahrungen mit dem Fliegen gemacht hatten, entschieden wir uns bei der Abreise von Tanah Rata gaaanz viel Zeit als Puffer für den nächsten Flug einzuplanen. Wir haben etwas übertrieben und konnten unser Gepäck beim ersten Mal nicht aufgeben – weil wir zu früh dran waren. Wir schaffen es aber auch immer wieder 😀

Jetzt sind wir auf dem Weg zu unserer nächsten Station: Borneo!
Stay tuned!

Tamara & Manuel

6 Gedanken zu „Ipoh und Cameron Highlands

  1. Hallo Tamara und Manuell, schön das ihr wieder einen Blog mit euren Erfahrungen eingestellt habt. Die Unterstützung durch die Bilder ist sehr gut.
    Unverständlich für mich ist allerdings das Verhalten des „alten Herrn“. Ein Foto mit Tamara wäre doch die Krönung gewesen😇.
    Die Beschreibung der Wanderung kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch in Russland habe ich die Marschgeschwindgkeit und das querfeldein „je steiler umso besser“ erst kennenlernen dürfen. Aber das Tamara nicht so fit sein soll glaube ich nicht.
    Wünsche Euch noch viele nette Reisebekanntschaften und viele schöne Erlebnisse und warte auf den nächsten Blog.
    Lg Horst

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar Horst.
      Ein Foto mit Tamara ist immer ein Highlight ☺️ Sie war an dem Tag etwas angeschlagen, hat sich aber tapfer durchgekämpft.
      Grüße

  2. Hallo ihr zwei
    Ich bewundere euren Mut für die Unternehmungen die ihr macht. Bei uns sind es aber gerade schon wieder 33 Grad und viel zu heiß. Die Fotos sind wirklich toll. Jetzt seid ihr wohl schon auf Borneo und auch da wünschen wir euch tolle Erlebnisse.
    Ganz liebe Grüße aus der Pizzeria von mir, Rainer und Motte

    1. Hallöchen ihr zwei bis drei.
      Allmählich haben wir uns an die Hitze gewöhnt, nur der Wechsel von gefühlten 3 °C mit AC und ohne ist krass. Wir müssen aber auch keine Pizza machen 😉 Die würden wir aber liebend gern wieder essen – nur Reis und Nudel ist schon etwas anderes.
      Grüße

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