Malaysia

Penang und George Town

Penang und vor allem George Town ist bekannt für die ausgezeichnete Esskultur und -vielfalt. Auch die Streetart ist sehr sehenswert.
Ob das (für uns) auch wirklich zutrifft? Lest selbst:

Streetart

Es gibt in George Towns Innenstadt – wenn man sie so bezeichnen darf – fast an jeder Ecke Streetart zu bewundern. Wenn ich an Streetart denke, dann sehe ich vor meinem inneren Auge bisher immer Graffitis, Malereien oder Portraits – manchmal auch gesellschaftskritisch.
George Town hat uns dahingehend überrascht, dass die Streetart hier in einer für mich unbekannten (guten) Qualität vorherrscht. Auch der „interaktive“ Part der Streetart ist richtig cool und es macht sehr viel Spaß mit den Motiven zu spielen, herumzualbern und sich selber in das Motiv zu verfrachten.
Nachteil: George Town ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Die „Innenstadt“ und gerade der Streetartbereich sind UNESCO-Weltkulturerbe und somit ist es sehr voll auf den Straßen. Man trifft und sieht viele Backpacker auf den Straßen – viel mehr europäische Gesichter als noch in KL (liegt wohl an der Masse der Leute – in KL konnten wir „Weißen“ noch im Hintergrundrauschen untergehen – hier nicht mehr).
Die Gassen sind viel kleiner als noch in KL und laden viel mehr zum Verweilen ein. DIE Backpackergegend rund um die Love Lane eignet sich ausgezeichnet für das muntere ungezwungene Nachtleben. Wir haben ein paar Abende/Nächte in Bars genossen und hier natürlich auch die „Happy Hour“ genutzt. Auch Live-Musik gibt es hier,
welche wir nur empfehlen können (Bar Pokok). Die Love Lane am Abend erinnert aber mehr an Lorett de Mar oder den Ballermann, wenn es um die Frage geht „in welche Bar geh ich heute“ oder „was esse ich heute?“ Dutzende „Marktschreier“ wollen einen dazu verleiten, in ihr Lokal zu kommen.

Streetfood

Entfernt man sich weiter von der Love Lane, so wird es zwar am Abend nicht ruhiger, aber anders. Die unzähligen Stände bieten so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Und das in einem fast nicht vorstellbaren Rahmen. Sobald man in die Nähe der Innenstadt kommt, geht es los und hört eigentlich nie auf – selbst außerhalb des Ortes, wo die „normalen“ Leute wohnen, gibt es häufig so genannte „Hawker“ (Garküchen), die rund um die Uhr essen zubereiten.
Geht man bei Tageslicht an die Orte, wo am Vorabend die hungrige Meute nach etwas Essbarem gesucht hat, um beispielsweise die Streetart zu bewundern, wird man sich die Augen reiben. Zum einen kann man sich weniger frei bewegen, da die Straße von Autos genutzt wird (am Abend zwar auch – da gibts für diese allerdings kein Durchkommen). Zum anderen bekommen die Straßen durch die Leute, die Lichter und die Gerüche einen ganz besonderen Flair. Tagsüber konnten wir uns nicht zu lange in der Stadt aufhalten, was sich auch in der Laune widergespiegelt hat. Dies änderte sich schlagartig wenn es dunkler wurde.

Falls wir mal keine Lust mehr auf Nudeln oder Reis von der Straße hatten, sind wir zum Sri Ananda Bahwan gegangen, ein super vegetarisches Restaurant in Little India. Hier haben wir uns bei fantastischem Essen für ca. 4,5€ pro Person den Magen gefüllt. Besonders begeistert hat uns das nachgemachte Chicken. Sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz nicht vom Original zu unterscheiden!

Nationalpark (Taman Negara Pulau Pinang)

„WARAN WARAN“ – Manu machte einen riesen Satz nach vorne und legte die schnellsten 10m seines Lebens zurück.

Nach dem Frühstück mieteten wir uns einen Roller für umgerechnet 8€ – für 24 Stunden. Erstmal eine Tankstelle ansteuern, weil der Tank leer war. Und direkt im dichten Verkehr Malaysias gelandet. „Der da vorne quetscht sich zwischen den Autos durch? “ Hinterher habe ich mir nur gedacht. Das unweigerliche „Da willst du durch?“
und „Ahhh, Vorsicht“ von hinten ließ nicht lange auf sich warten. Das Navigieren in George Town müssen wir allerdings nochmal üben. Zu unserer Verteidigung: Die Einbahnstraßen (es gibt wirklich viele davon in GT) sind im Linksverkehr echt nicht so einfach zu befahren 😀 . Nachdem wir ungeplant einmal im Kreis gefahren sind
und links ran fahren mussten, haben wir es dann doch noch aus der Stadt und bis zum Nationalpark geschafft.

Schon nach wenigen Metern im Nationalpark konnten wir das Meer erkennen. Wir verließen den befestigten Weg um kurz den angrenzenden Strand zu bewundern, bis Tamara auf einmal sagte: „schau mal da!“. Kurze Verwirrung. Ich hatte zwar davon gelesen, dass es diese Tiere hier geben soll, aber ebenso, dass man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Ist das wirklich einer? Tatsächlich! Ein Waran! Ich holte meine Kamera raus und näherte mich dem mir vollkommen unbekannten Tier gaaaanz langsam und schoss währenddessen einige Fotos. Der Waran entfernte sich langsam und verschwand in einem Busch. Ein Highlight direkt zu Beginn. Der Start der Wanderung hätte nicht besser
laufen können. Uns begegneten wenig später Affen, bunte Schmetterlinge, Brillenlanguren, riesige Ameisen und einen Weißkopfseeadler hatten wir auch gesehen.

In meinem Kopf waren schon so viele geniale Eindrücke gespeichert, dass ich einfach nur noch „geil geil geil“ dachte und voller Endorphine war. Ein Strahlen überzog unsere beiden Gesichter und wir waren uns schnell einig, dass dies das bisherige Highlight der Reise war. So viele Eindrücke, so viele Dinge zu sehen, zu fotografieren.
Wir genossen einfach nur jeden Moment und waren überglücklich genau hier – jetzt – an diesem Fleck der Erde zu sein. Mehr als „krass“ und „schau mal da“ brachten wir nicht über unsere Lippen – zu geflasht waren wir.
Nach circa eineinhalb Stunden Wanderung durch den Dschungel gelangten wir auf das letzte Stück des Weges zum Turtle Beach. Ich schaute kurz nach oben und sah, dass sich das Licht in einem kleinen Faden brach. Ich dachte „hey cool – hier ist bestimmt irgendwo eine große Spinne – die gibts hier bestimmt auch und die haben wir
noch gar nicht gesehen“. Ich wusste nur leider nicht, dass sich diese Spinne genau über meinem Kopf befand. Ich folgte also dem Spinnenfaden langsam bis mein Blick fast senkrecht nach oben gerichtet war. „ALTER – WOOW“, stieß ich nur aus und machte einen Satz nach vorne. Tamara schaute mich nur verwundert an. „Sei froh, dass du
schon vor mir dadrunter her gegangen bist …“ 😀 . Zwei Minuten später begegnete uns ein weiteres Pärchen – natürlich erzählten wir ihnen von der Spinne, blieben noch etwas stehen und beobachteten, was passierte. Sie gingen vorsichtig bis genau an die Stelle, wo ich stand, bis wir nur ein lautes „WOOOW“ hörten.

Keine zehn Minuten später raschelte es im Gebüsch neben mir. Ich schaute nach rechts und erkannte zunächst nichts. Kennt ihr dieses Gefühl wenn ihr wisst, da ist etwas, ihr neugierig Ausschau haltet und euer Körper schon mal in Alarmbereitschaft geht? Genau das passierte in diesem Moment. Dann stand er da, keinen Meter von mir entfernt und ich schrie nur „WARAN WARAN“ und machte einen Satz nach vorne. Tamara hat sich richtig erschrocken und machte einen Satz mit mir. Der Waran ist wahrscheinlich an einem Herzinfarkt gestorben.

Anschließend erreichten wir den Turtle Beach und hatten diesen fast für uns alleine. Wir genossen die Stille und das Meeresrauschen, setzten als erste Personen unserer Familie einen Fuß in den Indischen Ozean. An diesem Strand befand sich (wie der Name schon erahnen lässt) auch eine Schildkrötenstation. Diese sichert den Strand und die Eier der Schildkröten. Was uns aber ziemlich merkwürdig erschien, war die Tatsache, dass unzählige kleine und einige große Schildkröten in viel zu kleinen Becken „gehalten“ wurden. Meeresschildkröten wandern nach dem Schlüpfen am Strand auf natürlichem Wege direkt ins Meer. Schutzstationen sind sinnvoll, da die Meeresschildkröten mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Der Schutz der Eier ist also durch solche Einrichtungen durchaus sinnvoll. Unsere Recherche hat aber keinen Grund aufgezeigt, warum die geschlüpften Schildkröten in viel zu kleinen Becken gehalten werden sollten. Im Gegenteil: Viele andere Projekte helfen den kleinen Schildkröten auf dem Weg ins Meer. Nur um bei den Besuchern einen „ohhhh, so sweet“-Moment wie bei den beiden Britinnen neben uns auszulösen sollten diese, nochmal(!), vom Aussterben bedrohten Tiere nicht einfach so gehalten werden.

Was sonst noch so war

Unsere Unterkunft haben wir (nachher liebevoll) Favela getauft. Wir hatten diese gebucht, weil die Bilder vom Zimmer einfach und sauber aussahen. Natürlich war die Unterkunft auch günstig. Als wir ankamen, hatte ich (Manu) erstmal ein kleines Down, weil wir mitten bei den Einheimischen gelandet waren. In einem von drei riesigen Wohnkomplexen. Im 24. Stock. Die Umgebung war auf den ersten Eindruck sehr gewöhnungsbedürftig. Wir sind im Nachhinein sehr froh, genau in dieser Unterkunft gewesen zu sein. Erst einmal waren die Leute ausnahmslos super nett – wir wurden am letzten Abend sogar auf ein Abendessen eingeladen. Wir haben uns (fast) heimisch gefühlt. Wir fuhren mit unserem Roller vor, gingen noch kurz im Shop in der untersten Etage einkaufen und anschließend hoch zu unserem Zimmer. Wir durften erfahren, wie die Leute abseits des Touristen-Trubels leben. Ein super Erlebnis!
Witzige Anekdote: Wir sind bei der Besichtigung des Kek Lok Si Tempels in ein längeres Gespräch mit Victor, einem Brasilianer auf Südostasienreise, gekommen. Als wir ihm erzählten wie wir unsere Unterkunft getauft haben, hat er erst etwas irritiert geguckt und danach gelacht 😀 .

Wir haben, auch weil unsere Unterkunft etwas außerhalb der Stadt lag, häufiger die Grab-App benutzt. Grab ist eine App, mit der man sich einen privaten Fahrer (Taxi) für eine bestimmte Strecke mieten kann – zu super Preisen. Hierdurch haben wir den ein oder anderen Tipp von einem Einheimischen bekommen und konnten uns super über Gott und die Welt austauschen. Außerdem kamen wir schnell und günstig von A nach B.

Nach vier Nächten in unserer Favela ging es dann zunächst mit der Fähre (überigens kostenlos – die Hin- und Rückfahrt auf die Insel hat uns also ca. 0,6€ gekostet) auf das Festland nach Butterworth, um anschließend einen Bus zu unseren nächsten Stationen, Ipoh und die Cameron Highlands, zu nehmen.

Peace!

Manuel & Tamara

19 Gedanken zu „Penang und George Town

  1. Der Blog ist einfach sehr gut! Es macht großen Spaß ihn zu lesen und die Bilder dazu unterstreichen das Geschriebene. Man fühlt sich direkt an den Erlebnissen beteiligt. Könnte mir mittlerweile auch einen Tripp in diese Weltregion vorstellen.

    1. Vielen Dank Horst! Das freut uns sehr und motiviert uns natürlich auch den Blog weiterhin zu pflegen!
      Malaysia ist bisher sehr zu empfehlen und man kommt mit Englisch sehr weit – eine Reise wert. 😉

  2. Sehr geiler Eintrag! Ich musste so laut los lachen als ich an der Stelle war “ der Waran ist wahrscheinlich an einem Herzinfarkt gestorben“. Hoffen wir mal nicht. 😉

    Richtig toll das ihr eure Erlebnisse hier festhaltet. 😊

    Bis zum nächsten Eintrag 😉☺️

    1. Danke danke Sarahlein! Wir haben uns nicht nach dem Waran erkundigt und hoffen, dass es sich jetzt nicht um unterlassene Hilfeleistung handelt, wenn der Fall wirklich so eingetreten ist 🥺

  3. Eure Reise mitzuverfolgen macht echt Spaß. Ihr schreibt sehr spannend und es ist bestimmt sehr interessant, beeindruckend und abenteuerlich. Ich freue mich mit Euch, dass ihr das erlebt!
    Auch super gelungene Bilder, wow echt toll. 👍Bis zum nächsten mal in diesem Blog😉😀

    1. Es macht für uns genauso viel Spaß die Kommentare durchzulesen und zu sehen, dass ihr euch mit freut. Dankeschön! ☺️

  4. Ich bin auch einfach beeindruckt und auf jeden Fall eifersüchtig… Das sind wirklich tolle Erlebnisse 🙂 Genießt die Zeit weiterhin! Da kommt das Leben hier einfach so langweilig vor 😀
    Ich freue mich auf euren nächsten Blog. Denn geschrieben ist er super und auch die Bilder geben einem eine gute Vorstellung

  5. Hallo Ihr beiden,
    das ist wieder ein toller Bericht über Eure Erlebnisse und Abenteuer und super schöne Fotos dazu. 😀
    Habt weiterhin viel Spaß und passt auf Euch auf.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Eintrag. 🤗

    1. Vielen Dank!
      Es passieren so viele kleine Sachen auch noch nebenbei, die wir gar nicht mit in den Blog nehmen können. Sonst hätten wir eher ein Roman-Format. Das können wir lieber Mal bei einer Skype Session erzählen 😊

  6. Huhu ihr beide,
    Da habt ihr ja schon einiges erlebt in so kurzer Zeit. War bei mir ja damals auch so das man sich über jede Kleinigkeit dann auch den Ast abfreut. Bei mir waren es halt damals Emus, Kängurus und co. Aber selbst ein schöner Strand nimmt man aufeinmal ganz anders war. Ihr erzählt wirklich sehr gut, dadurch fühlt man sich mitten drin. Genießt Vorallem die Anfangszeit, die ist am besten in mancherlei Hinsicht ist man noch ein wenig naiv ,wenn ich z.B. an eure erste Taxi fahrt denke 😄.
    Aber genau so Storys macht es auch irgendwie noch aufregender. Und ihr werdet merken umso länger eure Reise geht, es wird irgendwann immer normal jeden Tag so tolle Dinge zu sehen. Deswegen genießt gerade die erste Zeit. Die ist am besten. Ich wünsche euch weiterhin noch viel Spaß und passt gut auf euch auf.

    1. Hi Susi, danke für deine Worte!
      Wir hoffen natürlich, dass es nicht zur Routine wird. Und genauso hoffen wir den Blog weiterhin so zu pflegen!

    1. Tamara & Manuel -> Soll erfüllt (Die liebsten neidisch machen)
      Wir hoffen in den nächsten Tagen auch noch Orang-Utans zu sehen 😍

  7. Liebe Tamara,lieber Manuel.
    Mit größtem Interesse verfolgen Margret,Motte und ich eure ersten Reisebeschreibungen.
    Margret ist völlig begeistert von den tollen Bildern und den umfangreichen und ausführlichen Beschreibungen.Sie möchte bei euch sein, und das alles miterleben! Motte sieht eher das ganze vielseitige Essen und sabbert.
    Ich bin ja nun mal ein absolutes Greenhorn auf dieser Bühne und deshalb in jeder Hinsicht völlig geflasht.Ich sauge das ganze Projekt auf wie ein trockener Schwamm.Viele Bilder sind für mich surreal-traumhaft unwirklich-.Das begeistert mich.Im Herzen sind wir drei auf ganz verschiedene Weise bei euch beiden.Wir freuen uns über jedes Bild und jeden Text dazu.Bleibt gesund!! Ihr hört von uns.Mit einem Gruß aus meiner Heimat-ganz lieb Rainer.
    https://www.youtube.com/watch?v=Gtd9Bg9S85U

  8. Hallo ihr beiden,
    vielen Dank für eure spannenden und vor allen Dingen interessanten Blogbeiträge (und natürlich auch die supertollen Fotos). Eure Faszination und Begeisterung ist wirklich zu spüren.
    Ich freue mich für euch, dass ihr bisher schon so viel erlebt habt 🙂 Haltet uns weiterhin auf dem Laufenden!

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