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Anreise auf Umwegen

„Bekommen wir den Flug noch?“
„Ja, aber rennt! Achja, die Rucksäcke könnt ihr hier nicht abgeben, die müssen zum Sondergepäck dort drüben.“

Die letzten Tage vor unserer Abreise hat sich ein komisches Gefühl bei uns eingeschlichen. Es hatte etwas von Vorfreude und geduldigem Warten auf den Tag X. In die Abschiede von den Liebsten konnten wir uns nicht so ganz hinein versetzen wie der jeweilige Gegenüber. Es sind eben zwei verschiedene Perspektiven. Wir auf der einen Seite – voller Vorfreunde und Gespanntheit vor dem Abenteuer und vor dem, was uns erwartet. Auf der anderen Seite Menschen, die uns vermissen werden. Wirklich Zeit darüber nachzudenken hätten wir in den letzten Tagen gehabt, aber zu viele Eindrücke sind auf uns ein geprasselt.

Am Abend vor der Abreise war bei uns immer noch keine Spur von Nervosität zu spüren. Vielleicht ist es das Alter oder die jugendliche Leichtigkeit?! Beim Einschlafen haben wir dann doch die ersten Anzeichen verspürt: Herumgewälze von links nach rechts und rechts nach links. Wurde aber auch Zeit 😉

Nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf ging es dann mit dem Auto von der elterlichen Herberge zum Bahnhof in Kamen – mit dabei die Elterntiere. Den Wetterbericht hatten wir die Tage vorher nur überflogen – was interessiert uns denn noch das Wetter in Deutschland? Schon in Dortmund der erste Schock-Moment: „Auf Grund eines Blitzeinschlags hält dieser Zug nicht in …“ – What the fuck?! Wetter macht mal keinen Scheiß – „…Bochum, Essen und Mühlheim„. Zum Glück hält er noch am Flughafen in Düsseldort! „Ersatzhalte hierfür sind Herne, Gelsenkirchen und Essen-Altenessen“ – Herne werden wir aber auch nicht mehr los!

Nach einer Verzögerung von circa 30 Minuten kamen wir dann am Flughafen in Düsseldorf an. Was dann passierte hätte fast nicht schlechter laufen können. Wir mussten unsere Rucksäcke noch beim Lufthansaschalter aufgeben. Die Warteschlange war aber dermaßen lang und es ging kaum voran, dass wir direkt zu Beginn Angst um unseren Flug haben mussten. Nach mehrmaligem Nachfragen bei Flughafenpersonal (sorry Lufthansa aber Notfallmanagement müsst ihr nochmal üben – gefühlt drölfhundert Fluggäste vor eurem Schalter und keine Informationen für Leute, bei denen die Flüge schon sehr bald gehen – nicht nur bei uns) hieß es: „Ihren Flug schaffen sie noch, sie werden ausgerufen, wenn es zu eng wird.“ Okay, das haben wir auch noch nie gehört. Aber wird schon richtig sein haben wir uns gedacht.

Es wurde 09:15, dann 09:30, dann 09:45 – unsere planmäßige Abflugzeit war 10:25. Um 09:55 erwischte Tamara dann jemanden von Lufthansa. Wir durften direkt zum Check-in und zur Gepäckaufgabe. Es stellte sich heraus, dass der Flughafen Düsseldorf auf Grund des Gewitters für knapp zwei Stunden gesperrt worden war. Das heißt keine Abfertigung der Flugzeuge und natürlich Chaos. Nur unser Flug – gefühlt als einziger Abflug am ganzen Tag in Düsseldorf – schien pünktlich zu sein. Auf Nachfrage von uns, ob wir denn den Flug überhaupt noch bekommen würden, hieß es: „Ja, aber rennt! Achja, die Rucksäcke könnt ihr hier nicht abgeben, die müssen zum Sondergepäck dort drüben.“

Uff, na klasse. Direkt zum Sondergepäck. Kurzer Blick zu den wartenden Eltern. „Was ist los?“ stand in ihren Gesichtern. Beim Sondergepäck angekommen stellt der gute Mann von der Annahme fest, dass das Gepäckschild von Tamara nur lose befestigt war, schob den Rucksack aber nach hinten und reichte das Gepäckschild einem weiteren Mitarbeiter und meinte: „Mach das mal fest.“ – Ach du scheiße! In Gedanken war der erste Rucksack also schon verloren – irgendwo am Düsseldorfer Flughafen oder auf dem Weg nach Toronto.

Witzige Anekdote schon hier: Tamara war die ganze Zeit entspannter als gedacht, wenn es um ihren Rucksack ging – es stellte sich heraus, dass sie dachte, es ginge um Manuels 😀

Auf zur Sicherheitskontrolle. Viel Zeit für die Verabschiedung von den Eltern blieb leider nicht. Alles Verlief wie in Trance: Jeden einmal fest drücken, weiter. Im Vollsprint zur Sicherheitskontrolle. Schnell an der Schlange vorbei und die ersten Leute darum bitten uns vorzulassen. Nebenbei noch den Handgepäck-Rucksack auspacken und einen letzten Blick auf die in voller Aufregung winkenden Eltern werfen. Wir haben es durch die Sicherheitskontrolle geschafft. Fünf Minuten – mehr braucht man also nicht. Gut zu wissen.

Im Flugzeug nach Frankfurt

Nun wieder im Vollsprint zum Gate. Dort angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Das Gate machte gerade erst auf. Kurzer Blick auf die Uhr 10:15. Wie kann das bitte möglich sein, wenn das Flugzeug angeblich pünktlich um 10:25 abhebt? Naja egal, überglücklich stellten wir uns in die Schlange und kamen direkt in den Bus zum Flugzeug. Witziger Weise waren wir anschließend die ersten auf der der Treppe hoch zum Flugzeug und somit auch die ersten innerhalb dieses. Welch Ironie. Leider verzögerte sich der Abflug (oh Wunder) dann um circa 50 Minuten. Wir hätten also noch genug Zeit gehabt uns richtig zu verabschieden, was uns wütend und traurig zu gleich machte. Der Kapitän machte dann auch noch eine Durchsage, die vermuten ließ, dass man wusste, dass dieser Flug nicht pünktlich starten würde – Danke Lufthansa (Nochmal: Im Fach Notfallmanagement seid ihr durchgefallen und müsst nachsitzen!).

Der Flug verlief reibungslos. Uns war aber schon klar, dass wir in Frankfurt nur circa 15 Minuten bis zum nächsten Abflug haben würden. Die Odyssee geht weiter. Raus aus dem Flieger. Rein in den Terminal. Wohin? Da ist eine Anzeigetafel! Unser Flug steht da nicht mehr drauf. Das Abfluggate steht aber auf der Homepage des Frankfurter Flughafens. Okay dahin! Am Gate 9 3/4 angekommen, sahen wir Condor-Mitarbeiter, die uns direkt mitteilten, dass sie von uns wüssten. Ein Mitarbeiter ging sofort zum Flugzeug zurück, um zu schauen, ob die Türen noch offen waren. Eine weitere Mitarbeiterin forderte uns auf, uns zu entscheiden: Jetzt noch nach Kuala Lumpur mitfliegen, aber ohne Gepäck oder eben nicht. Wir entschieden uns für das Mitfliegen ohne Gepäck. Der andere Mitarbeiter kam allerdings zurück und sagte es wäre zu spät – zwei Minuten früher hätten ausgereicht.

Resigniert, aber erstmal durchatmend nach dem zweiten Sprint an diesem Tag trotteten wir von Dannen. Uns kam schließlich noch ein weiteres aufgeregtes Pärchen entgegen. Anka und Florian. Es stellte sich heraus, dass sie so ziemlich das Gleiche durchgemacht hatten und so ziemlich das Gleiche in Malaysia vor hatten. Und dann kommen sie auch noch aus der Nähe von uns.

Etwas entspannter – wir konnten an der Situation ja nichts mehr ändern – suchten wir den nächsten Lufthansa-Serviceschalter auf. Wir bekamen eine Umbuchung über Bangkok nach Kuala Lumpur mit ThaiAirways. Boarding time sollte 14:05 sein. Wir verbrachten die nächsten knapp zwei Stunden damit unsere Leidensgenossen Anka und Florian näher kennen zu lernen und tauschten uns über unsere strapaziöse Anreise aus. Das Boarding verlief dieses Mal reibungslos. Der Flieger war etwas größer, das Personal etwas asiatischer. Schon bald hörten wir das Kommando des Kapitäns für das Boardpersonal, dass sie sich bereit zum Losrollen machen sollen. Es passierte nur nichts. Was war los? Schon bald darauf die Durchsage des Kapitäns: „Auf Grund von Unwetter und Gewittern ist der gesamte Frankfurter Flughafen auf unbestimmte Zeit gesperrt“. Ernsthaft? Sind wir bei der versteckten Kamera? Vor lauter Unglaube mussten wir erstmal Lachen. Um das Ganze abzukürzen: Wir warteten drei Stunden bis zum Abflug. Tamara bekam zu alle dem auf halber Strecke nach Bangkok noch eine Bierdusche von einer Stewardess.

Gute Laune trotz schlechtem Start

In Bangkok angekommen war uns schon klar, den Anschlussflug hatten wir verpasst! Mal wieder. Wir wurden wieder umgebucht – auf einen Flug nach Kuala Lumpur sechs Stunden später. Wir wurden für die Wartezeit allerdings in eine Business-Lounge eingeladen – treffender Weise mit dem Namen „Miracle Lounge“. Chillen, Kaffee und Bier trinken, etwas essen, schlafen und plaudern standen auf dem Programm. Weiterer funny fact: Anka und ich fanden heraus, dass wir quasi zu einer Familie gehören. Ihre Tante hat einen Cousin von Manuels Vater geheiratet.

6 Stunden später wurde das Wunder dann tatsächlich war: Wir stiegen ins Flugzeug nach Kuala Lumpur und hoben ab. Dort angekommen klappte dieses Mal alles erstaunlich reibungslos. Innerhalb von 30 Minuten bekamen wir das Visum ausgestellt und unser Gepäck war auch da. Das gibt es ja gar nicht! Jetzt nur noch vom Flughafen in die City. Nur noch …

Da wir zu viert waren, hatten wir beschlossen uns ein Taxi in die Stadt zu teilen. Prompt wurden wir von einem Taxifahrer übers Ohr gehauen. Wir hatten zwar im Vorfeld gelesen, dass „Grab“ der Marktführer für Taxis ist, entschlossen uns aber für ein seriös wirkendes Taxi mit Taxameter. Macht das bloß nicht, falls ihr mal nach Malaysia
kommt! Wir haben schließlich den doppelten Preis als normal für das Taxi bezahlt und dann auch noch Nerven am Taxifahrer gelassen. (Manuel hat ihn übrigens Sammy getauft, weil er seinen Namen nicht verstanden hat – danach hat er das Radio lauter gedreht). Er wollte uns am Ende auch noch erzählen, dass wir Fahrgäste für die Mautgebühren zahlen müssten und hat irgendeinen Betrag genannt. Nach ein paar Minuten hitziger Diskussion schrie er nur noch wütend: „get out of my car!“ – Tschau mit V Sammy!

Im gebuchten Airbnb angekommen, hat alles wunderbar funktioniert und wir sind nur noch völlig fertig und nach circa 35 stündiger Anreise ins Bett gefallen.

Gute Nacht Kuala Lumpur!

3 Gedanken zu „Anreise auf Umwegen

  1. Hallo Ihr Weltenbummler ,
    es hätte doch noch viel schlimmer kommen können. Kann aber die Situation nachvollziehen. Habe da leider meine Erfahrungen, alleine schon bei der Sicherheitskontrolle in Düsseldorf mit einem unnötigen Aufenthalt aufgrund der unfähigen Mitarbeiter. Die Kontrolle in anderen Ländern ist wesentlich einfacher. Außerdem ist das Gepäck doch pünktlich eingetroffen, dass habe ich leider schon anders erleben müssen.
    Freut Euch über die Ankunft und genießt den Aufenthalt, es werden noch viele positive Erlebnisse auf Euch zukommen.
    Lg Horst

  2. die Taxifahrer, diese „Aasgeier“
    Da kommt bei mir glatt wieder die Erinnerung an Venedig🤔😐 lässt Euch nicht unterkriegen😄🍀

  3. Sehr schön geschrieben!😊 …Und etwas positives hatte unsere anstregende Anreise, wir haben uns kennengelernt. 😄 Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise, viel Spaß und Abenteuer!

    Wir werden weiterhin euren Blogeinträgen folgen.

    Liebste Grüße,
    Florian und Anka

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