
Chiang Mai
Chiang Mai, die Stadt im grünen Norden Thailands, war für uns sowas wie ein Basislager. Nachdem wir die Stadt erkundet und ein paar Dinge unternommen hatten, kehrten wir immer wieder für ein paar Tage in die Stadt zurück und fühlten uns heimisch. Wir kannten uns am Ende ziemlich gut aus und genossen unsere insgesamt neun Tage dort.
Die Altstadt von Chiang Mai ist von einem quadratischen Highway umgeben, auf dem man sich gut mit Hilfe der auffälligen roten Taxis fortbewegen kann. Dieser Highway hat als positiven Nebeneffekt, dass man sich in der Altstadt super zu Fuß bewegen kann, was unserer Erfahrung nach in asiatischen Städten nicht selbstverständlich ist.

Nachdem wir, wie fast immer am Anfang, die Stadt zu Fuß erkundet hatten, mieteten wir einen Roller, bewegten uns etwas aus der Stadt heraus und ließen uns treiben. Wir bogen mal hier und mal dort ab – ohne wirklichen Plan. Nach einer Weile landeten wir bei einem Tempel, der anders war als die vielen goldenen Tempel der Stadt. In einer kleinen Idylle gelegen, hatte der Wat Umong seinen eigenen Charme.
Weiter ging es zum Sonnenuntergang auf den Berg direkt neben der Stadt. Wir hatten geplant den Sonnenuntergang im Wat Phrathat Doi Suthep zu genießen – schon nach kurzer Zeit wussten wir aber schon, dass wir diesen hier nicht genießen würden. Überall Gold und Protz, zu viele Menschen. Deswegen suchten wir kurzer Hand eine Alternative und landeten an einem winzigen Viewpoint gegenüber des Königspalastes Phu Ping Palace. Der Sonnenuntergang war cool, aber das wirkliche Highlight kam erst als wir zu unserem Roller zurückkehren wollten. Eine Truppe schon etwas angeheiterter Männer winkte und rief uns zu sich. Ohne wirklich zu überlegen setzten wir uns zu ihnen auf die Plastikstühle. Natürlich wurden uns diverse hochprozentige Getränke angeboten, welche wir allerdings ablehnten, da wir noch fahren mussten. Das Witzige an der ganzen Geschichte war, dass wir super viel Spaß mit den Herren hatten, obwohl wir keine gemeinsame Sprache fanden. Tamara hat einen der Männer sogar so sehr in den Bann gezogen, dass er versuchte uns so lange wie möglich dort zu behalten. Erst lief er los und holte zwei Flaschen Wasser für uns. Dann lief er los und holte ein Six-Pack Wasser. Ganz am Ende holte er auch noch Bonbons vom Shop nebenan und bot natürlich nur Tamara diese an 😀 .

Wir besuchten außerdem noch ein Elefanten Camp, welches von sich selbst behauptete nur Elefanten aufzunehmen, welche aus Gefangenschaft stammen und ihnen ein vernünftiges Leben bietet. Wir haben lange nach einer geeigneten Organisation gesucht, welche die Elefanten vernünftig behandelt und sind fast daran verzweifelt. Nie waren wir uns sicher, ob wir jetzt die richtige Entscheidung getroffen hatten, da wir nicht in eine Touristen-Falle treten wollten, die zwar vorgibt die Elefanten gut zu behandeln, sie dann aber abends doch ankettet. Am Ende entschieden wir uns einfach etwas zu buchen und die ganze Erfahrung kritisch zu beurteilen.
Die Zeit mit den Elefanten war eine wirklich intensive. Wir verstehen nun, warum viele Menschen die Begegnung mit den sanften Riesen als sehr eindrücklich beschreiben. Wir verbrachten am Anfang einige Zeit mit einem „frechen Mädchen“ – einem sehr verspielten jungen Elefanten, den alle anderen anwesenden Touristen mieden, weil er nicht so handzahm und etwas ungestümer war. Es fühlte sich danach so an, als ob dieser Elefant sich zu uns hingezogen fühlte und wir eine Verbindung zueinander aufgebaut hatten.
Wir badeten anschließen mit zwei jungen und ein paar älteren Elefanten im Schlamm und im Wasser. Ein bisschen mulmig war uns dabei schon zumute, denn unsere Bewegungsfreiheit war im hüfthohen Schlamm schon deutlich eingeschränkt. Als dann die großen Elefanten dazukamen und sich ganz normal bewegten, sich hinlegten und sich wendeten mussten wir einfach darauf vertrauen, dass sie auf uns Acht geben und nicht über uns rollen.
Ein wirklicher „magic-moment“ ereignete sich ganz am Ende. Ein ausgewachsener Elefant wurde getrennt von den anderen „gehalten“, da er einen Abszess an der Schulter hatte, welcher mit hausgemachten Salben behandelt wurde. Auch Tamara und ich durften (weil sonst niemand wollte) den Elefanten mit dieser Salbe behandeln. Wir blieben nach der Behandlung noch eine Weile am Gitter stehen und die restlichen Touristen gingen von Dannen. Der Elefant suchte darauf hin unsere Nähe und kam so nah, als ob er sich für die Behandlung bedanken und uns eine Umarmung geben wollte. Er blickte uns tief in die Augen und wir erkannten, dass diese Wesen nicht ohne Grund als sehr soziale Tiere gelten.
Trotz dieser eindrucksvollen Erfahrung bleibt ein ABER. Die Elefanten konnten alle auf Kommando den Rüssel nach oben heben und den Mund öffnen. Auch weitere Kunststückchen wie das gezielte Bespritzen mit Wasser waren im Repertoire. Der Elephant Retirement Park hat außerdem ausschließlich weibliche Elefanten, welche deutlich ruhiger und deswegen besser für touristische Aktivitäten geeignet sind. Ob diese Auffälligkeiten „natürlichen Ursprungs“, sprich aus der Vergangenheit der Elefanten stammen oder ob sie doch vom Park antrainiert wurden, können wir nicht sagen. Deshalb bleibt bei uns ein fader Beigeschmack.

Des Weiteren besuchten wir in Chiang Mai mal wieder einen Kochkurs, den wir mit einem weiteren Deutschen und seiner israelischen Freundin durchführten. Der Deutsche hatte den gleichen Kochkurs schon einmal vor sieben Jahren gemacht und war absolut begeistert. Auf Sammy’s Organic Farm außerhalb der Stadt kochten wir also Thai Curry, Suppen und Mango mit Sticky Rice. Wir erlebten die schönste Toilette Thailands und relaxten nach der Arbeit und dem Essen in Hängematten.
Apropos relaxen. Einen wirklich super Ort um zu lesen und zu entspannen bietet der Buak Had Park an der südwestlichen Ecke des Quadrats in Chiang Mai. Wir liehen uns einige Male eine Bambusmatte für ein paar Cent, kauften noch einen Frucht-Shake und legten uns in den Park. Wenn die Sonne untergeht, verwandelt sich dieser Park von einer „Chill-Area“ zu einer „Sport-Area“. Die Leute joggen, spielen Fußball, stretchen sich oder spielen Sepak Takraw – eine Mischung aus Volleyball und Fußball. Wir nahmen außerdem an einer gratis Yoga-Session im Park teil, welche fast jeden Tag um neun Uhr morgens stattfindet. Die erste wirkliche Yoga-Stunde in meinem Leben hat mir übrigens einen gehörigen, viertägigen Muskelkater eingehandelt 😀 .
Mit diesem Muskelkater ging es dann zu einer ganz neuen Erfahrung für uns: Einem viertägigen, stillen Meditation Retreat. Wir waren anfangs nervös, da wir keine Ahnung hatten, was uns erwarten würde. Der Tagesablauf sah wie folgt aus: Um fünf Uhr wurde der erste Gong zum Aufstehen geschlagen. Die erste Meditationssitzung wurde dann von 05:30 Uhr bis 07:00 abgehalten. Anschließend Frühstück und etwas Freizeit. Dann wieder eine zweistündige Meditationseinheit, bevor es zum Mittagessen ging. Mit fünf Meditationssitzungen pro Tag haben wir also jeden Tag ca. sechs Stunden im Sitzen, Liegen oder Gehen meditiert. Warum macht man das Ganze? Gute Frage! Im Ernst: Es geht darum bei sich und ausschließlich bei sich zu sein. Es wird in vielen Bereichen unseres Lebens immer schwieriger sich auf sich zu konzentrieren und nicht den Reizen der Außenwelt nachzugehen. Während der Meditation versucht man sich nur auf sein Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Wer das schon mal versucht hat, wird feststellen, dass nach spätestens fünf oder sechs Atemzügen Gedanken auftauchen. Oder das Bein juckt. Oder man ein störendes Geräusch wahrnimmt. Und Schwups ist die Konzentration auf den Atem dahin. Während der Meditation wird versucht sich nicht von solchen Dingen ablenken zu lassen, sie aber dennoch wahrzunehmen und trotzdem nicht weiter zu verfolgen. Man bezeichnet diese Art der Meditation als Vipassana oder auch Achtsamkeitstraining.
Nach ein paar Tagen schmerzt der Rücken vom gerade Sitzen so sehr, dass es noch schwerer wird sich auf den Atem zu konzentrieren. Schafft man es, sich nicht vom Schmerz leiten zu lassen, kann man neue Dinge erfahren. Auch einschlafende Beine oder imaginäre Tiere auf der Haut gehörten für uns zum Alltag.
Wir hatten außerdem die Möglichkeit mit Mönchen zu sprechen und sie zum Buddhismus zu löchern. Auf diese Weise haben wir einen tieferen Eindruck in die Kultur gewonnen. So ist der Buddhismus an sich eigentlich keine Religion, sondern eher eine Philosophie oder Lebenseinstellung. Der Übergang bei vielen Menschen ist allerdings fließend, da auch von Glauben gesprochen wird. Buddha soll immer gesagt haben, dass man nichts glauben, sondern alles selbst überprüfen solle. So regt der Buddhismus zum Handeln an. Buddhisten glauben an einen immerwährenden Kreislauf von Seelen, der nur durch die Erleuchtung durchbrochen werden kann. Wir wurden über die fünf Arten der Ablenkung und den sechsten Sinn – den Verstand – aufgeklärt. Uns wurde gezeigt, wie die Mönche jeden Morgen ihre Almosen sammeln. Auch ein niederländisches Kamerateam hat uns einen Tag lang begleitet um die Lebensweise der Mönche zu dokumentieren.
Es war nicht einfach all das mitzumachen und dennoch war es eine super Erfahrung, die wir nicht missen wollen, weil sie so anders und doch so gleich zu unserem christlichen Glauben ist. Wir haben am Ende natürlich auch noch die Leute kennen lernen dürfen, mit welchen wir die ganze Zeit meditiert haben: Ein Modeschöpfer aus Brasilien, ein Wallstreet-Banker aus Frankreich/Algerien, eine Ärztin von Ärzte ohne Grenzen aus Italien und ein Student aus England. Wir erfuhren erst nach den vier Tagen, mit welchen interessanten Personen wir dort eigentlich auf den Matten gesessen hatten und verbrachten noch einen gemeinsamen, sehr lustigen Abend in der bunten Runde.
Pai
Pai – das ehemalige Hippie-Dorf in den Bergen. Mit diesen Worten im Hinterkopf haben wir uns auf die wirklich wilde Reise nach Pai gemacht. Laut anderen Blogs führte die Straße nach Pai durch 721 Kurven und unser Busfahrer auf der Hinfahrt war im vorherigen Leben wahrscheinlich Rennfahrer. Oder wäre es gerne im jetzigem. Mit einem flauen Gefühl im Magen kamen wir also in unserem idyllischen Farmstay in Pai an. Das Pai Village Farm Homestay hält, was der Name verspricht: Bungalows mit Reisfeldblick, Farm-Tiere und viel selbstangebautes Obst und Gemüse.
Würden wir wieder nach Pai fahren, würden wir wohl wieder dort übernachten und unsere Adoptiv-Katze begrüßen. Wann immer wir auf unserer Terrasse saßen, kam eine Katze an und ließ sich von uns verwöhnen. Im Gegenzug beauftragten wir sie, auf unseren Bungalow zu achten bis wir wiederkamen. Ein guter Deal, der super funktioniert hat 😀 .
Auch in Pai ließen wir es uns nicht nehmen einen Roller zu mieten und die umliegenden Berge zu erkunden. Wir fuhren über Feldwege und genossen die Aussicht. Wir stoppten mal hier für einen Kaffee und bogen mal dort ab, weil uns ein Nudel-Hügel versprochen wurde. Am letzteren (Noodle Hill) angekommen, wurden wir mit einer super Aussicht und guten Nudeln vom angrenzenden Lädchen belohnt. Achtung, dies ist ein Geheimtipp!
In Pai haben wir zufällig Anna und Pietro wieder getroffen, welche wir vorher in Chiang Mai schon kurz kennengelernt hatten. Mit diesen neuen Freunden verbrachten wir eine kurze, aber sehr intensive und coole Zeit. Wir fuhren zu einem Wasserfall mit natürlicher Rutsche und erkundeten den Pai Canyon. Wir unterhielten uns gut über unsere Ernährung und Pietro berichtete von seinem Selbstversorger Haus in Portugal. Beide brachen nach ihrer Zeit in Pai ebenfalls zu einem Meditation Retreat auf.
Mae Sot
Am Schluss unserer Thailand-Reise verbrachten wir, für Backpacker untypisch, zwei Tage in Mae Sot – der Grenzstadt nach Myanmar. Wir mussten noch etwas Zeit überbrücken, da wir für Myanmar nur ein Visum mit der Gültigkeit von 28 Tagen bekamen – also mussten wir unsere Einreise etwas nach hinten verschieben.
Wir landeten im Sleep Nest Hostel und können dies nur empfehlen. Ein junges Team, sauber und cool eingerichtet. Da wir nicht nur im Hostel herumhängen wollten, besuchten wir den Nationalpark Taksin Maharat. Ein wirkliches Highlight war dieser Nationalpark zwar nicht, aber dennoch war er für uns sehr ereignisreich: Nachdem wir im wenig besuchten Park einfach mal irgendwo einem Schild gefolgt waren, machten wir eine ungewollt lange Wanderung. Auf diesem Weg fielen uns auf dem Dschungel-Boden immer wieder ca. 5 cm lange wurmartige Tierchen auf. Diese hefteten sich immer wieder an unsere Schuhe und schienen uns wirklich zu verfolgen. Nachdem wir unsere nicht geplante anstrengende Wanderung beendet hatten und am Roller angekommen waren, fand Tamara heraus um welche Art von Tieren es sich bei den Würmern handelte: Blutegel. Tamara stellte beim Ausziehen ihres Schuhs fest, dass etwas zwischen ihren Zehen steckte und schon bald darauf abfiel. Als die Wunde nicht aufhören wollte zu bluten wussten wir mit Sicherheit, dass es Blutegel gewesen waren. Das Witzigste aus meiner Perspektive war, dass ich die ganze Zeit nur Flipflops an hatte und nicht erwischt wurde. Wie der Blutegel in Tamaras Sneaker gelangen konnte, bleibt also ein Rätsel.
Der Ausflug zum Nationalpark hielt aber noch ein weiteres Abenteuer für uns bereit. Nach unzähligen Rollerfahrten in diversen Ländern ohne Vorkommnisse erwischte uns diesmal ein platter Reifen. Das Problem an der Geschichte war, dass wir uns noch ca. 5 km außerhalb der Stadt befanden. Wir hatten Glück, dass wir kurz vor einer Polizei/Militärkontrolle waren. Wir schoben also den Roller zu dieser und baten einen Polizisten um Hilfe. Dieser hielt kurzer Hand einen Pickup an, ein Paar Männer vom Militär und ich hievten den Roller auf die Ladefläche und schon ging es zurück in die Stadt zu einer Hinterhof-Garage, um einen neuen Schlauch einzubauen. Das Ganze kostete uns knapp 6€. Die Aufregung und die hilfsbereiten Menschen machten diese Erfahrung für uns unvergesslich!
Am nächsten Tag orderten wir dann über das Hostel ein Tuk Tuk zur Grenze nach Myanmar. Bleibt also dabei, wenn ihr erfahren wollt, was Myanmar – für uns ein komplett unbekanntes Land – bereit hält.
Khob khun krab,
Tamara & Manuel

























