
Auf unserem Weg zum Mount Cook, respektive der gesamten Region Mount Cook, mussten wir wieder einmal einen Pass überqueren. Wir befuhren das gleiche Gebirge wie schon im vorhergehenden Blog-Eintrag erwähnt – nur von der anderen (Land-)Seite. Beim ersten Pass brauchten wir keine Schneeketten, für unsere Köpfe war es allerdings beim Lindis Pass gut, dass wir welche dabei hatten. Wir fuhren ohne Probleme hoch zum Pass und hielten kurz an, um die Umgebung zu genießen und ein paar Fotos zu knipsen. Nur wenige Minuten später schwenkte das Wetter um und ein kleiner Schneesturm zog auf. Wir eilten natürlich fix zu unserem Campervan, um die Weiterreise anzutreten. Der Weg runter vom Pass war allerdings etwas abenteuerlich, wenn nicht sogar etwas gefährlich, weil es (für uns) ziemlich unerwartet sehr glatt geworden war.

Twitzel
Sicher in Twitzel (Tweisel gesprochen) angekommen, schlugen wir dann ein letztes Mal unser Nachtlager auf einem Campingplatz auf. Und was für einer! Umringt von Bergen und Seen bei strahlendem Sonnenschein bot uns der Campingplatz Gastfreundschaft und alles, was wir brauchten. Wir spazierten lange durch das Örtchen und anschließend entlang eines kleinen Baches und unterhielten uns über unsere Reiseerfahrungen.

Es stellte sich heraus, dass wir beide etwas reisemüde geworden waren und ich einfach eine Zeit lang mit Relaxen/Nichts tun verbringen wollte. Tamara plagte, nach Absage des Heli-Hikes, allerdings noch der Drang etwas „besonderes“ zu erleben. Wir kamen zu der Übereinkunft, dass wir gerade in Neuseeland schon so viele tolle Dinge erlebt hatten und jeder Moment für sich etwas besonderes war. Außerdem stellten wir fest, dass wir zwar in den letzten Tagen nicht viel „gemacht“ hatten, aber wenn wir ehrlich zu uns waren: Wer kann schon ständig etwas machen, vor allem neue Dinge wie beim Reisen? Dies war und wird nicht der letzte dieser Momente auf unserer Reise gewesen sein, aber wir lernen uns in diesen Situationen immer ein Stückchen selbst näher kennen. Zu allem Übel konnten wir dann abends die letzten 10 Minuten eines Harry Potter Films nicht anschauen, weil unser WLAN-Kontingent erschöpft war. 😀
Mount Cook
Am nächsten Tag ging es dann für uns zum Hooker Valley Track am Fuße des Mount Cook. Dieser sehr gut ausgebaute und nicht sonderlich anspruchsvolle Wanderweg führte durch eine wunderschöne Landschaft, über Hängebrücken bis hin zum Gletschersee vom Hooker Gletscher. Fotografen und Naturliebhaber kommen hier definitiv nicht aus dem Staunen raus. Uns wurde schon in Queenstown davon berichtet, dass bald die Chinese Golden Week anstehen würde. Dies ist eine von zwei Wochen im Jahr, in denen ganz China Urlaub hat und viele diese Zeit zum Reisen nutzen. Wir bemerkten ab der Überquerung des Passes eine Vielzahl von Asiaten (wahrscheinlich Chinesen) und so auch auf dem Hooker Valley Track.
Am Gletschersee ließen wir es uns dann nicht nehmen, in alter Manier unsere Mahlzeit einzunehmen, verweilten einige Zeit mit wundervoller Aussicht und ließen die Seele baumeln.
Außerdem besuchten wir in der Region den Tasman Glacier View Point und die Blue Lakes. Wir verbrachten eine Nacht am Lake Pukaki, welcher eine kostenfreie Stellmöglichkeit für Camper bietet. Ich stelle an dieser Stelle einfach mal eine These auf (ohne die im Nachgang zu überprüfen, die Wissenschaftler unter euch werden es mir verzeihen müssen): An jedem anderen Ort der Erde würde eine solche Aussicht Geld kosten! Nach einer kalten Nacht und einem noch kälteren Bad im Lake Pukaki ging es dann aber auch schon wieder weiter nach Tekapo.

Tekapo
In Tekapo angekommen suchten wir unter anderem DAS Fotomotiv der Region auf: Die Church of the Good Shepherd. Eine kleine Kapelle direkt an einem See, welche ihre Berühmtheit durch Aufnahmen bei Nacht bekommen hat. So sieht man auf diesen Postkartenmotiven die Kapelle und im Hintergrund die strahlende Milchstraße. Die Region um Tekapo gilt als eine der besten der Welt, um die Milchstraße zu beobachten, sodass die neuseeländische University of Canterbury ein Observatorium auf dem nahegelegenen Mount John errichtet hat. Die ganze Region um Tekapo gilt als äußerst dunkel und nur wenige Lichtemissionen gehen von Städten aus. Außerdem bietet der Himmel das krasse Gegenteil. Eine Kombination die nur sehr selten auf unserem Planeten zu finden ist. Wir hofften also auf ein cooles Foto mit Milchstraße im Hintergrund. Was man allerdings bei all diesen Gegebenheiten noch braucht: Eine klare Nacht. Diesen Wunsch wollte uns Mutter Natur allerdings nicht gewähren – da müssen wir wohl nochmal wiederkommen, so einfach lassen wir uns nicht abspeisen Neuseeland! 😉
Timaru
Fast in Christchurch angekommen bogen wir noch einmal ab in Richtung Timaru. Warum? Wir hatten bis dato noch keine Pinguine gesehen und hatten gehört, dass es dort gute Chancen gäbe, welche zu entdecken. In der Dämmerung wackelten wir dann aus unserem Camper zu besagtem Ort. Wir sahen schon von weitem einige Männer mit Warnwesten – Freiwillige, die helfen die Menschen in Schach zu halten. Wir kamen ins Gespräch mit dem Gründer der Schutzmaßnahmen für die Pinguine. Denn erst auf seine Eigeninitiative hin wurde eine Art Schutzzone für die Pinguine eingerichtet. Schutz vor anderen Raubtieren, aber vor allem vor dem Menschen. Wir erfuhren, dass gerade in der Hauptzeit hunderte von Menschen in der Dämmerung an diese Stelle kommen um die Pinguine zu sehen. Doch dabei sind die Touristen stellenweise absolut skrupellos. Fotos mit Blitzlicht von den lichtscheuen Tieren, Selfie- oder Anfassversuche uvm. Wir waren erschrocken und wütend darüber, wie dumm oder einfach nur ignorant wir Menschen nur sein können. Aber vielleicht sind wir alle irgendwo dumm und ignorant, merken es dabei allerdings gar nicht?
Trotz dieser weniger erfreulichen Dinge haben wir es dann doch geschafft die kleinste Pinguin Art live und in Farbe vor unsere Augen zu bekommen, die Blue Penguins. Die Pinguine nisten ganz in der nähe des Strandes. Ein Elterntier bleibt immer beim Nest, während das andere auf Essenssuche geht. In der Dämmerung, bzw. nach Einbruch der Dunkelheit, wird sich dann abgewechselt und die Jungtiere werden gefüttert. Wir konnten also sowohl ein ungeduldiges Jungtier beobachten, wie es auf und ab laufend auf Mutter oder Vater wartete, als auch die Pinguin Parade vom Meer zum Nest.
Christchurch
Nach dieser Erfahrung ging es dann auf zum letzten Stop in Neuseeland: Christchurch. Wir spielten auf zwei außergewöhnlichen Bahnen Minigolf, um dann zu erfahren, dass am anderen Ende der Welt irgendwie doch alles wie immer ist: Tamara gewinnt. Außerdem fanden wir ein ganz altes uriges Kino, in dem wir den neuen Film Joker als einzige im Saal verfolgten. Wer diesen noch nicht gesehen hat, wir können ihn beide nur wärmstens empfehlen (nichts für schwache Nerven).
Am nächsten Tag gaben wir dann unseren Campervan ab und buchten noch ein Zimmer für eine Nacht in der Stadt. Es stellte sich heraus, dass unsere Unterkunft von einer asiatischen Familie bewohnt wird – welche allerdings kein Wort Englisch sprach. So verbrachten wir also eine Nacht im Nachbarzimmer unserer Gastgeber ohne ein Wort mit ihnen gewechselt zu haben. Wir besuchten am Tage noch die Botanic Gardens, das Earthquake Memorial und die Quake City. Etwas ungläubig mussten wir feststellen, dass wir von dem verehrenden Erdbeben 2011 nichts mitbekommen hatten. Da dieser ganze Stadtteil neu aufgebaut und dadurch modern wirkte, konnten wir nur erahnen, welche Zerstörung hier geherrscht haben musste.
Am nächsten Morgen ging es für uns dann früh raus zum Flughafen, um erst nach Melbourne und von dort aus dann nach Bangkok weiter zu fliegen und damit wieder Asien zu betreten. Eine (für mich) witzige Anekdote zu guter Letzt: Bei beiden Flügen saß neben Tamara jeweils der wohl dickste Mensch des Flugzeugs und ratet mal, wer jeweils nicht auf seinem eigentlichen Platz gesessen hat?! 😀
Bye bye beautiful New Zealand, Sawadee Thailand!
Manuel & Tamara










