Australien

Einmal quer durchs Outback – Kilometer 1234 – 2798

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Wie schon angekündigt, ging es von Tennant Creek aus in Richtung Osten. Und wie schon angekündigt, erwartete uns auf diesem Weg nur eins: Das Outback. Endlose Weiten, trockene Landschaft und Rinder – neben sowie auf der Fahrbahn.

So richtig bewusst, wie abgelegen von allem wir auf dieser Strecke waren, wurde uns aber erst, als wir ein Schild am Straßenrand sahen: 296 km bis zur nächsten Tankstelle – und damit auch bis zur nächsten „Zivilisation“ (das heißt im Outback so viel wie: Tankstelle und Pub) . Also besser nochmal volltanken und weiter ging es. Das Ganze mag jetzt sehr öde klingen … und war es tatsächlich auch. So schlug uns das stundenlange, eintönige Geradeaus-Fahren etwas aufs Gemüt und wir freuten uns schon auf etwas mehr Leben und Abwechslung in dem Staat, der vor uns lag. So passierten wir hoffnungsvoll die Grenze zwischen dem Northern Territory und Queensland und steuerten die nächstmögliche größere Stadt (Mount Isa) an.

Mount Isa ist vor allem bekannt für seine Kupfer- und Silber-Minen und daher eher eine Industriestadt. Da uns aber erstmal nach etwas Natur und Bewegung war, machten wir einen Abstecher zum nahe gelegenen Lake Moondarra, gingen eine Weile auf dem Wallaby Walk spazieren und sahen ein … Känguru 😀

Am nächsten Tag folgte dann aber das typische Programm in der Stadt der Minen: Eine Hard Time Mine Tour. Ausgestattet mit wunderhübschen orangenen Overalls und Helmen ging es hinunter in eine Mine (die allerdings extra für Touristen „nachgebaut“ wurde). Zu unserer Überraschung waren wir mit Abstand die jüngsten Teilnehmer der Tour und die einzigen Nicht-Australier. Trotzdem war es interessant die Geschichten des ehemaligen Minenarbeiters zu hören und einen Einblick in diese Welt im Untergrund zu bekommen – allerdings kein Vergleich zur privaten Tour im Kohle-Bergwerk mit meinem Vater – danke nochmal dafür!

Die Fahrt ging immer weiter in Richtung Osten und wir kehrten erstmal auf einem Rastplatz für die Nacht ein. Und wie sagt man so schön: Unverhofft kommt oft! Wie der Zufall es so wollte, hatte das Pärchen aus Mackay, einer Stadt an der Ostküste, das wir schon einige hundert Kilometer vorher getroffen hatten, zufällig das selbe Nachtquartier ausgewählt. Wir ließen den Abend also gemeinsam mit einem Ginger Beer und Gesprächen über das Reisen, Politik und vieles mehr ausklingen. Bevor die Reise dann weiterging luden uns die beiden noch zu sich nach Hause ein – ein Angebot, was wir nicht ausschlagen konnten. Aber dazu später mehr!

Für uns ging es erstmal in ein kleines Städtchen „nebenan“. Der Ort Mary Kathleen ist ebenfalls ein Minen-Ort. Besser gesagt war er es einmal. Diese Stadt wurde mit Eröffnung der Uranmine Heimat der vielen Bergleute und deren Familien. Nachdem die Mine geschlossen wurde, verließen die Menschen die Stadt und zurück blieben nur noch die Grundstücke und Fundamente der ehemaligen Häuser. Fun fact: Schaut man auf Google Maps nach Mary Kathleen, sieht man immer noch Orte wie die Schule oder Bäckerei eingezeichnet. Ein wirklich komisches Gefühl durch diese Geisterstadt zu fahren. Perfekt allerdings für die Camper in der Gegend, die die Fundamente als Camping Untergrund nutzen.

Die ehemalige Uranmine ist allerdings noch erhalten und ein echter Eye-Catcher in der sonst so trockenen Landschaft. Im Laufe der Jahre hat sich ein See im Abbaugebiet gebildet, welcher eine ganz besondere Farbe hat. Schwimmen sollte man dort aber besser nicht! 😉

Zur Abwechslung verbrachten wir die Nacht nach unserer kurzen Wanderung zur Uranmine dann auf einem Campingplatz in einem anderen kleinen, etwas belebterem Städtchen namens Julia Creek. Schon bei unserer Ankunft entdeckten wir eine Reihe von Fahrrädern, die man, wie sich herausstellte, einfach ausleihen und eine kleine Runde drehen konnte. Gesagt, getan! Ihr glaubt gar nicht, wie gut es sich anfühlt, sich nach so viel Autofahren und Wandern mal wieder anders fortzubewegen. Nach ein paar Kilometern in der Hitze war ich allerdings auch schon wieder platt 😀

Der letzte Ort auf diesem Wegstück durch das Outback hieß dann Richmond. Wieder ein eher kleineres Örtchen, aber trotzdem ziemlich bekannt, da es auf dem sogenannten Dinosaur Trail liegt. Wie der Name schon sagt, gibt es dort Dinosaurier, besser gesagt deren knochige Überreste und Fossilien, zu sehen. Rein durch Zufall hat ein Farmer dort vor Jahren einen Knochen auf seinem Feld entdeckt, den er erstmal für nichts Besonderes hielt. Wie es sich herausstellte, gehörte dieser Knochen aber zu dem fast vollständig erhaltenen Skelett eines Kronosaurus, der vor Millionen von Jahren in dem damaligen Meer gelebt hatte. Die Fossilien ließen wahrscheinlich nur mein Biologen-Herz etwas höher schlagen, aber auch für Nicht-Biologen (Manu) hatte Richmond etwas zu bieten. Danke an dieser Stelle nochmal an Jens, der zufällig kurz vorher einen Zeitungsartikel über Richmond gelesen hatte und uns den Tipp gab. Man konnte nämlich nicht nur die Fossilien bestaunen, sondern auch selbst auf die Suche gehen.

Mit der Genehmigung in der Hand machten wir uns also auf dem Weg zur „Fossilienfundgrube“. Ausgerüstet mit Handfeger, Leatherman-Multitool und der Einstellung „wir haben keine Ahnung, was wir tun, aber wir finden bestimmt was“ gingen wir also ans Werk. Hierbei sei noch angemerkt, dass wir uns überhaupt nicht sicher waren, ob wir überhaupt an der richtigen Stelle „suchten“. Ganz im Auftrag der Wissenschaft drehten wir dann einfach willkürlich Steine um und hofften, dass wir etwas finden würden. Ob ihr es nun glaubt oder nicht, wir haben tatsächlich eine versteinerte Fischflosse gefunden und das nach nur einer Stunde 😀 Ein älteres Ehepaar, das etwas professioneller mit Pavillon, weiterem Equipment und viel Geduld an die Sache heranging, fand dafür nur die folgenden Worte: „Wie lange habt ihr gesucht? Eine Stunde?! Dann habt ihr das eigentlich nicht verdient.“ Aber hey, sie haben uns das Fossil trotzdem mit einer Art flüssigem Kunststoff konserviert und hoffentlich noch mehr gefunden als wir – es sei ihnen gegönnt!

Die zurückgelegten Kilometer waren zwar sehr monoton und für uns lagen auf der weiteren Route keine wirklich interessanten Orte mehr, allerdings bot uns das Outback eine einmalige Erfahrung. Umgeben von so viel Land, so weit das Auge reicht, fühlten wir uns an so manchen Abenden nicht alleine. Fast immer waren wir umgeben von freundlichen anderen Campern, mit denen sich die Zeit sehr gut vertreiben ließ. Auch diese surreal wirkende Röte der Umgebung hat sich in unser Kleinhirn gebrannt und so mancher Sonnenuntergang war es definitiv wert, den langen Weg durch das Outback zu wählen.

Dennoch wuchs unsere Vorfreude auf die Ostküste immer mehr und wir fuhren die restlichen Kilometer bis nach Townsville direkt durch. Wir stoppten nicht mehr in jedem Örtchen und freuten uns auf das Meer und eine Dusche.

Freut euch also in den nächsten Beiträgen auf Sonne, Strand und Meer an der wohl beliebtesten Küste Australiens!

Bis zum nächsten Mal,

Manuel & Tamara

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