Nepal

Nepal – nicht mehr ganz alleine unterwegs

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Der erste Tag auf dem Annapurna Circuit, an meinem Startpunkt Bhubule (785m), an dem es für mich hieß: Rucksack packen und Wanderschuhe schnüren!


Um circa acht Uhr ging es für mich also los. Vorbei an freundlichen Menschen, die immer für einen kurzen Plausch gut waren, immer auf die schneebedeckten Berge zu. Ich wollte den Annapurna Circuit zunächst alleine bewandern und es fühlte sich nach der richtigen Entscheidung an. Ich genoss mein Mittagessen mit zwei kleinen Hunden an einer kleinen Hütte. Die Bewohner waren so ziemlich das, was man Selbstversorger nennen kann. Ziegen hier, Kühe da. Ich zog meine (durchgeschwitzten) Socken und Klamotten aus und hing sie zum Trocknen auf. Ein Ritual, dass ich ab hier jeden Mittag durchführen würde.

Nach ein paar Stunden traf ich eine Gruppe Amerikaner, welche mit Guide und Trägern (Sherpas) unterwegs waren. Wir hielten ein Pläuschchen bis sie sich ebenfalls zum Mittag verabschiedeten.
Der Weg veränderte sich fast stündlich. Von dicht bewachsenen Wäldern, immer wieder über Hängebrücken über reißende Bäche, durch kleine Bergdörfer. Immer im Blick: Die schneebedeckten Berge. An Schnee und Eis war aber jetzt noch gar nicht zu denken, denn es waren in den Anfangstagen circa 18 °C und bei dem stetig nach oben führenden Weg war nahezu jedes Shirt zu viel.

Meine zweite Nacht verbrachte ich wieder in einem kleinen süßen Dorf etwas hinter Jagat auf mittlerweile 1188m. Knapp 400 Höhenmeter an einem Tag – wenn das so weiter gehen würde, wäre ich ja schon bald da.
Das Abendessen in der Runde der dort lebenden Menschen gestaltete sich etwas merkwürdig, denn keiner sprach hier wirklich Englisch. In meinem Kopf schwirrte nun die Frage, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, die Sache ganz alleine anzugehen. Auf der einen Seite wollte ich ganz für mich sein, aber auf der anderen Seite wäre ein bisschen Gesellschaft gerade in den Abendstunden doch ganz cool.

Wie der Zufall es so wollte traf ich am nächsten Morgen eine Gruppe von Wanderern. Es stellte sich heraus, dass sie alle den Trip alleine starten wollten und sich nach und nach der Gruppe angeschlossen hatten. Ich entschied die Truppe eine Weile zu begleiten, bis ich das Gefühl hätte wieder alleine sein zu wollen. In der Truppe waren nun Elisa aus Island, Emilie aus Dänemark, Mark aus den Niederlanden, Alberto aus Italien und ich. Eine durch und durch europäische Gruppe.

Wir zogen also von nun an zu fünft immer den gigantisch anmutenden Bergen entgegen. Vorbei an Yaks, Eseln und bunten Häuschen. Einen Schritt nach dem anderen. Ab und zu eine Pause um die Landschaft zu genießen. Wir unterhielten uns in der Truppe auf Anhieb wirklich gut und hatten viel Spaß miteinander.


Es tat gut Menschen um sicher herum zu haben, die auf ähnlichem Fitness-Level und vor allem auf der gleichen Wellenlänge sind. Auch wenn wir nach einem anstrengenden Wandertag abends immer ziemlich müde waren, unterhielten wir uns bei immer kälter werdenen Nächten über Gott und die Welt. Nacht drei verbrachten wir so in Dharapani auf 1862 m. Nacht vier dann in  Chame  auf 2670 m, und Nacht Nummer fünf in Upper Pisang auf 3302 m. Gerade diese letzte Etappe von Chame nach Upper Pisang hatte es in sich: Auf kürzester Distanz musste eine Rampe von knapp 300 Höhenmetern überwunden werden. Ein (für Außenstehende) witziger Anblick: Jeder schlich in seinem eigenen Tempo, mit motivierender Musik auf den Hörern, in Abständen von circa 50 m hinter dem andern her und versuchte es irgendwie nach oben zu schaffen. Hatten wir gefühlt 20 Höhenmeter geschaffte musste erstmal durchgeschnauft werden.
Wir alle fielen nach diesem brutal harten Tag einfach nur KO ins Bett. Naja nicht ganz – gegessen haben wir auch noch.

Kurze Zwischen-Geschichte: Ich hatte ja die Amerikanische Gruppe samt Sherpas erwähnt. Während einer Mittagspause stießen auch die Träger/Sherpas zu uns. Wir versuchten etwas auf englisch mit ihnen zu reden und fragten, wo denn die Gruppe bleiben würde. Sie meinten, dass sie bald kommen würden und sie voraus gelaufen wären und sich an diesem Ort träfen. Das verrückte an der Geschichte ist nicht, dass sie schneller waren als die Gruppe – sondern das sie mit je 35 kg (!) Gepäck auf dem Rücken schneller waren, als die Gruppe ohne Gepäck. Wir bewunderten diese tapferen beiden Männer und fragen sie ob wir aus Spaß einmal das Gepäck stemmen dürfen – das Resultat seht ihr auf den Fotos. Wir unterhielten uns also eine ganze Weile mit den Männer bevor wir weiter zogen – ohne die amerikanische Gruppe gesehen zu haben, oder das sie auch nur in Sicht gewesen wären.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir knapp 70 km und knapp 2,5 Höhenkilometer in den Beinen. Nach einer nochmals kräftezehrenden Etappe von Upper Pisang nach Manang war dann der erste Pausentag eingeplant. Dieser Tag diente nicht nur zur Regeneration des geschundenen Körpers, sondern auch der Akklimatisierung gegen die Höhenkrankheit.

In den kommenden Tagen sollte es dann also ins alpine Terrain gehen. Innerhalb von 20 km sollten noch einmal 2000 Höhenmeter erklommen werden, bis es dann innerhalb von 80 km wieder auf 1200 Höhenmeter hinab gehen sollte.
Was an diesen wirklich abenteuerlichen nächsten Tagen passiert ist, welche Krankheiten sich eingeschlichen haben und wer auf der Strecke bleiben sollte, erfahrt ihr leider erst im nächsten Blog-Eintrag.

Ich freue mich übrigens über jeden Kommentar von denen, die immer noch dabei sind 😉

Cheers, Manuel

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