
Bangkok – ein (vorerst) letzter Moment zu zweit
Da standen wir nun an unserer Weggabelung im Flughafen in Bangkok. Wir wussten beide, dass wir ab hier erstmal nicht mehr in die gleiche Richtung laufen würden. Fast auf den Tag genau vor sechs Monaten hat unsere Reise und die bisher spannendste, aufregendste, intensivste und augenöffnendste Zeit in unserem Leben unfreiwillig in Bangkok angefangen. Was in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten passiert ist werden wir noch unseren Enkelkindern erzählen: Wilde Orang Utans auf Borneo, Vulkanbesteigung in Indonesien, Gastfreundschaft in Australien, atemberaubende Natur in Neuseeland, ein Gefühl von Zuhause in Thailand und die nettesten Menschen in Myanmar. Das und noch viel mehr (übrigens nachzulesen auf unserem Blog!) durften wir mit dem Menschen teilen, der uns am liebsten ist. Wir haben einander noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt. Wir sind im wahrsten Sinne durch dick und dünn gegangen. Momente voller Freude, aber auch Tränen und schlechte Launen haben wir zu zweit geteilt.
All diese Erinnerungen sind uns in diesem Moment am Flughafen in Bangkok zwischen Lautsprecherdurchsagen und Menschengetümmel durch den Kopf gegangen. Wirklich sagen konnte keiner was. Wir haben den anderen nur lange angeschaut und in den Armen gehalten, um etwas ähnliches als einfach nur „Danke, danke für die schönste Zeit in meinem Leben“ zu sagen. Mehr brauchte es nicht. Es war beiden bewusst, dass dieser Moment kommen würde, aber keiner wusste, dass er so schwer werden würde…
Nach der Landung in Kathmandu setzte bei mir der Autopilot ein. Visa-Formularien hier, Taxi zum Hostel organisieren dort. Ich war das erste Mal wirklich alleine auf Reisen und hatte trotzdem die Sicherheit in mir, dass ich all das schon mal gemacht habe.
Der Taxifahrer erkundigte sich kurz was meine Pläne in Nepal wären und schlug mir kurzerhand vor, dass ich doch bei seiner Trekking-Agency vorbei schauen könne und mir ein Angebot anhören könne.
Nach einer kurzen Fahrt im Taxi durch die staubigen und vollen Straßen Kathmandus saß ich auch schon mit einem Tee in einem kleinen Büro und ließ mir Informationen über meine beabsichtigten Aktivitäten auftischen.

Kathmandu Ínternational Airport
Warum war ich überhaupt in Nepal?
Mit ungefähr 18 Jahren habe ich das Buch „Kings of Nowhere“ von T.J. Forrester gelesen. Es geht in diesem Buch um einen jungen Mann, der in den USA den Appalachian Trail von Georgia nach Maine, insgesamt knapp 3.500 km, bewandert. Ich war fasziniert davon und habe mir vorgenommen, genau so etwas auch einmal zu machen. Aber wie das Leben manchmal so ist, vergisst man seine Ziele. Es brauchte also fast zehn weitere Jahre, um mich wieder daran zu erinnern.
Schon bevor wir unsere Reise angetreten sind, habe ich vom Annapurna Circuit erfahren und war ähnlich fasziniert wie damals vom Buch, mit dem Unterschied das ich ein paar Monate später ziemlich in der Nähe war. Als es in Thailand darum ging Flüge nach Hause zu buchen, wollte ich diesen Traum in die Tat umsetzen und habe Flüge nach Nepal gebucht.
Was mache ich also in Nepal? -> Wandern. Drei Wochen lang im Himalaya, hinauf auf 5416 Meter über dem Meeresspiegel. Ohne Erfahrung in alpinem Terrain. Im Winter. Klingt nach einem Plan.
Vorbereitungen in Kathmandu
Naja gut, ich gebe zu, dass es nach einem ziemlich undetaillierten Plan klingt. Aber ich hatte ja zwei Nächte in Kathmandu um mich zu akklimatisieren und Vorbereitungen zu treffen.
Kathmandu ist ein Drecksloch. Überall Menschen, Einheimische
und Touristen. Selbst in der Nebensaison herrscht in einer der am schnellsten
wachsenden Städte in Südasien jede Menge Trubel. Genau das was ich nicht
suchte.
Ich organisierte also mein Permit/Genehmigung für den Annapurna Circuit, kaufte
noch neue windabweisende Handschuhe, neue Thermounterwäsche und lieh mir einen
dicken Schlafsack sowie eine dicke Daunenjacke.
Im Vorhinein hatte ich einige Blogs gelesen, welche empfehlen Kathmandu so
schnell wie möglich wieder zu verlassen. Diese Empfehlung kann ich nur
weitergeben. Es liegt so viel Staub und Schmutz in der Luft, dass die
Einheimischen nur mit Mundschutz vor die Tür gehen. Tut man das nicht – naja –
spätestens beim Naseputzen sieht man dann schwarze Stückchen aus der Nase
kommen.

Verkehr überall in Kathmandu 
Genehmigungen für den Annapurna Circuit 
Das Essen wiederum ist ein Traum. Ich habe in Kathmandu kein Lokal gefunden, wo es mir nicht geschmeckt hat. Die Nähe zu Indien ist auch in der Küche spürbar. Viele Currys, MoMos, Naan Brot und vieles mehr gibt es zu entdecken.

Daal Baht power! 
MoMos
Für den dritten Tag hatte ich einen Bus von Kathmandu nach Besisahar gebucht, von wo aus es in Richtung Annapurna Circuit gehen sollte.
Busfahrten in Nepal sind wahrlich ein Erlebnis. Für die knapp 180 km zwischen den beiden Städten waren sechs Stunden eingeplant. Also eine Durchschnittgeschwindigkeit von 30km/h. Um es kurz zu machen: Wir haben acht gebraucht. Über unbefestigte Straßen, vorbei an riesigen Schluchten durch die Berge. Hier eine Teepause, da eine Essenspause. Zu allem Übel platzte uns auch noch ein Reifen. Aber hey, so fühlt sich ein Abenteuer an!

Eine ganz normale Busfahrt in Nepal 
Kurzer Zwischenstopp zum Reifenwechseln
In Besisahar angekommen stieg ich dann schnell in einen Bus nach Bhubhule, von wo aus am nächsten Tag meine Wanderung beginnen sollte. Ich hatte gedacht, dass die achtstündige Busfahrt nicht mehr zu toppen sei. Aber es kommt natürlich immer anders als man denkt. So wurde ich auf dem anstehenden Weg
durchgeschüttelt wie bisher noch nie. Durch Bäche und Flüsse, über Felsen und über Wege wo eigentlich keine Wege waren – immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Wie lange macht dieser mindestens 20 Jahre alte Bus das wohl noch mit? Bis die Kupplung versagte…
Aber genug der Horrorstories. Ich war also nach einem langen Tag an meinem Startort angekommen und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass ich in meinem auserwählten Gasthaus sowohl eine heiße Dusche, als auch WLAN zur Verfügung hatte.
Ich genoss am Abend und am nächsten Morgen das sich mir bietende Spektakel der umgebenden Berge.

Sonnenuntergang in meiner ersten Unterkunft 
Besser als erwartet: Das erste Bett 
Frühstückszeit! 
Aufbruchstimmung!
Im nächsten Blogeintrag werde ich dann davon berichten, was ich auf den ersten Tagen erlebt habe. Ob ich meine Wanderung wirklich alleine durchgezogen und wie ich das ganze Wandern weggesteckt habe.
Bleibt dran,
Manuel
