
In der nächsten Etappe ging es für uns von Bago nach Mandalay. Wir hatten die Wahl zwischen zehn Stunden Busfahrt und knapp 19 Stunden Zugfahrt. Natürlich entschieden wir uns also für die Busvariante über Nacht. In Mandalay sollte Marc, ein guter Freund von mir, zu uns stoßen und uns drei Wochen lang begleiten.
Mandalay
Wenig erholt erreichten wir um fünf Uhr morgens den Busbahnhof von Mandalay. Wir hatten Glück, dass wir zumindest schon den Aufenthaltsraum des Hostels betreten durften – denn der eigentliche Check-in war erst um 11 Uhr. In den kommenden Tagen haben wir uns etwas im heißen Mandalay akklimatisiert, eine Blattgold-Herstellung in Handarbeit angeschaut und Marc vom Flughafen abgeholt. Nach einer kleinen Odyssee bei seiner Anreise hieß es ab dann: Wir reisen zu dritt!
Nach einer Massage im Innwa Health & Spa (wirklich sehr empfehlenswert) engagierten wir einen Tuk Tuk-Fahrer für den restlichen Tag und machten das, was die meisten Touristen in Mandalay machen: Tempeltour!
Es ging vom Holzpalast (Shew Nan Daw Kyaung), über den goldenen Palast über weitere Paläste und Klöster zum Sonnenuntergang auf den Mandalay Hill. Ein guter Einstieg und ein netter Zeitvertreib. Auch wenn jeder Tempel irgendwie anders ist – gerade wenn man verschiedene Kulturen oder Nationen miteinander vergleicht – sind sie nacheinander aufgereiht doch irgendwie gleich. Zumindest das Besichtigungserlebnis fühlt sich gleich an und ist nach einer Weile etwas ermüdend.
Als weiteres Ausflugsziel besichtigten wir die U-Bein-Brücke. Wir waren etwas verwundert, dass unser Tuk Tuk-Fahrer nicht ganz wusste, wohin er uns bringen sollte, da diese Brücke aus Teak-Holz in Mandalay sehr bekannt ist. Wie sich nachher herausstellte, scheiterte das Verständnis nur an unserer Aussprache. Während unserer Zeit und Zwischenstopps (dazu später mehr) in Mandalay sind wir immer mal wieder im Restaurant Mingalabar Essen gegangen und wollen unserer breiten Masse an Lesern diesen Tipp natürlich nicht vorenthalten.
Wir haben an dieser Stelle noch zwei kleine Geschichten am Rande, welche das alltägliche Leben in Myanmar aus unserer Sicht gut beschreiben: Nach dem Abendessen in einem Restaurant in der Stadt wollten wir mit einem Tuk Tuk zurück zu unserem Hostel fahren und winkten einen Fahrer heran. Was wir nicht ahnten war, dass der Fahrer schon irgendwelche Substanzen/Alkohol/Betelnüsse zu sich genommen hatte. Mit einem unfassbaren Tempo ging es also durch die Straßen von Mandalay. Ohne zu bremsen über Kreuzungen. Nach ein paar Minuten war der Fahrer ziemlich verwirrt und wusste nicht mehr, wohin wir eigentlich wollten. Da nicht nur der Fahrer angeheitert war, sondern wir auch, schwankten wir zwischen Angst und Spaß. Am Ende der Fahrt meinte der Fahrer dann noch zu uns: „Sorry, I’m so heavy tonight.“ – sowas wie „Ich bin heute ziemlich drauf.“
Die zweite Geschichte handelt davon, dass Marc einige US-Dollar mit nach Myanmar gebracht hatte und diese vor Ort in die Landeswährung Kyat tauschen wollte. Wir suchten also eine Bank auf und betraten diese. Sofort kümmerten sich fünf Bankangestellte um Marcs Anliegen. Dieser Anblick alleine war schon ziemlich lustig zu beobachten, wurde dann aber noch getoppt. Vor der Bank hielt ein Transporter. Nicht sonderlich anders als alle weiteren Transporter auf den Straßen Myanmars. Mehrere Bankangestellte liefen in den kommenden Minuten auf und ab und schleppten Säcke aus dem Transporter in die Bank. Das sollten doch wohl keine Geldsäcke sein?! Oh doch! Sie trugen also Geld in Säcken in die Bank, welche den Aufdruck von Tiernahrungsmitteln hatten, und schütteten die Geldsäcke am Ende in einer Ecke der Bank aus, sodass ein riesen Haufen Geld entstand. Geldtransport in Myanmar – Business as usual.
Inle Lake
Als nächstes ging unsere Reise mit dem Bus zum Inle Lake. Fun fact: Der Beifahrer des Busses saß die gesamte Fahrt auf einem kleinen Plastikhocker – neun Stunden lang.
Wir starteten unseren ersten Tag mit einer Fahrradtour um den See. Wir kamen vorbei an Feldern, kleinen Tempeln und konnten auf dem Fahrrad die Seele baumeln lassen. Wenig Verkehr und Ruhe in idyllischem Umfeld konnten wir nach ein paar Tagen im trubeligen Mandalay gebrauchen. Wir stoppten Mal hier Mal dort und setzten irgendwann mit dem Boot auf die andere Seite des Sees über.
Vom Hotelbesitzer hatten wir erfahren, dass auf dieser Seite des Sees Wein angebaut wird und es für wenig Geld eine Weinprobe gibt. Das ließen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen und besuchten also die Red Mountain Estate Winery. Bei gutem Wein und einem super Ausblick über Berge und den Inle Lake genossen wir den Sonnenuntergang und ließen es uns gut gehen. Anschließend radelten wir im Dunkeln (ohne Licht) zurück zum Hotel. Begleitet wurden wir von einem netten Herren, der uns mit seinem Roller den Weg beleuchtete und dafür sorgte, dass wir auch von anderen Autos und Rollern wahrgenommen wurden – ein netter Mensch.
Für den nächsten Tag hatten wir schon eine ganztägige Bootstour über den See gebucht. Wir wurden morgens von unserem Fahrer abgeholt und nach einem kleinen Fußmarsch saßen wir auch schon in einem Boot und schipperten langsam Richtung See. Von handgemachtem Silberschmuck, über handgerollte Zigarren bis hin zu Textilien aus Lotus war alles dabei. Wir klapperten so einige Shops ab und konnten die Menschen in ihren Stelzenhäusern bei ihrem alltäglichen Leben beobachten. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir nur von Shop zu Shop getrieben wurden und am besten alles kaufen sollten, was uns angeboten wurde, sondern konnten einfach in das einfache Leben der Menschen auf dem Inle Lake eintauchen.
Der Inle Lake mit seiner ganzen Atmosphäre war definitiv ein, wenn nicht sogar das Highlight für uns in Myanmar. Abseits von Städten und Touristenströmen konnten wir einfach nur die Zeit genießen.
Pyin Oo Lwin
Als nächstes ging es, mit einem kurzen Zwischenstopp in Mandalay, nach Pyin Oo Lwin. Wir verfolgten ein lokales Fussball-Volleyball-Turnier (Sepak Takraw) – ein Sport, den wir in Thailand schon erlebt hatten. Abends ging es dann ins Feel zum Abendessen. Um circa neun Uhr wollten wir ein Grab bestellen, um nach Hause zu gelangen. Fehlanzeige. Um diese Uhrzeit fuhren zu dieser Jahreszeit keine Tuk Tuks mehr. Okay, dachten wir, fragen wir eben eine Bedienung nach einem Taxi. Diese schaute uns auch nur verwundert an und erklärte uns, dass es zu spät für Taxis wäre. Sie bot uns allerdings an, uns mit ihrem Auto zu unserem Hotel zu fahren und lehnte anschließend ein kleines Trinkgeld für die Fahrt kategorisch ab.
Am folgenden Tag mieteten wir uns Roller und fuhren zu einer Kaffeeplantage. Wir hatten Glück und haben den Besitzer der Sithar Coffee Co Ltd Plantage getroffen. Min, so der Name des Mannes, führte uns über seine Plantage und erklärte uns so einiges über die Kaffeepflanze an sich, aber auch über den Anbau in Myanmar. Nachdem wir knapp eineinhalb Stunden über das Gelände geführt wurden, durften wir natürlich auch noch verschiedene Kaffeesorten im Café verköstigen. Auf Nachfrage von uns nahm Min uns dann anschließend sogar noch mit in die Stadt zu seiner Rösterei. Eine ziemlich coole Erfahrung, den gesamten Produktionsprozess eines Produktes kennenzulernen, welches wir nahezu täglich konsumieren und nie wirklich näher betrachtet haben.
Am gleichen Tag besichtigten wir auch noch den Dat Taw Gyaint Wasserfall, welcher einen Abstecher wert ist.
Bevor es wieder für einen kurzen Zwischenstopp nach Mandalay zurück ging, besuchten wir noch den Botanischen Garten in Pyin Oo Lwin, wo Marc seinen ersten Affen in freier Wildbahn zu Gesicht bekam – oder war es gar kein Affe?! Wie sich herausstellte war es ein Weißbrauengibbon.
Bevor dieser Blog-Eintrag wieder zu lang wird, mache ich an dieser Stelle Schluss und verweise auf den nächsten Eintrag, in dem wir berichten wie es in Bagan und Yangon weiter ging.
Bleibt dran,
Tamara & Manuel
































