Myanmar

Myanmar – Bagan & Yangon

Da wir in Myanmar bereits viele Strecken mit dem Bus bewältigt hatten und einfach keine Lust mehr auf eine weitere stundenlange Busfahrt hatten, entschieden wir uns für ein anderes Verkehrsmittel um von Mandalay nach Bagan zu kommen: Ein Boot. Auf diesem Wege dauerte die Fahrt zwar einen ganzen Tag, hatte aber auch einige Vorteile: Entspannt entlang des Flussufers schippern, sich zwischendurch einmal die Beine vertreten und die Einheimischen bei ihrem Alltag beobachten. Mit uns an Bord: Eine deutsche ü60-Reisegruppe, die zunächst für ordentlich Stimmung sorgte, nach und nach aber (zum Glück) immer ruhiger wurde. Inmitten der Reisegruppe wurde uns noch einmal bewusst, wie zufrieden wir eigentlich mit unserer Art des Reisens waren. Keine vorgegebene Route, kein fester Zeitplan und immer wieder neue Begegnungen mit Einheimischen oder anderen Reisenden – alles Aspekte, die wir auf einer organisierten Reise vermutlich vermisst hätten.

Bagan

Angekommen in Bagan, wurde direkt deutlich, dass dort der Tourismus (im Gegensatz zu anderen Regionen Myanmars) in vollem Gange ist. Dreiste Taxifahrer, unzählige Reisebusse, Touristen in Pferdekutschen, internationale Restaurants und diverse Tourenangebote. Diese Entwicklung hat aus ökonomischer Sicht bestimmt etwas Gutes für das Land, machte auf uns aber erstmal einen negativen Eindruck, da die Kultur und die besondere Freundlichkeit der Einheimischen in den Hintergrund gerieten. Aber natürlich hatten wir auch in Bagan Begegnungen, die uns wieder an das Gute im Menschen glauben ließen. So nahm uns zum Beispiel ein Tuk Tuk-Fahrer umsonst mit und ließ Manuel nach einer erneuten Fahrt mit ihm am nächsten Tag sogar selbst einmal das Steuer übernehmen.

Nun aber zurück zu Bagan und der Stadt an sich, die wahrscheinlich die bekannteste Myanmars ist – und das nicht zu Unrecht. Bagan besitzt nämlich tausende uralte und teils renovierte Pagoden, die sich über eine riesen Fläche verteilen. Noch dazu erheben sich bei Sonnenaufgang Ballons in den Himmel und bilden das typische Postkartenbild. Natürlich haben auch wir uns das Spektakel bei Sonnenaufgang nicht entgehen lassen. Allerdings hat uns der Sonnenuntergang inmitten der Pagoden – auch ohne Ballons – noch besser gefallen und zählte zu einem der schönsten, den wir auf unserer Reise erlebt haben.

Aber auch tagsüber hatte die Pagodenlandschaft ihren Charme. Wir mieteten uns mal wieder einen Roller, diesmal elektrisch, und erkundeten diese auf eigene Faust. Über Felder und Wiesen, durch mal kleinere und mal größere Straßen ging es von einer Pagode zur nächsten. Mal gingen wir um die Pagoden herum, mal herein und mal auch hinauf – was allerdings sehr schwierig war, da die meisten Pagoden inzwischen geschützt sind und nicht beklettert werden dürfen. Wir entschieden uns dafür, nicht die bekanntesten Pagoden abzuklappern, sondern uns einfach treiben und so alles auf uns wirken zu lassen. Definitiv eine gute Entscheidung, gerade wenn man schon vorher ein paar (mehr) Pagoden gesehen hat 😉. Zur Stärkung zwischendurch hielten wir am The Moon Vegetarian Restaurant an, welches wir so gut fanden, das wir später auch noch The Moon 2 besuchten um einen Kaffee zu trinken. Klare Empfehlung also!

Da wir nach unserer Tagestour durch Bagan bereits zufrieden waren, brachen wir am nächsten Tag mit dem Sammeltaxi auf zum Mount Popa – ein Berg inmitten eines Nationalparks mit Pagode on top (was auch sonst?!). Unterwegs fielen uns bereits viele Menschen auf, die am Rande der Straße standen, die Hände aufhielten, uns hinterherriefen oder auch winkten. Wir konnten zunächst nicht ganz einordnen, was es damit auf sich hatte, aber unser mulmiges Gefühl wurde später von unserer Gastgeberin bestätigt. Sie erzählte uns, dass in Bagan kein Betteln und auch keine Obdachlosen erlaubt seien und diese daher entlang der Straße zum Mount Popa auf Spenden der Touristen hofften. Ein wirklich eindrückliches Bild, was unsere Stimmung trübte. Noch dazu kam dann, dass der Anstieg hoch zur Pagode auf dem Mount Popa das reinste Touristen-Spektakel war. Das wohl Absurdeste daran: Einheimische verkaufen Affenfutter, Touristen kaufen dies und füttern die schon daran gewöhnten Affen, die alles klauen, was man nicht gut festhält, und die Treppen so verschmutzen, dass wiederum Einheimische diese putzen und dafür Geld verlangen. Da fällt uns wirklich nichts mehr zu ein, außer euch diesen Tipp zu geben: Solltet ihr nach Bagan reisen und über eine Tagestour zum Mount Popa nachdenken, lasst es! Für uns war der Ausflug ein einziger Reinfall und leider wieder ein Hinweis darauf, welche negativen Folgen der Tourismus haben kann – für Mensch und Tier.

Yangon

Nach diesen sehr unterschiedlichen Erfahrungen in und um Bagan ging es für uns weiter nach Yangon. Diesmal wieder wie gewohnt mit dem Bus. Gute zehn Stunden und einige Staus später bezogen wir unser Hostel, das Shwe Yo Vintage Hostel. Wir wurden herzlich empfangen und verlängerten nach der ersten Nacht direkt um zwei weitere Nächte. Neben einem frisch gekochten Frühstück jeden Morgen gab es dort nämlich auch tägliche Aktivitäten, wie den „Create your own Myanmar salad“-Nachmittag, viele andere Reisende aus aller Welt und interessante Gespräche mit dem Besitzer, der uns einiges über die Geschichte sowie die aktuelle Lage Myanmars erklärte.

Da unsere Lust auf Pagoden nach unserer Tour durch Bagan gestillt war, entschieden wir uns dafür, diese in Yangon außen vor zu lassen und ein paar andere Sachen zu erkunden. Von dem Amerikaner Mike, der bereits vor uns in Yangon gewesen war, erfuhren wir von einem stillgelegten Freizeitpark, den man durch ein Loch im Zaun erreichen kann. So machten wir uns also auf den Weg, schlüpften durch das besagte Loch und wanderten durch den Abandoned Amusement Park. Über zugewucherte Wege, zu verrosteten Karussellen, über bewachsene Schienen einer alten Achterbahn – die Atmosphäre war wirklich besonders und schwankte (zumindest bei mir – die Herren waren da etwas weniger ängstlich) zwischen einem mulmigen Gefühl und einer Faszination für diesen verwahrlosten und doch irgendwie magischen Ort.

Ganz in der Nähe des Parks befinden sich auch der Kandawgyi Lake und der People’s Park. Zu Fuß erkundeten wir erst einen Teil des Sees, tankten neue Energie im hippen Bodhi Nava Café und spazierten anschließend noch etwas durch den Park, von dem man auch einen guten Blick auf die bekannte Shwedagon Pagode hat. So gelang es uns den ersten Tag in Yangon fast ohne Verkehrsmittel zu erkunden und eine etwas andere, grünere Seite der Stadt kennenzulernen. Abgerundet wurde der Tag dann nur noch mit einem Bier-Tasting in der Burbrit Bar.

Weiter ging es am nächsten Tag mit einer Zugfahrt der etwas anderen Art. Für umgerechnet einen Euro kauften wir ein Ticket für den sogenannten Circular Train und stiegen in ein ziemlich volles Abteil, in dem nur stehen oder auf der offenen Treppe sitzen möglich waren und in dem sich immer wieder Obstverkäufer durch die Menge schoben. Vorteil von uns: Wir waren größer als die meisten anderen Passagiere und hatten daher einen guten Überblick über das Geschehen.

Nach kurzer Zeit sprach uns dann der Einheimische Han an, der sich nicht nur sehr darüber freute mit uns Englisch sprechen zu können, sondern uns auch noch zu einer Tour über den Danyinkone Butar Market einlud. Wie sich herausstellte hatte Han Geburtstag und kannte noch dazu einige der Händler auf dem Markt, sodass wir uns gratis durch Melonen, Gewürze und gebratene Nudeln durchprobierten. Außerdem fanden wir endlich heraus, was es mit den Betelnüssen auf sich hat. Seit Anfang an hatten wir in Myanmar kauende Männer gesehen, die eine rote Flüssigkeit auf die Straße spucken. Nun wurde uns gezeigt, dass eine Betelnuss zusammen mit etwas Tabak und einer Art Kleber in ein Blatt gerollt und dieses Päckchen dann zerkaut wird. Zigarette auf Myanmar-Art also. Wir waren mal wieder überwältigt von der Freundlichkeit der Menschen wie Han, der uns an seinem Geburtstag einfach mal zwei Stunden lang begleitete und sich tierisch über seine neuen Freunde aus Deutschland freute.

Schließlich brach dann auch schon unser letzter gemeinsamer Tag mit Marc in Myanmar an. Wir gönnten uns zum Abschluss einmal ein teureres Hotel, lagen mit Kaltgetränken am Pool, gingen schick essen und ließen unsere gemeinsamen Erlebnisse Revue passieren. Dann hieß es auch schon „Auf Wiedersehen, Marc“ und danke für eine tolle Zeit mit dir in Myanmar!

Die letzten Tage sahen für Manuel und mich dann ähnlich aus: Relaxen am Pool, nochmal das burmesische Essen und die Zweisamkeit genießen, eine letzte Massage, Sachen ausmisten/packen und letztendlich zum Flughafen fahren. Von dort aus ging es gemeinsam nach Bangkok, bevor sich dann auch unsere Wege trennten. Manuel flog weiter nach Nepal, ich flog zurück in die Heimat. Ein emotionaler Abschied für uns nach einer langen gemeinsamen und intensiven Zeit und ein wirklich komisches Gefühl zwischen „Ist es jetzt wirklich vorbei?“ und Vorfreude auf die Familie und Freunde bzw. auf das, was dann noch kam.

Wer nun denkt: „Das war es dann wohl.“, den müssen wir leider enttäuschen. Denn auch Manuels Eindrücke aus Nepal und unser Résumé der ganzen Reise wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Schön, dass ihr bis hierhin dabei wart!

Tamara & Manuel

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