Neuseeland

Neuseeland Teil 5 – Wanaka bis Milford Sound

Veröffentlicht

Zwischen der Westküste der neuseeländischen Südinsel und dem Inland liegt eine Kette von Bergen, Gletschern und Skigebieten. Genau diese hieß es also zu überqueren, um von der einen auf die andere Seite zu kommen. Wohlweislich hatten wir schon im Vorfeld Schneeketten mitgenommen – gebraucht haben wir sie dann allerdings doch nicht.

Was erwartete uns also auf dieser anderen Seite? „Hoffentlich etwas besseres Wetter“, war der erste Gedanke, der uns in den Sinn kam. Was wir nach dem Überqueren des Haast Passes sahen, verzauberte uns allerdings mehr als gedacht. Nicht nur das Wetter war deutlich besser, sondern auch die Landschaft von einem ganz anderen Kaliber. Berge mit schneebedeckten Gipfeln, riesige Seen mit glasklarem Wasser und eine Menge unberührte Natur. Schon auf dem Weg nach Wanaka stoppten wir an einem Aussichtspunkt, liefen zum Lake Wanaka hinab und bestaunten den Anblick. Das schlechte Wetter der Vortage und die abgesagte Gletscher-Tour waren auf Anhieb vergessen und wir freuten uns auf die anstehenden Erlebnisse in der neuen Umgebung.

Wanaka

Wanaka ist nicht nur wegen des guten Wetters, sondern auch wegen der schönen Lage zwischen See und Bergen ein beliebter Ort sowohl für Touristen als auch Einheimische. Daher hat sich wohl auch ein gewisser Hipster-Flair in dem Örtchen entwickelt, den wir direkt nach unserer Ankunft spürten.

Um die Natur in und um Wanaka herum mal auf eine andere Weise zu erkunden und den Adrenalin-Spiegel mehr zu steigern als beim Wandern, liehen wir uns in Wanaka angekommen Mountainbikes. Da zumindest einer von uns (ihr könnt euch denken wer) nicht so erfahren im Mountainbiking ist, rieht uns der Verleih zu einer Tour entlang des Sees und nicht zum Mountainbike Park im sogenannten Sticky Forest. So radelten wir also gemütlich entlang des Sees mit einer tollen Aussicht auf die Berge, bis wir ein Schild zum Sticky Forest entdeckten. Natürlich reizten uns (einen vielleicht etwas mehr als den anderen) dann doch die richtigen Mountainbike Trails und frei nach dem Motto „no risk, no fun“ ging es auch schon hoch in den Wald. Manuel benutzte dafür auch wirklich das Mountainbike, ich gab nach mehreren Versuchen auf und schob das Gefährt hoch :D. In Gedanken graute es mir bereits vor der Abfahrt. Oben angekommen erstreckte sich ein Netz aus mehreren Trails, von denen wir einige ausprobierten. Manuel über die Rampen – ich nebenher. Tatsächlich legte sich meine Unsicherheit aber nach etwas Übung, sodass ich den Weg wieder runter auch fahrend (nicht schiebend) antrat. Zwar halb so schnell wie Manuel, der voll in seinem Element war und sich noch dazu über mich amüsierte, aber immerhin! Unten angekommen ging es weiter über Stock und Stein entlang des Sees, mein Puls beruhigte sich wieder etwas und nach einem Kaffee mit Scones in Albert Town ging es dann schon zurück nach Wanaka.

Die nächstgelegene große und absolute In-Stadt nach Wanaka ist Queenstown. Da wir allerdings erstmal weiter in Richtung Süden wollten, sparten wir uns Queenstown für den Rückweg auf und steuerten das kleine Dörfchen Lumsden an. Wieso genau Lumsden? Inmitten von Feldern, bestehend aus wenigen Häusern, ein paar Restaurants und einem Supermarkt, gibt es dort eigentlich nicht viel zu entdecken. Aber: Lumsden liegt quasi auf dem Weg nach Fjordland und bietet Reisenden eine kostenlose Camping-Fläche an, weshalb es auch als nettestes Dorf Neuseelands gilt. So verbrachten wir also unsere Nacht zwischen zig anderen dankbaren Campern und fuhren am nächsten Tag weiter nach Te Anau.

Te Anau

Auch Te Anau liegt direkt an einem See, umgeben von Bergen und ist noch dazu ziemlich bekannt. Dort startet nämlich einer der Great Walks in Neuseeland, der Kepler Track. Dieser Rundweg dauert normalerweise mehrere Tage und umfasst mehrere Übernachtungen auf Berghütten. Im Winter gestaltet sich das Ganze allerdings etwas schwieriger, weshalb wir nur die erste Etappe hoch zur ersten Berghütte inklusive Übernachtung machten. Ein großer Vorteil im Winter: Die Übernachtung in der Berghütte, die in der Hochsaison nur begrenzt möglich ist und über 100$ kostet, ist in der Nebensaison ohne Reservierung für 15$ möglich. Wirklich verrückt, wenn man bedenkt, dass der Weg der gleiche ist, nur die Bedingungen etwas anders.

Mit gepacktem Rucksack – diesmal mit jeweils zwei Schlafsäcken bewaffnet – starteten wir also den Weg. Dieser führte uns zunächst recht eben entlang des Sees durch einen Wald. Dann ging es allerdings ziemlich steil den Berg hinauf – und das nicht nur für ein kurzes Stück, sondern für die nächsten 3 Stunden. Hätte man sich natürlich denken können, wenn man auf einer Berghütte übernachten will 😉. Schnaufend machten wir also Meter für Meter gut, begegneten ab und an entgegenkommenden Wanderern, einem Ranger, der gerade neue Fallen für Nagetiere aufstellte und einem Kea. Diese Papageien-Art ist die einzige alpine auf der Welt und nur in Neuseeland heimisch. Noch dazu ist der Kea äußerst neugierig, womit auch der Ranger zu kämpfen hatte, der uns erzählte, er würde schon seit zwei Stunden von seinem gefiederten Freund „verfolgt“.  

Endlich an der Baumgrenze und damit fast oben angekommen, hieß es einmal ganz tief durchatmen und die letzten Meter zur Hütte wandern. Auf diesem Stück erkannten wir dann, warum der Kepler Track so beliebt ist und warum sich der anstrengende Aufstieg mehr als lohnt. Hinter uns der dichte Wald, vor uns ein Weg durch eine farbenfrohe Buschlandschaft, links schneebedeckte Berge, rechts ein See umringt von noch mehr schneebedeckten Bergen. Was will man mehr?! Und auch die Hütte war nicht von schlechten Eltern. Ausgiebig Platz, eine tolle Aussicht, eine Feuerstelle und mit uns nur drei andere Neuseeländer dort. Man muss allerdings sagen, dass man sich die Berghütte nicht als Hotel vorstellen darf, sondern wirklich nur als Hütte mit einfacher Einrichtung und Selbstverpflegung – was aber definitiv auch seinen Charme hatte. Nach einer etwas unruhigen Nacht (inklusive Sturmböen und temporärem Schlafsackverlust im Hochbett) ging es am nächsten Tag den gleichen Weg wieder hinunter. Dies dauerte gefühlt halb so lange wie der Hinweg, war aber nicht unbedingt weniger anstrengend. Gelohnt haben sich die Mühen aber allemal!

Milford Sound

Von Te Anau folgten wir der Milford Sound Road in Richtung Milford Sound, dem wohl bekanntesten Fjord im Fjordland von Neuseeland. Auf dem Weg dorthin sahen wir bereits mehrere Schilder mit dem Schriftzug „road closed“, waren aber guter Dinge, zumindest unseren Camping Platz für die Nacht zu erreichen. Das taten wir auch, mussten allerdings feststellen, dass die Straße dahinter, die bis zum Fjord führt, tatsächlich wegen zu hoher Lawinengefahr geschlossen war. Wir hatten also mal wieder Pech mit dem Wetter und glaubten schon nicht mehr daran, die vorher gebuchte Bootsfahrt durch den Fjord am nächsten Morgen machen zu können. Morgens überraschte uns dann aber die Inhaberin des Campingplatzes mit einer guten Nachricht: Die Straße würde ab 9 Uhr bis nachmittags wieder geöffnet und das Boot würde auf uns warten. So reihten wir uns also um 9 Uhr in die Autoschlange vor der geschlossenen Straße ein und machten uns einige Zeit später in der Kolonne auf den Weg durch die Berge zum Fjord. Die Bootsfahrt fand also statt und war auf jeden Fall beeindruckend, gerade weil wegen des vielen Regens an jeder Ecke Wasserfälle von den Klippen in die Tiefe schossen. Wir müssen allerdings auch dazu sagen, dass uns der Milford Sound nicht so umgehauen hat. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass wir bereits die wunderschöne Fjordlandschaft in Norwegen ausgiebig und ohne Massen von Touristen bestaunen durften.

Queenstown

Nach ein paar Stunden Fahrt, einer weiteren Nacht in Lumsden und wieder ein paar Stunden Fahrt erreichten wir dann Queenstown, die Stadt der Extremsportarten in Neuseeland. Für uns stand allerdings nach den sportlichen Aktivitäten der Vortage etwas ganz anderes auf dem Programm. Wie schon im Vorfeld erhofft, trafen wir dort nämlich unsere finnischen Freunde Kaisa und Jaako wieder. Nach einem gemeinsamen Kaffee und etwas Planung, entschieden wir uns dann entgegen der typischen Aktivitäten in Queenstown (wie zum Beispiel Bungee-Jumping) fürs Burger- und Eis-Essen, etwas „Nervenkitzel“ im Escape Room, eine Partie Billard im Irish-Pub und eine Runde Minigolf. Ihr seht schon – auch wir werden älter :D. Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser eher ruhigeren Aktivitäten, hatten wir noch einmal zwei schöne Tage zusammen, bevor sich unsere Wege endgültig trennten.

Für uns war die Zeit in Queenstown aber noch nicht ganz zu Ende. Wir hatten nämlich schon im Vorfeld entdeckt, dass am zweiten Abend ein Pub Quiz stattfinden sollte, worauf wir nach einiger Zeit der „Pub-Quiz-Abstinenz“ mal wieder richtig Lust hatten. Zu zweit als Nicht-Einheimische war das Ganze aber alles andere als einfach, was wir bereits in der ersten Runde zum Thema neuseeländische Marken-Symbole zu spüren bekamen. Wir befürchteten schon Letzter zu werden, schafften es aber letztendlich noch auf den drittletzten Platz :D. Wir müssen allerdings dazu sagen, dass wir in der zweiten Hälfte des Quiz noch etwas Verstärkung bekamen, denn wie der Zufall es so wollte, kam uns ein Neuseeländer zur Hilfe. Und zwar nicht irgendeiner, sondern Tommy, dem wir auf seinem Fahrrad schon vorher zweimal begegnet waren und der zufällig am gleichen Abend in Queenstown angekommen war. Somit wurde unsere Zeit des Wiedersehens perfekt abgerundet und mit einem guten Gefühl hieß es dann auch für uns: Bye Queenstown – Hi Mount Cook!

Was wir dort noch erlebt haben, erfahrt ihr dann in unserem nächsten und auch letzten Blog-Eintrag für Neuseeland.

Bis dahin und viele Grüße,

Manuel & Tamara

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.