Neuseeland

Neuseeland Teil 4 – Nelson Lakes und Westcoast

WARNUNG: Wer geile Landschaft, aus welchen Gründen auch immer, nicht ertragen kann, sollte die Blog-Einträge der Südinsel von uns meiden. Wir können leider keine Haftung für akute Reiselust oder Fernweh übernehmen, sodass das Lesen auf eigene Gefahr geschieht!

Den ersten Teil der Fährüberfahrt von Wellington nach Picton haben wir produktiv zu gebracht:
Blog-Einträge schreiben und nachholen. Nach einiger Zeit und einem Blick aus dem Fenster hielt es uns allerdings nicht mehr an unserem „Arbeitsplatz“, sondern wir mussten raus aufs Deck und die vorbeifahrende Natur bewundern. Es ging bei bestem Wetter durch die atemberaubende Fjordlandschaft und Erinnerungen an unsere Norwegen-Reise wurden wach. (Anmerkung der Redaktion: Wir sind nicht sicher, ob es sich um wirkliche Fjorde gehandelt hat, es sah für uns allerdings so aus). Voller Vorfreude verließen wir die Fähre und ließen Picton rasch hinter uns. Wir wählten nicht die kürzeste/schnellste Route, sondern die „Scenic route“ entlang der Küstenlandschaft und ließen uns verzaubern.

Nelson

In Nelson angekommen ließen wir uns zunächst einmal etwas treiben. Wir fanden ein cooles Cafe/Restaurant namens East St Cafe mit einer wunderbaren Bedienung, mit der wir uns lange unterhielten. Wir waren uns anschließend einig, dass es sich ein Stückchen wie Zuhause angefühlt hat – abends mit einem Bierchen in einer Gastwirtschaft sitzen und mit Freunden quatschen – das haben wir vermisst und tun es auch immer noch.
Das wirklich coole an Nelson für Camper wie uns ist, dass die Stadtverwaltung es gestattet auf Parkplätzen mitten in der Stadt zwischen 18:00 Uhr und 09:00 Uhr zu campen. Eine gute Sache wie wir finden.

Viele Menschen haben uns empfohlen, den Abel Tasman Nationalpark zu bewandern. Schon bevor wir die Preise für Wassertaxi und Unterkünfte/Hütten herausfanden, kamen uns erste Zweifel. Die Wanderwege führen vorbei an einer mit Sicherheit beeindruckenden Küstenlandschaft. Wir hatten allerdings an der Ostküste Australiens schon genug davon und entschieden uns stattdessen für die eher unbekannte Region Nelson Lakes,um die (neugekauften) Wanderschuhe auszupacken.

Bevor wir jedoch unsere erste mehrtägige Wanderung auf unserer Reise antraten, erkundeten wir die Region um Saint Arnaud. Wir trafen auf Amerikaner, welche uns aufgeregt fragten, ob wir Kniffel kennen würden und es dabei hätten, als sie erfuhren, dass wir Deutsche sind. Wir trafen auf Tommy, einen jungen Neuseeländer, der mit dem Fahrrad beide Inseln Neuseelands bereisen möchte und auf der Suche nach Hoffnung und Liebe ist. Wir unterhielten uns lange mit diesem jungen Mann und er blieb uns lange in Erinnerung. Außerdem trafen wir auf einen Mann, der uns von seinen Wanderungen auf den schneebedeckten Bergen berichtete. Er sagte: „[…]es ist erst ein Abenteuer, wenn es nicht mehr nach Plan läuft[…]“. Warum erwähne ich das hier? Weil wir auf unserer Wanderung ebenfalls ein Abenteuer erlebten.


Geplant hatten wir eine circa sechsstündige Etappe entlang eines Sees, hinauf auf eine Berghütte. Da auf diesem Weg allerdings ein Bach überquert werden musste, änderten sich auch unsere Pläne. Wir suchten vergeblich nach einer Möglichkeit diesen stellenweise reißenden Fluss zu überqueren. Wir zogen die Wanderschuhe aus (ich sogar die Hose), standen knietief im *piep*-kalten Wasser und mussten uns am Ende doch eingestehen: Hier kommen wir nicht rüber. Wir wussten, dass es eine Hängebrücke etwas weiter geben sollte, also stärkten wir uns noch einmal und nahmen den Umweg in Kauf. Dieser 10 km Umweg machte aus unserer geplanten entspannten Etappe ein knapp neunstündiges Abenteuer mit Höhen und Tiefen – sowohl was die Landschaft anging, als auch die Laune. Endlich am neuen Ziel – einer weiteren winzigen Hütte, lediglich am Fuße des Berges – angekommen, trafen wir dann auf Finn und Finn – einer aus Deutschland und ein Kiwi (Neuseeländer). Wir unterhielten uns über die Landschaft und die Tierwelt Neuseelands und tauschten Reisegeschichten am Kaminfeuer aus, bevor wir hundemüde versuchten Schlaf zu finden. Die Nacht war leider wenig erholsam, weil wir nur einen dünnen Schlafsack dabei hatten und es ziemlich kalt wurde.
Am nächsten Tag erklommen wir dann den Mount Robert und durfte zum ersten Mal auf neuseeländischem Schnee laufen. Nach einem ziemlich steilen Abstieg tat uns so ziemlich alles weh und wir waren einfach platt. Wie durch einen Wink des Schicksals trafen wir den einheimischen Finn wieder, der uns anbot, uns in seinem Auto zu unserem Campervan zu bringen, den wir auf der anderen Seite des Sees geparkt hatten. Ich glaube nicht, dass wir nochmal in der Lage gewesen wären weitere 5 km zu laufen. Danke Finn und danke Schicksal!

Westcoast

Unsere Reise ging an den nächsten Tage weiter Richtung Süden, entlang der Westcoast. Wir stoppten hier und da und machten unter anderem eine kurze Wanderung zum bekannten Franz Josef Gletscher. In dieser Zeit überlegten wir sehr lange und intensiv, ob wir auch eine Helikoptertour auf einen Gletscher machen sollten. Wir hatten viel Gutes darüber gehört und wenn wir ehrlich waren, wollten wir gerne noch einen Gletscher unter unseren Füßen spüren, bevor auch der letzte dem Klimawandel Tribut zollen muss. Das einzige wirkliche Argument gegen ein solches Vorhaben war der Preis. Wir rangen mit uns und mussten feststellen, dass es eigentlich ziemlich merkwürdig war, was dort in uns vorging. Wir lagen sehr gut in unserem Budget, weil wir in Australien schon deutlich weniger als kalkuliert ausgegeben hatten. Wir stellten uns dieses als einmaliges Erlebnis vor, dass wir sofort gemacht hätten. Nur der Preis stand im Weg. Nachdem Engelchen und Teufelchen in unseren Köpfen ein Schlachtfeld bzw. Massaker hinterlassen hatten, entschieden wir spontan und buchten eine Ice-Climbing-Tour auf dem Fox Gletscher ein paar Tage später und freuten uns jeden Tag mehr darauf. Am Morgen des besagten Tages erhielten wir dann allerdings einen Anruf der Organisatoren: Die Tour wird auf Grund von schlechtem Wetter abgesagt. Wir beschlossen in Zukunft anders über Geld zu denken. Nicht als etwas Limitierendes, sondern als Möglichkeit. Bewusst in Dinge zu investieren, die etwas in uns auslösen und keine Angst davor zu haben, auch mal falsche Entscheidungen in Hinblick auf monetäre Mittel zu treffen.

Dann war da noch …

Etwas hat uns auf unserem Weg an der Westküste begleitet: Die Suche nach Greenstone (Jade). Wohin man auch auf der Südinsel fährt, überall sieht man kleine oder große prachtvolle grüne Steine, die fast aussehen wie Edelsteine wenn sie geschliffen und poliert sind. Wir erfuhren, dass man sie fast überall an Stränden der Westküste finden könne, wenn man nur etwas Zeit investiere und wisse wonach man suche. Bei den ersten Versuchen waren wir uns nicht wirklich sicher, wonach wir suchten und blieben erfolglos. Wie bei allen Dingen im Leben bringt die Erfahrung Licht ins Dunkle. Wir wussten am Ende, wonach wir Ausschau halten mussten, allerdings suchten und suchten wir Stein um Stein vergebens nach Greenstone.

Die kleinen Dinge …

Eine letzte kleine Geschichte zum Ende dieses Blog-Eintrags möchte ich noch mit euch teilen, denn sie zeigt sehr gut, wie schön der Zufall sein kann und wie sehr dieser unser Leben beeinflusst:

Irgendwo in der Mitte der Westküste hatten wir auf unserer Camping-App einen netten Campingplatz ausgemacht, den wir für die Nacht ansteuerten. Dort angekommen musste uns der nette Besitzer mitteilen, dass er nur Bargeld akzeptieren und kein EC-Gerät besitzen würde. Natürlich hatten wir genau zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genügend Bargeld und die nächste Stadt mit Geldautomat war 25 km entfernt. Der Besitzer riet uns mit einem Augenzwinkern einfach zum nächsten DOC-Campingplatz zu fahren und dort kostenfrei zu nächtigen, weil in der Nebensaison keiner kontrollieren würde. Gesagt, getan steuerten wir diesen Platz an. Dort angekommen sahen wir einen jungen Mann, ohne Socken und mit Wäsche auf der Leine, an einem Unterstand stehen und frieren. Bei näherem Betrachten erkannten wir, dass es sich um Tommy, dem radelnden Neuseeländer von den Nelson Lakes handelte. Wir luden ihn direkt zu uns in den Van zum Tee und zum Aufwärmen ein. Wir plauderten wie alte Freunde und hatten viel Spaß bei einer Runde Kniffel. Ich weiß nicht wieso, aber ich muss heute noch lächeln, wenn ich uns drei dort in unserem Camper hocken sehe. Noch mehr freut es mich, dass wir entgegen unseres Plans handelten und unseren neuen Freund wieder getroffen haben. Es sind eben die kleinen Entscheidungen im Leben, die großen Einfluss auf uns haben. 😊

Nach all diesen Erfahrungen ging es für uns weiter nach Wanaka, der trockensten Stadt Neuseelands. Dieser Eintrag ist schon wieder viel länger als geplant geworden, aber es ist zu viel passiert und es ging zu viel in uns vor, um es nicht mit euch zu teilen.

Cheers und bis zum nächsten Mal!

Tamara & Manuel

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