
Zum Ende des Outbacks hatten wir beide eine Art Lagerkoller. Wir haben viele nette Leute unterwegs getroffen, allerdings weniger in unserem Alter und mit ähnlichen Interessen. In den vorangegangenen Ländern war es ziemlich einfach, in Hostels oder bei Aktivitäten Menschen kennen zu lernen. An unsere neue Art der Fortbewegung mussten wir uns anscheinend erst gewöhnen – und im Outback waren wohl weniger Backpacker unterwegs. Aber vielleicht änderte sich das Ganze ja an der Ostküste?
Townsville
Eine der ersten Dinge, die wir in Townsville getan haben, war ein ausgedehnter Spaziergang inklusive Stop in einem Cafe am The Strand – der Strandpromenade in Townsville. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Wir erkannten erstmals, dass in Australien eine andere Lebensqualität vorherrscht. Es wird gelebt und die Städte und Gemeinden stellen Leuten viele freie Aktivitäten zur Verfügung, die in Deutschland definitiv Geld oder Eintritt kosten würden. Dazu aber später mehr.
Etwas außerhalb der Stadt befindet sich der Bluewater Park, der uns zwei Mal als freier Campingplatz diente. Wenn man sich allerdings nicht irgendwo zwischen quetschen möchte, sollte man früh kommen. Nachbarn von uns erzählten, dass sie seit 11 Uhr morgens dort stünden.
Am folgenden Tag setzten wir mit der Fähre über nach Magnetic Island – einer kleinen Insel direkt vor Townsville. Wir schnürten die Wanderschuhe und machten uns auf zu einer circa 8 km langen Wanderung über die Insel. Während dieser Wanderung ist es uns gelungen, an einem belebten Spot Koalas zu sichten. Witzige Geschöpfe. Wenn sie nicht schlafen, essen sie. Während wir dieses für uns unbekannte Tier bewunderten, bewegte es sich kaum. Nur kurz den Kopf heben. Weiter schlafen. Leider nutzten diese „Entspanntheit“ auch social media-verrückte Frauen aus, die einen Koala natürlich für ein Foto anfassen mussten. Ich fragte mich, wie sie sich wohl fühlen würden, wenn ich sie einfach mal für ein Foto anfassen würde?!
Wieder auf dem Festland angekommen, fasste mich am nächsten Tag die Kletterlust. Wir fanden eine Kletterhalle und kletterten und boulderten für einige Stunden, bevor es weiter Richtung Süden ging. Der Muskelkater an den nächsten Tagen war natürlich nicht von schlechten Eltern.
Auf der Strecke zwischen Townsville und unserem nächsten Ziel (Cape Hillsborough) kamen wir an unzähligen Feldern mit Zuckerrohr vorbei. Wir erfuhren, dass die meisten Felder nicht mehr Australiern, sondern Asiaten gehörten. Genauer gesagt der Firma Wilmar – die Firma, die auf Borneo auch die meisten Palmölplantagen besitzt. Als wir eines abends auf einem Campingplatz einkehrten, sahen wir ziemlich große Rauchschwaden am Himmel. Nur wenig später war ein großer Teil des Himmels in dunkle Wolken gehüllt, bevor wir auf unserem aufgebauten Tisch schwarze Fragmente entdeckten. Es regnete Asche. „Was zum Teufel?“ haben wir gedacht und fragten bei einem älteren Ehepaar nach. Der Mann erklärte mir, dass er jahrelang auf einer Sugar-Cane-Farm gearbeitet hatte und, dass es ganz normal für diese Uhrzeit sei. Die Farmer setzten ihre Felder absichtlich in Brand, um Pflanzenreste nach der Zuckerrohrernte zu verbrennen.

Zuckerrohrfeuer
Wenig später trafen wir auf dem Campingplatz auf ein kleines Mädchen, dass direkt auf Tamara zu gerannt kam und sie umarmte. Wie sich rausstellte, war ihre Mutter auf Geschäftsreise und Tamara musste Ersatzmama spielen 😀
Unsere Reise setzte sich weiter Richtung Süden fort. Am Airlie Beach entspannten wir etwas in der Lagoon. Eine weitere freie Einrichtung, die Ausdruck der Wichtigkeit der Lebensqualität der Australier für uns ist. Die Lagoon ist so etwas wie ein Schwimmbad. Mehrere Becken. Liegewiesen. Bademeister. Eintritt kostet das Ganze nicht. Life first, not work.
Cape Hillsborough
Kurz vor Cape Hillsborough liegt das The Leap Hotel und Pub. Die Besitzer erlauben Campern auf einer Rasenfläche die Nacht zu verbringen, in der Hoffnung, dass sie den Pub besuchen. Nach einer kurzen Nacht ging es für uns um 04:30 zum Cape Hillsborough Beach, um dort Kängurus und Wallabys zu sehen. Wir wurden nicht enttäuscht! Ein cooler Sonnenaufgang am Strand gepaart mit neugierigen und gar nicht scheuen Beuteltieren. Leider sind sie nicht mehr scheu, da sie es gewöhnt sind, dass Menschen sie beobachten. Sie werden mit speziellem Antiwurm-Futter angefüttert. Trotzdem war es ein schöner Anblick, diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Wir haben jetzt auch verstanden, woher der Stereotyp von boxenden Kängurus/Wallabys kommt. 😉



Round one: Fight!
Wir wärmten uns anschließend beim Frühstück im Camper auf und ließen noch eine Wanderung (Andrews Point Track) mit extrem vielen bunten Schmetterlingen folgen. Insgesamt ließen wir es an diesem Tag ziemlich entspannt angehen und genossen unsere Zeit an diesem wunderschönen ruhigen Ort. Wir unterhielten uns mit vielen Leuten und knüpften neue Bekanntschaften.

Butterfly 
Jump jump
Mackay
Rhonda und Cedric (Syd genannt) hatten wir mitten im Outback das zweite Mal getroffen und sie luden uns wie gesagt zu sich nach Hause ein. Gerne nahmen wir dieses Angebot an und besuchten sie in Mackay. Syd nahm uns mit zu einem seiner Lieblingsorte im Eungella Nationalpark, um Schnabeltiere zu sehen. Ein Brückentier aus vergangenen Zeiten. Sie sind Säugetiere, legen aber Eier. Verrückt, was die Tierwelt in Australien so bereithält. Den englischen Namen (Platypus) muss ich noch üben. Tamara hat wohl einige Tränen über meine Aussprach-Varianten vergossen. Best of: Plöptus, Plaptupussie, Plalatus.

Selfie mit Syd 
Ein Schnabeltier … 
… oder Platypus
Nach diesem Ausflug empfing Rhonda uns mit Kaffee, Snacks und Käse. Wir merkten, wie sehr wir richtigen Käse vermissten und griffen ordentlich zu. Rhonda und Syd kochten anschließend auch noch für uns. Wir unterhielten uns über die Umweltprobleme auf der Welt und kamen zu der Übereinkunft, dass jeder seinen Teil dazu beitragen muss. Politik und Syds Chili-Sauce waren ebenfalls Themen. Auch über die Aborigines unterhielten wir uns. Leider scheinen die „Australier“ und die Aborigines zwei getrennte Leben in ihrer Heimat zu führen. Die Aborigines bekommen Geld als „Ausgleichszahlung“ für die Schandtaten der vergangenen Kolonialisierung und sind dennoch kein Teil der Gesellschaft. Viele von Ihnen sind alkoholabhängig und wissen nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Ein großes Problem, wofür bisher noch keine Lösung in Sicht zu sein scheint!
Müde von einem langen Tag fielen wir in ein richtiges(!) Bett. Am nächsten Tag ließ es sich Syd nicht nehmen, uns seine Lieblingsmusik auf einen USB-Stick zu ziehen, sodass wir unterwegs überall Musik hören konnte. Auch ein Exemplar seiner berühmten Chili-Sauce durften wir (ich) mitnehmen.

Rhonda und Syd 
Die weltberühmte Chilli-Sauce
Danke Rhonda und Syd für eine wundervolle Zeit mit euch, wir hoffen wir können uns eines Tages revanchieren!
Weiter ging unsere Reise also Richtung Süden. Auf diesem Weg planten wir unsere Neuseelandreise, indem wir Flüge und Camper buchten. Auf einem Rastplatz versuchten wir ohne Erfolg erneut Koalas zu entdecken, nachdem wir kurz vorher während der Fahrt einen auf einem Baum sitzen gesehen hatten. Wir kamen in ein kurzes Gespräch mit einem Fischer. Wir kamen erneut auf die Umwelt zusprechen und er sagte, dass er von alle dem nicht wirklich viel Ahnung habe, aber die Reichen irgendwann merken würden, dass man das verdammte Geld nicht essen kann („you can’t eat the bloody money“).

On the road
Ebenfalls auf diesem Rastplatz lernten wir ein französisches Pärchen aus Antibes (genau der Stadt an der Cote d’Azur, in der Tamara während ihrer Schulzeit schon einmal eine Sprachreise unternommen hatte) kennen. Sie erzählten uns, dass sie schon seit acht Monaten durch Australien reisen würden um ihr Englisch zu verbessern. Dabei schliefen sie nur in einem Dachzelt auf ihrem All-Rad-Wagen. Nach einer langen Unterhaltung trennten sich unsere Wege, wir waren allerdings in dieselbe Richtung unterwegs und wir hofften, sie auf diesem Weg noch einmal wiederzusehen.
Yeppoon
In Yeppoon, einer Stadt bei Rockhampton, wollten wir uns dann mit Brendan treffen. Brendan und Tamara kennen sich aus Sheffield, wo sie sich ein halbes Jahr lang ein Apartment teilten. Wir durften im Haus von Brendans Großeltern übernachten, welches der Familie als Sommerhaus dient. Gefunden haben wir das Haus allerdings nicht auf Anhieb. Brendan war sich nicht mehr ganz sicher bei der Hausnummer und gab uns die falsche, schickte aber noch einen Screenshot von Maps mit, sodass wir das Haus nach einiger Verwirrung identifizieren konnten. Es war dennoch ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, in ein fremdes, nicht verschlossenes Haus zu gehen, in dem keiner wohnt und in dem auch niemand auf uns wartete. Brendan besuchte uns nämlich erst am Folgetag zum Frühstück. So genossen wir den Meerblick in unserem neuen Zuhause-auf-Zeit, kochten und verfolgten ein Australien-Football-Match im TV.

Der Ausblick 
Unsere beiden „Zuhause“ 
Chillie-Millie
Brendan und Tamara schwelgten an den kommenden Tagen immer wieder in Sheffield-Erinnerungen und ließen die Zeit Revue passieren. Brendan war ein super herzlicher Gastgeber und Freund, zeigte uns die Gegend und buchte eine Fähre zu einer kleinen coolen Insel (Great Keppel Island) auf seine Kosten. Tatsächlich wurde dort auch noch seine Vorhersage wahr und wir sahen beim Schnorcheln eine Meeresschildkröte, die genüsslich und seelenruhig ein paar Korallen verspeiste.
Wir haben so einige gute Gespräche mit Brendan geführt und durften noch tiefer in das australische Leben eintauchen. Mein Highlight war allerdings der „Familienabend“ an unserem letzten Abend in Yeppoon. Brendans Mutter und Vater, Suzie (seine australische Bulldogge) sowie zwei Freunde der Familie besuchten uns in „unserem“ Strandhaus, um einen netten Abend am Lagerfeuer im Garten zu verbringen. Wir erzählten Geschichten, lachten und hatten eine super Zeit. Für uns stand spätestens dann fest, dass wir definitiv etwas von dieser offenen und einladenden Art, dieser Lockerheit und Gelassenheit in unser zukünftiges Leben integrieren wollen.

Suzie 
Reunion 
Lagerfeuer im Garten
Danke Brendan, danke Annie und Phil!
Nach dieser Zeit in Yeppoon, die sich für uns wie ein Stück Zuhause angefühlt hat, ging es schweren Herzens weiter Richtung Brisbane. Was auf diesem letzten Teilstück in Australien alles passiert ist, wen wir wiedergetroffen haben und warum wir Glück mit unserem Timing in Australien hatten, erfahrt ihr im nächsten Blog-Eintrag.
Bleibt dran,
Manuel & Tamara





