Indonesien

Bali und Nusa Penida

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„Warum fährt eigentlich jeder nach Bali?“ habe ich mal jemanden gefragt, als sie mir erzählte, dass sie bald zum x-ten Mal nach Bali fliegt. „Weil es einfach super schön ist!“ war die Antwort. Okay, wenn wir schonmal in der Gegend sind, schauen wir doch selbst mal nach, warum so viele Deutsche und Europäer die knapp 14 Stunden Flug für zwei/drei Wochen Aufenthalt auf sich nehmen.

Ob Bali eine Reise wert ist, erfahrt ihr in diesem Blog-Eintrag.

Canggu

Unsere freundliche Gastgeberin Lidiya aus Banyuwangi hat uns netter Weise am Fährhafen abgesetzt und einen Freund von ihr damit beauftragt, uns nach Denpasar zu befördern. Obwohl wir (mal wieder) einen Touristen-Preis in Form einer Reiseversicherung bezahlt haben, war die dreistündige Busfahrt inkl. Fähre nach Denpasar bzw. zum Busterminal in Canggu immer noch ziemlich günstig (ca. 14 €).

Nachdem wir am Busterminal angekommen und uns durch die wütende Meute (aufdringliche Taxi-Fahrer) gewühlt hatten, haben wir uns ein Grab zu unserer Unterkunft bestellt. Wir hatten im Vorfeld schon davon gehört, dass dies stellenweise auf Bali gar nicht möglich sei und es sogar Mafia ähnliche Zustände zwischen den lokalen Taxifahrern und den Grab-Fahrer geben solle – dazu aber später mehr.

Unsere Unterkunft im Salty Shakas, einer kleinen Bambushaus-Siedlung, können wir ohne Bedenken weiterempfehlen. Ein ziemlich idyllischer Ort mit Pool und „Hang-Lose“-Surfer-Atmosphäre. Wer allerdings einen sehr leichten Schlaf hat, sollte hier nicht unbedingt hausieren, denn die Wände sind dünn. Einen Abend haben wir länger als geplant wach bleiben müssen, da mehrere Asiaten ein ziemlich merkwürdiges Spiel im Gemeinschaftsbereich gespielt haben und die weiteren Anwesenden so „bei Laune“ gehalten haben.

Viele unserer Reisebegegnungen hatten uns im Vorfeld schon davon berichtet, dass Bali ein kulinarisches Highlight sein soll. Weil wir auf Java keinen Reis mehr sehen konnten, wuchs unsere Vorfreude mit jedem Moment – wir fieberten geradezu auf Bali und das Essen hin und wurden nicht enttäuscht. In Canggu konnten wir mal wieder feststellen, wie einfach und lecker die vegane Küche sein kann. Und dazu auch noch preiswert. Extrem köstliche Speisen, tolle Restaurants an fast jeder Straßenecke und super liebe Menschen haben uns eine schöne Zeit in Canggu verbringen lassen.

Dass Canggu ein Surf-Mekka ist, merkt man auch als Nicht-Surfer an der entspannten Stimmung, welche in der ganzen Stadt fließt. Hab ich Nicht-Surfer gesagt? Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, einmal das Surfen auszuprobieren und haben eine Surfstunde über unsere Unterkunft gebucht. Nach einer kurzen Einweisung wie man sich auf dem Board zu verhalten hat und wie das richtige Paddeln funktioniert ging es auch schon ins Wasser. Lange Rede kurzer Sinn: Surfen ist anstrengender als gedacht. Tamara und ich haben es für das erste Mal besser als erwartet hinbekommen und konnten einige kleinere Wellen reiten. Wir verbrachten circa zwei Stunden im Wasser und waren anschließen zu nichts mehr zu gebrauchen und einfach platt 😀 .

Ubud

Die Grab-Problematik auf Bali: Wir haben an nichts Böses gedacht als wir versuchten von Canggu nach Ubud zu reisen. Wir orderten ein Taxi über die Grab-App, wie wir es vorher in Indonesien und Malaysia unzählige Male getan hatten, stellten uns mit unseren Rucksäcken an den vereinbarten Treffpunkt und warteten. Beim Warten hielt ein Rollerfahrer an und fragte uns, wohin wir wollen und ob wir ein Online-Taxi bestellt hätten. Nichtsahnend gaben wir Auskunft. Daraufhin verschwand der Mann und wenig später erschien das bestellte Taxi. Nur wenige Momente danach stand auch der Rollerfahrer wieder bei uns – mit einem weiteren Mann auf seinem Roller und einem weiteren Fahrzeug, welches ebenfalls neben uns hielt. Der Fahrer unseres bestellten Taxis forderte uns umgehend auf, die Fahrt online wieder zu stornieren. Die drei weiteren Leute redeten auf uns sein, dass wir keine Online-Taxis ordern dürften, sondern ein „local-taxi“ nehmen müssten. Nach einer Weile Verhandlung einigten wir uns auf den gleichen Fahr-Preis nach Ubud, den wir auch mittels Grab bezahlt hätten – auch wenn wir die ganze Situation nicht wirklich verstanden. Weil der „local-driver“ nicht wirklich Englisch sprach und die Fahrt circa eine Stunde dauerte, hatten wir Zeit etwas zu recherchieren. Auf Bali heißt „local-taxi“ nicht, dass ein Indo oder ein Balinese (bin mir nicht sicher ob die Einwohner Balis wirklich so genannt werden 😀 ) das Taxi fährt, sondern jemand aus dem direkten Umfeld des Abhol-Ortes. Wenn man also zwei Straßen weiter geht, ist jemand anderes schon wieder „local“. Der Hintergrund, warum sich die Leute so über die Online-Taxis aufregen ist der, dass einige „Viertel“ oder eher ein paar Straßen sich zu einer Gemeinschaft zusammengetan haben. Die arbeitenden Menschen dieser Gemeinschaft zahlen eigene Abgaben an diese, um selber z.B. Straßen zu bauen und diese in Schuss zu halten, weil sie von der Regierung kein Geld dafür bekommen. Die Online-Taxis zahlen ihre Steuern natürlich an die Regierung und keiner weiß, was diese damit macht – die Gemeinschaften auf Bali bekommen davon allerdings nichts ab. Für uns (Westler) sind die Online-Taxis super bequem. Wir haben einen fixen Preis und wissen, dass wir nicht übers Ohr gehauen werden. Das ist auch schon der für uns springende Punkt. Wir unterstützen gerne die Menschen vor Ort, die natürlich auch vom Tourismus profitieren und teilhaben wollen. Allerdings werden die Touristen (stellenweise) als „Geldkühe“ gesehen, die nur gemolken werden müssen. Ein absolut schlechtes Gefühl zu wissen, dass man sobald Verhandlungen beginnen übers Ohr gehauen wird. Natürlich verdienen wir mehr Geld. Natürlich wollen wir gerne unseren Touristen-Preis bezahlen. Aber in Verhandlungen sofort den angegebenen Preis erstmal durch vier zu teilen und immer noch „zu viel“ bezahlt zu haben nervt. Wie schon gesagt, vielleicht ist es tatsächlich eine Gewohnheitsfrage, aber das schlechte Gefühl bleibt. Ein schmaler Grat.

Nach diesem etwas längeren Exkurs zurück zu Ubud. Ubud hat sich uns als die kulturelle Hauptstadt Balis präsentiert, wie wir es vorher auch häufig gelesen hatten. Nahezu jedes Haus besitzt einen (Hindu-) Tempel und die kleinen Opfergaben sieht man an jeder Ecke. Außerdem sehr auffällig waren die Dekoration zu Galungan – einem der höchsten Hindu-Feste. Der Hinduismus und die Traditionen der Balinesen waren für uns jeder Zeit sehr präsent. Eine dieser Traditionen ist der Kecak Fire Dance, welchen wir an einem Abend besuchten. Diese circa zweistündige Aufführung einer Geschichte begleitet von einer Art „Trance-Tanz“ war für uns absolut einmalig. Die Bewegungen und die Geräusche, die die circa 30 Männer kreierten, kann man nicht in Worte fassen, sie sind aber in unseren Erinnerungen verankert.

Kulturen wirklich kennenzulernen ist nicht immer ganz so einfach. Wir haben auf Borneo schon super Erfahrungen mit einem Kochkurs gemacht, also wollten wir wieder einen Kochkurs besuchen, um etwas tiefer in die indonesische/balinesische Kultur eintauchen zu können. Mit einem (älteren) belgischen, einem kanadischen Pärchen und einer weiteren Deutschen ging es zunächst auf einen lokalen Markt. Wirklich viel konnten wir hier allerdings nicht lernen, da wir die meisten Zutaten schon aus Malaysia kannten. Anschließend haben wir noch ein Reisfeld besichtigt (cool das mal gesehen zu haben, aber spannend ist anders) und etwas über den Anbau gelernt. Am Kochort, das Haus von unserem Koch, angekommen haben wir viel über die balinesischen Traditionen und den Hinduismus gelernt. Zum Beispiel gibt es in jedem „Zuhause“ drei Gebäude neben dem eigentlichen Wohnhaus. Den Familien-Tempel, der Ort wo das reguläre Gebet abgehalten wird, ein Haus für die Großeltern und einen Tempel, der Pavillon genannt wurde, welcher für besondere Anlässe wie Beerdigungen, Hochzeiten und Geburten verwendet wird. Apropos Geburten: Die Nachgeburten der Kinder (Plazentas) werden übrigens im Garten vergraben. Verteilt im Garten und in den Tempeln findet man unterschiedliche Götter-Statuen. Die Götter der Familie werden selbst von den Familien gewählt und die Statuen durch eine Zeremonie „zum Leben erweckt“. Der Gott unserer „Koch-Familie“ war Ganesha und gilt als der Beschützer der Kinder.

Das eigentliche Kochen nach dem Einblick in den Hinduismus war ein wahrer Gaumenschmaus: Suppe, Satay-Spieße, Tofu- und Tempe-Spieße mit selbstgemachter Erdnusssoße, selbst gemachte Sambal-Soße, verschiedenstes Gemüse und natürlich Reis. Wir hatten eine super Zeit in der Bale Delod Cooking Class mit lehrreichen Erklärungen, coolen Gesprächen und genialem Essen.

Abseits von den unzähligen kulturellen Eindrücken und der mit Touristen (wie wir) überfüllten Innenstadt von Ubud, liegt einem eine andere, extrem ruhige und entspannte Welt zu Füßen. Reisterrassen, viel Grün und eine relaxte Atmosphäre. Aus heutiger Sicht hätten wir noch mehr Zeit um Ubud herum verbringen können, sodass wir euch dies auf jeden Fall empfehlen, falls ihr einmal nach Ubud kommt.

Apropos Entspannung: Eine der häufigsten Empfehlungen, die man findet, wenn man nach diesen in Ubud sucht, sind Massagen. Wenn die Schwarm-Intelligenz dazu rät, dann ab dafür! Wir gönnten uns eine einstündige traditionelle Massage und können anschließend diese Empfehlung nur teilen. Abgesehen vom Intimbereich und dem Gesäß wurde alles durchgeknetet was mit Haut bedeckt war. Ziemlich witzig, wenn man als „Erstie“ wie ich davon ausgeht, eine angenehme Rückenmassage zu bekommen und auf einmal „turn please“ zu hören bekommt. Im Kopf sind mir natürlich schon die diversesten Fantasien durchgegangen. Angenehm wars trotzdem. Nach ziemlich exakt einer Stunde sind wir beiden dann nur noch federleicht aus dem Massage-Zentrum geweht und fühlten uns wie im Himmel. Das am nächsten Tag der Muskelkater einsetzt hätte ja keiner ahnen können … 😀

Kuta

Die letzte Station auf Bali hieß für uns Kuta – das australische Partydorf. Was für die Deutschen der Ballermann ist, ist für die Australier Kuta. Wir ließen uns dennoch auf eine Nacht in Kuta ein, da es ziemlich nah zum Flughafen war und wir nicht schon wieder eine Nacht am Flughafen verbringen wollten. Unsere Kurzfassung zu Kuta, weil der Blogeintrag sonst noch länger wird: Möchtest du ein Tattoo? Komm nach Kuta. Möchtest du Party, Bier und betrunkene Leute an jeder Ecke? Komm nach Kuta. Möchtest du Bettwanzen und um Mitternacht das Zimmer wechseln? Komm nach Kuta. Gibt es ein veganes Restaurant in Kuta? Ja eins, wir waren Stammgäste. Würden wir wieder nach Kuta fahren? Nein!

Nusa Penida

Wir hatten schon länger das Gefühl, dass wir einfach mal eine Weile an einem Ort sein und etwas entspannen müssen (etwas mehr als eine Stunde bei der Massage 😉 ). Das mag komisch klingen, denn wir sind ja im „Urlaub“. „Urlaub“ ist aber nicht das richtige Wort. Wir sehen jeden Tag neue Dinge. Sprechen jeden Tag mit neuen Leuten. Lernen jeden Tag über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Das ist auf Dauer ziemlich anstrengend und all diese Impressionen müssen verarbeitet werden. Also zog es uns nach Nusa Penida.

Mit einem freundlichen „I’m from the government, every visitor has to pay 25 k“ wurden wir nach der Fährüberfahrt empfangen. Ohne auch nur zu zucken gingen wir weiter, weil wir wussten, dass es nur wieder eine Touristenabzocke ist. Rückblickend endlich mal ein Erfolg für uns! Der Punktestand: Wir: 1, geschäftstüchtige Asiaten: >100.

Wir hatten eine super Zeit auf Nusa Penida und haben die Entspannung gefunden, nach der wir uns gesehnt hatten. Ein wenig Sightseeing haben wir dennoch betrieben – so ganz ohne geht es doch nicht. Der Peguyangan Tempel war eines unserer Highlights. Der Tempel ist mitten in eine Steilklippe gebaut und nur über eine ziemlich steile und waghalsige Treppe zu erreichen. Der Ausblick während der Besteigung belohnt aber für die circa 30-minütige Anstrengung. Außerdem kann man am Tempel angekommen auch noch in einem natürlichen Pool und heiligem Wasser baden.

Eine weitere wirklich aufregende Tour befindet sich hinunter zum Tembeling Beach. Stellt euch die schlechtesten Straßenverhältnisse vor, die ihr kennt, addiert noch eine schätzungsweise 10%ige Steigung hinzu und fahrt diesen Weg in euren Gedanken mit einem kleinen Roller mit zwei Personen hinunter. Ungefähr so aufregend war es für uns auch. Nur die Einheimischen und wir befuhren diesen kleinen Weg – die anderen Touristen liefen lieber zu Fuß. Unten angekommen kann man in natürlichen Pools baden und etwas am Strand relaxen.

Der für uns beste Strand auf Nusa Penida ist der Pandan Beach. Dieser Strand ist nur über einen kleinen Wanderweg von der sehr touristischen Crystal Bay zu erreichen. Nach etwa 15 Minuten gelangt man dorthin. Wir haben hier maximal 14 Personen gezählt und konnten so richtig entspannen und durchatmen. Der Sonnenuntergang kann sich an diesem Fleckchen Erde übrigens auch durchaus sehen lassen. Auch der Atuh Beach und der Diamond Beach waren super schön – aber eben etwas überfüllter.

Die touristischen Attraktionen Broken Beach und Angels Billabong waren für uns mal wieder zu überfüllt um diese beeindruckenden Orte wirklich zu genießen. Mit einem Lachen beschrieb ein Einheimischer die Anfahrt einmal so: „Broken beach & broken road“. Diesen mit Löchern übersäten Flickenteppich Straße zu nennen ist ungefähr so wie Donald Trump einen Naturschützer zu nennen. Trotzdem quetschen sich unzählige Autos mit gebuchten Touren aneinander vorbei und fahren sich die Spiegel ab.

Abgesehen von diesen Naturwundern, ist Nusa Penida für die Manta Rochen in der Manta Bay bekannt. Wir haben es uns also auch nicht nehmen lassen und haben versucht die Mantas zu entdecken. Wir hatten leider etwas Pech mit dem Wetter. Das Wasser war relativ unruhig und deshalb die Sicht Unterwasser sehr begrenzt. Wir haben es geschafft einen Rochen zu entdecken, auch wenn nur für kurze Zeit. Aber wie bei allen Dingen in der Natur kann man es nicht erzwingen und wir sind für diese Erfahrung trotzdem überaus dankbar.

Zu guter Letzt ein paar kulinarische Tipps: Vegan Soul Kitchen und Penida Colada. Beides sind ziemlich coole Orte, an denen man einige Zeit verbringen und gutes Essen genießen kann.

Mit Nusa Penida endet auch unsere Zeit in Indonesien. Australien wartet. Das Land, wo jeder Stein uns umbringen kann. So zumindest meine Vorstellung. Vielleicht sind auch nicht die giftigen Tiere und Pflanzen das Tödlichste, was uns in Australien begegnet, sondern wir selbst. 24 Stunden im Camper. Und das für 30 Tage. Ob wir das aushalten und überleben, erfahrt ihr dann ab dem nächsten Blog-Eintrag.

Bis bald,

Tamara & Manuel

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