Indonesien

Jakarta und Pulau Tidung

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Nach genau einem Monat und vielen unvergesslichen Erlebnissen ließen wir Borneo und damit auch Malaysia hinter uns und machten uns auf den Weg nach Indonesien, genauer gesagt Jakarta. Der Weg führte uns noch einmal über Kuala Lumpur, wo wir eine wenig erholsame Nacht am Flughafen verbrachten. Schließlich angekommen in Jakarta, erwartete uns ein nicht erwartetes Hindernis: Das Visum. Schon vorher hatten wir recherchiert, dass es ein 30-tägiges kostenloses Visum gibt, welches man bei Ankunft in Indonesien beantragen muss. Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Herren der Einwanderungsbehörde für die Ausstellung unbedingt ein Rück- bzw. Weiterflugticket sehen möchten, welches wir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht gebucht hatten. Wir schilderten also unseren Plan nach spätestens 30 Tagen nach Australien weiterzureisen und hofften auf das Beste. Glücklicherweise hatte ich einen netten Officer erwischt, der ein Auge zudrücken und mir den Stempel auch ohne Ticket geben wollte. Manuel hatte da weniger Glück, sein Officer wurde aber nach kurzem hin und her von meinem überzeugt und wir erhielten den ersehnten Stempel im Reisepass. Erstmal durchatmen!

Mit einem Grab ging es danach zu unserem Hotel. Bereits auf dem Weg fiel uns der wahnsinnige Verkehr in Jakarta auf: Millionen von Autos und Roller, Überholungen von links und rechts, kreuz und quer und stetiges Hupen von allen Seiten. Wie wir von unserem Fahrer erfuhren, war das Ganze völlig normal und bei einer Stadt wie Jakarta, die von 10 Millionen Menschen bewohnt wird, wohl auch nicht verwunderlich. Angekommen im Hotel erwartete uns das nächste Hindernis: Keiner der Angestellten sprach Englisch – was für uns nach Malaysia eine völlig neue Situation war. Mit Händen, Füßen und dem Google-Übersetzer kamen wir dann aber doch noch irgendwie aufs Zimmer und gingen danach erstmal auf Futtersuche. Durch Zufall fanden wir in einer Seitengasse einen kleinen Nudelwagen – dort gab es tatsächlich die besten Mie für nicht mal 2€, die wir in Indonesien bisher gegessen haben. Trotzdem war unsere Stimmung durch die Menschenmassen, die Lautstärke und wohl auch durch unseren Schlafmangel bedingt, ziemlich bedrückt, sodass wir uns den Rest des Tage im Hotel verkrochen und beschlossen, direkt am nächsten Tag weiterzufahren. Nächstes Ziel: die Thousand Islands, viele kleine Inseln vor der Küste Jakartas.

Am nächsten Morgen hieß es also um 6 Uhr aufstehen, mit dem Grab zum Hafen und Tickets für das Speed Boat nach Pulau Tidung kaufen. Der Plan war gut, allerdings kam wiedermal alles anders als gedacht. An der Bootsanlegestelle herrschte ein riesen Chaos, wieder tausende von Menschen und das Boot, welches wir eigentlich um 8 Uhr hätten nehmen wollen, war nach dem Aufrufen zahlreicher Passagiere irgendwann voll. Wir warteten also weitere zwei
Stunden, bis das Boot zurück kam und uns nach Tidung brachte. Heilfroh endlich angekommen zu sein, wanderten wir zu unserem Homestay und wurden direkt von Jamal und seiner Frau begrüßt. Da die beiden ebenfalls kein Englisch konnten, hieß es wieder: Alle Mittel nutzen, um irgendwie zu kommunizieren. Diesmal kamen auch die guten alten Zeichnungen auf Papier zum Einsatz. Trotzdem schafften wir es mit Ein-Wort-Sätzen wie „Makan“ Essen zu bestellen und ein Fahrrad auszuleihen, womit wir erstmal die Insel erkundeten. Ein schönes Gefühl, mal wieder Fahrrad zu fahren und auf einem Verkehrsmittel sicherer zu fahren als die Einheimischen 😀 . Quer über die Insel ging es über die sogenannte Love Bridge zur angrenzenden Nachbarinsel inklusive Paradise Beach. Dieser Strand klang vielversprechend und war sicherlich mal paradiesisch, allerdings sahen wir dort angekommen ironischer Weise nur eins: Müll. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch am Sunset Point auf der anderen Seite der Insel, sodass wir die Aussicht leider nicht sehr genießen konnten.

Etwas betrübt von den Eindrücken, wollten wir für den nächsten Tag eine private Bootstour zu einer abgelegenen Insel – hoffentlich ohne Touristenströme und Müll – organisieren, um dort zu schnorcheln. Um es kurz zu fassen: Uns war erst etwas unwohl bei der Sache, vor allem, weil die Tour umgerechnet knapp 40€ kosten sollte und wir nicht wirklich mit den Leuten verhandeln konnten, über drei Ecken und mit viel Vertrauen landeten wir aber schließlich auf einem kleinen Fischerboot samt Fahrer, der uns zur Pulau Air, einer kleinen Sandbank inmitten des Meeres und unterschiedlichen Schnorchel Spots brachte. Würde man eine Bootstour an der Nordsee machen, hätte man wahrscheinlich genauso viel bezahlt ohne groß darüber nachzudenken – allerdings ohne privaten Fahrer und Korallenriffe 😉

Zurück im Homestay, versuchten wir erstmal das wackelige Gefühl von der fünfstündigen Bootsfahrt aus dem Körper zu kriegen und trafen beim Essen auf Andrea aus Italien. Nach einem kurzen Austausch über unsere „Europäer-Problemchen“, wie die Kommunikationsprobleme, die Klospülung in Form von Wassereimern und das Essen (es gab auch zum Frühstück Reis mit scharfer Sambal Sauce und wahlweise Ei, Fisch oder Hühnchen – und hierbei meinen wir einen kompletten Fisch oder ein komplettes Hühnchen), berichtete er uns von seiner Arbeit als Journalist. Er erzählte, dass er für eine Reportage in Indonesien sei, dafür 24/7 von einem Sicherheitsdienst „bewacht“ würde und daher eine kurze Auszeit auf der Insel gesucht habe. Nun ratet mal, worüber die Reportage handelt… Ein Thema, was auch uns direkt auffiel: Müll. Genauer gesagt, ist Andrea mehrere Wochen entlang eines Flusses gereist und hat dort Einheimische, Politiker und das Militär zur Verschmutzung des Flusses interviewed. Laut ihm hat die Regierung beteuert, der Fluss würde inzwischen gereinigt, allerdings sprachen Andreas Recherchen und seine Fotos eine ganz andere Sprache. So gleicht der Fluss größtenteils einer schwimmenden Masse aus Plastikmüll, die mit dem Boot nur schwer zu durchqueren ist. Schein und Sein sind also sehr unterschiedlich. Es war für uns wirklich interessant, diese Einblicke quasi aus erster Hand zu bekommen und wir hoffen, dass Andreas Reportage nicht nur viele weitere Menschen auf der Welt erreicht, sondern auch etwas bewirkt. Bisher werden in Indonesien nämlich nur rund 50% des Mülls „richtig“ entsorgt bzw. recycled und der Rest landet einfach dort, wo er hingeworfen wird – auf den Straßen, in Flüssen oder eben direkt im Meer. Für uns völlig unvorstellbar!

Voller Eindrücke vom Müll, der Insel und den Einheimischen, fuhren wir nach drei Tagen auf Tidung zurück nach Jakarta. Etwas geschädigt vom Reiskonsum, hieß es: Pizza essen und ein Bierchen trinken (wir können die alten Gewohnheiten nicht so leicht ablegen). Gestärkt von der westlichen Küche, genossen wir im Hotel schließlich noch eine „richtige Dusche“ und schliefen ein, bevor es am nächsten Morgen weiter ging zur nächsten Stadt: Yogyakarta. Kleiner Spoiler vorweg: Die ersten eher negativen Eindrücke von Indonesien wurden dort schnell durch positive ersetzt. Also bleibt dabei!

Selamat tidur,

Manuel & Tamara

Ein Gedanke zu „Jakarta und Pulau Tidung

  1. Hallo Ihr Zwei,
    habe mir nochmal euren Blog durchgelesen, wie spannend!
    Was ein Gewusel in Jakarta, blickt ja keiner durch! Das ihr da heile rausgekommen seid…..😀
    Wir sitzen gerade noch auf der Terrasse um 23.30h bei 28 Grad und herrlichem Wind nach der tropischen Hitze von 40 Grad in den vergangenen Tagen.
    Lasst es Euch weiterhin gut gehen. Ich bleibe am Ball,
    lb.Grüße Maria

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