Malaysia

Borneo – Sabah

Kota Kinabalu

Nachdem wir eine unfassbar tier- und naturreiche Zeit in Mulu verbrachten, ging es nach vier Nächten zurück in die Zivilisation. Nach einer kurzen Erkundungstour und Gesprächen mit Menschen, die sich in KK – so wird Kota Kinabalu im alltäglichen Sprachgebrauch genannt – auskennen, war klar: In KK gibt es neben den großen Märkten, den Tauchschulen und Seafood nicht wirklich viel zu entdecken. Auf den Märkten kann man sich durch diverse (für uns neue) Obstsorten und weitere Leckereien probieren. Außerdem verbrachten wir so einige Abende in Gesellschaft unserer deutschen Gang (viele Grüße und danke für eine coole Zeit an Franzi, Flo, Jonas und Luca) aus Mulu mit Bierchen an der Promenade direkt neben den Marktständen. Auffällig hierbei war für uns der Umgang der Bewohner mit dem Müll. Junge Menschen warfen ihre leeren Dosen, nicht mehr gebrauchtes Plastik oder anderen Müll achtlos ins Wasser. Es war leider kein Einzelfall, sondern Normalität. Natürlich haben wir im Vorfeld schon davon gehört, dass der Umgang mit Müll fast im gesamten asiatischen Raum sehr problematisch ist, weil es keine wirkliche Entsorgungseinrichtung oder Recycling gibt. Es ist aber noch einmal etwas ganz anderes, mit eigenen Augen zu erleben wie selbstverständlich fast jeder seinen Müll in die Natur wirft und man sein Essen dreifach in Plastik eingewickelt bekommt. Ihr kennt bestimmt die SB-Bäcker, wo man sich mit einer Zange selber seine Sachen auf ein Tablett packt. Die gibt es hier ebenfalls. Das Absurde daran ist nur, dass die Gebäcke selbst noch einmal in Plastik eingepackt sind.

Ich schweife ab – zurück zu KK. Wir haben lange überlegt einen Tauschschein in KK zu machen, weil dieser hier nur ca. 200 € gekostet hätte – was ziemlich günstig gewesen wäre. Wir haben allerdings einen jungen Mann aus Hong Kong kennengelernt, der nicht begeistert davon klang, weil es keine wirklich guten Tauchplätze in KK gibt und das Wasser zudem noch trüb sein sollte. Wir haben außerdem wenig später die Zusage für ein weiteres, wenn nicht sogar das Highlight unserer Zeit auf Borneo bekommen: Uncle Tan’s Wildlife Camp. Dazu aber später mehr.

Circa zwei Stunden mit dem Auto von KK entfernt liegt der Kinabalu Nationalpark. Dort haben wir einen Tag, wieder mit unserer Deutschen-Gang mit Wandern verbracht. Die „benachbarten“ Poring Hot Springs haben wir ebenfalls besucht. Falls ihr mal in diese Region fahrt und ebenfalls überlegt einen Abstecher hierhin zu unternehmen, überlegt euch gut, ob ihr nicht doch über Nacht bleiben wollt. Der Nationalpark mit den Wanderwegen und die Hot Springs liegen noch einmal circa eine Stunde auseinander, sodass wir an diesem Tag mehr als sechs Stunden im Auto/Bus verbracht haben. Unter den Hot Springs hätten wir uns zudem noch etwas mehr vorgestellt. Es handelt sich eher um eine Art Schwimmbad mit Pools, in denen man sich selbst heißes Wasser einlassen kann. Nichtsdestotrotz tat die Abkühlung und das Bad in den heißen Quellen nach der Wanderung gut. Beim nächsten Mal würden wir aber wohl nur zu den Hot Springs fahren und dort die lange (ca. 3,5 km) Wanderung zu einem Wasserfall unternehmen.

Direkt vor KK liegen einige kleinere Inseln (Sapi, Manukan, Mamutik), auf denen man die Sonne am Strand genießen kann. Nachdem wir also viele Eindrücke aus Westmalaysia und viel Natur auf Borneo erleben durften, sehnten wir uns einfach nur mal nach einem Tag am Strand. Die Kurzfassung um nicht noch weiter abzuschweifen: Es tat wirklich gut und wir konnten sogar etwas schnorcheln, aber allgegenwärtig war wieder der Müll. Wir konnten ohne Probleme einen großen Sack Plastikmüll aus dem Wasser fischen. Das zweite große Manko an diesem bestimmt mal idyllischen Fleckchen Erde: Die chinesischen Reisegruppen. Kontinuierlich kamen Gruppen von ca. 50 Personen, um 15 Minuten lang Fotos/Selfies zu machen, drei vier Sprechchöre zu rufen um dann die Insel wieder zur nächsten Insel zu verlassen.

Wenn wir KK direkt mit Kuching vergleichen fällt die Bilanz sehr negativ für KK aus. Vielleicht hatten wir Pech und wir tun der Stadt unrecht, aber unsere Erfahrungen bleiben und wir haben uns nicht wirklich wohl in dieser Stadt gefühlt. Tamara hat es treffend formuliert: „Hier würde ich abends nicht alleine durch die City laufen…“

Sandakan – Sepilok – Kinabatangan River – Uncle Tan’s Wildlife Camp

Wir wollten auf Borneo wie schon beschrieben unbedingt Orang Utans, am besten in freier Wildbahn erleben und zudem noch mehr über den Lebensraum Regenwald erfahren. Als Tipp hierzu haben wir von einem Bekannten von Tamara das Uncle Tan’s Wildlife Camp bekommen. Also ging es für uns mit dem Bus sechs Stunden lang durch Borneo bis nach Sandakan. Wir durchquerten als einzige „Weiße“ im Bus noch einmal die Umgebung des Mount Kinabalu und einige winzige Siedlungen. Was wir in Sarawak gar nicht gesehen hatten, erschien nun zu tausenden vor unseren Augen: Ölpalmen. Oder genauer gesagt Palmölplantagen. Wir sind stundenlang an nichts anderem als Palmen vorbeigefahren. Für uns einfach unfassbar, welche Ausmaße die Produktion von Palmöl hier hat und umso schwerer in Worte zu fassen. Überall, wo wir vorbei gefahren sind, war einmal Regenwald. Der Großkonzern hinter den Plantagen (Wilmar) besitzt übrigens ein Zertifikat (RSPO -Roundtable on Sustainable Palm Oil), welches besagt, dass Palmöl nachhaltig produziert werde. Vorgeworfen wird dem Konzern allerdings, dass er illegale Abholzung, Brandrodung, die Verletzung der Rechte der lokalen Bevölkerung und gezielte Tötung von geschützten Tierarten betreibt, um weiteres Land zu erwerben. Unilever ist übrigens der größte Abnehmer dieses Unternehmens und das angesprochene Zertifikat von 2014 war gekauft – vom TüV Rheinland. Just think about it! Wie wir später erfahren haben, versucht die neue Regierung Malaysias, Land von den Palmölplantagen-Besitzern zurück zu kaufen und es wieder aufzuforsten. Mal schauen, was daraus wird – ein ähnliches Versprechen haben wir schon einmal in den Cameron Highlands gehört – Geld ist zumindest nicht in eine Aufforstung geflossen.

Bevor wir zum Kinabatangan River fuhren, boten uns die lieben Menschen von Uncle Tan’s noch an, zum Orang Utan Rehabilitationszentrum in Sepilok zu fahren. Zusammen mit unseren neuen niederländischen Freunden Kris und Erwin, welche uns die nächsten Tage im Wildlife Camp begleiten sollten, fuhren wir also zur Fütterungszeit in die Station. Dieser Ort ist nicht zu vergleichen mit einem Zoo oder ähnlichem, denn die Orang Utans leben hier frei. Die meisten Tiere stammen aus Misshandlungen oder ihre Eltern wurden von habgierigen Menschen getötet, sodass sie ohne eine Aufzucht nicht überlebt hätten. Die Tiere werden hier also nach und nach wieder an die Wildnis gewöhnt und können zu den Fütterungszeiten selbst entscheiden, ob sie zur Fütterung kommen oder im Dschungel selbst genug Nahrung finden. Wir hatten Glück und haben eine Mutter mit einem Jungen, sowie ein weiteres Weibchen sehen dürfen. Wir haben uns tierisch gefreut, als wir die drei erblickten, allerdings trübte die Stimmung wieder einmal die Menschen um uns herum. Es fühlte sich tatsächlich eher an wie in einem Zoo. Eine fotogierige Masse an Menschen hat die Orang Utans nach der Fütterung förmlich durch den Wald vor sich her getrieben. Ich würde an Stelle der Orang Utans auch nur im äußersten Notfall an diesen Ort kommen, wenn ich wüsste, dass so viele komische Tiere auf mich warten würden.

Mit einem „Diamanten-Taxi“ und einem endlos-Remix von Makarena über 90er Hits bis Techno ging es dann zur Bootanlege-Stelle, wo unser Guide für die nächsten Tage auf uns wartete: Yan. Nachdem wir ins Boot einstiegen und die ersten Meter zum 1,5 Stunden entfernten und nur über den Wasserweg erreichbaren Camp zurücklegten, machte sich eine tiefe Entspannung und Erfurcht vor der Natur in uns breit. An uns vorbei zogen die verschiedensten Arten von Bäumen, Makaken oder auch „Jungle Mafia“ genannt, Hornbills und weitere coole Tiere. Unser Boot schipperte langsam auf dem braunen Wasser des Flusses und wir wollten gar nicht mehr weg. „Ich könnte auch einfach die nächsten drei Tage nur auf diesem Fluss fahren und es hätte sich schon gelohnt“, sagte ich zu Tamara. Ich hoffe die Bilder können einigermaßen das wiedergeben, was wir in diesen Augenblicken gefühlt haben. Wir haben uns so klein gefühlt. Wir haben alles um uns herum vergessen weil wir wie kleine Kinder in die Ferne schauten. Überall gab es Neues zu entdecken. „Ist das da nicht …“ war so der Standardspruch.

Im Camp wurden wir dann von dem Team sehr nett begrüßt, uns wurde unsere Unterkunft gezeigt und das Programm für die nächsten Tage wurde durchgegangen. Die Unterkunft bestand aus drei Wänden, einem Dach, einer Matratze und einem Mosquitonetz. That’s it. „Hier gibt es übrigens Dschungel-Ratten, deswegen müsst ihr all eure Medikamente, Süßigkeiten und alles, was intensiv duftet in einen verschließbaren Eimer packen und diesen außerhalb eurer Unterkunft lagern – sonst fressen sich die Ratten durch eure Rucksäcke.“ Okay :O . Nach den ersten Instruktionen wurden Erwin und ich dann erstmal zu einer Partie Fußball aufgefordert. Fußball im Regenwald? Auf jeden Fall! Tamara und Kris waren wenig später auch mit von der Partie.

Abends sind wir dann auf eine Nacht-Boot-Safari aufgebrochen. Gruselig. Man sieht einfach nichts (außer dem atemberaubenden Sternenhimmel über sich) und vertraut seinem Guide, dass er schon weiß, wo er hinfährt. „See, red eyes! Crocodile!“ Okay, hier baden wir lieber nicht. Leider haben wir es in der Zeit im Dschungel-Camp nur geschafft den Schwanz eines Krokodils zu sehen – aber immerhin! Jede Tour im Einzelnen ausführlich zu beschreiben würde den jetzt schon wieder zu großen Rahmen sprengen. Wir haben in unserer Zeit im Camp circa 45 verschiedene Tierarten bei Wanderungen, Nacht-Safaris, Boot-Safaris und im Camp selbst mit eigenen Augen sehen dürfen. Unter anderem waren das: Proboscis Monkeys, Silver Leaf Monkeys, Warane, Hornbills, diverse Adler und Eisvögel und das Highlight ganz zum Schluss. Auf dem Weg vom Camp zurück haben wir doch noch ein wildes Orang Utan Weibchen mit Jungem in der Ferne zu Gesicht bekommen. Wieder einmal waren wir vollkommen sprachlos. Nur die Geräusche aus dem Regenwald um uns herum, sitzend in einem kleinen Boot, nur einige Meter entfernt und doch so weit weg – eines der symbolhaftesten Tiere überhaupt. Unsere Gene sind zu 97% gleich und kein anderes Säugetier pflegt seine Jungen so lange wie dieses (circa sieben Jahre). Definitiv ein „Magic-Moment“.

Danke an Yan, unseren Guide, der uns mit viel Humor, Wissen und der unglaublichen Fähigkeit Tiere zu sehen oder zu erahnen, wo wir einfach nichts gesehen haben, eine tolle Zeit ermöglicht hat. Auch die anderen Bewohner des Camps waren absolut liebevoll und freundlich. Die Karaoke-Session am Abend, die Fußball-Matches und die Plaudereien waren einfach klasse! Auch die Zeit mit Kris und Erwin haben wir sehr genossen, weil wir von Anfang an auf einer Wellenlinie waren. Falls ihr also mal nach Borneo kommen solltet, euch einfache Verhältnisse und unzählige Mückenstiche nicht abschrecken und ihr die pure Dschungelerfahrung machen wollt, ist das Uncle Tan’s Wildlife Camp „the place to be“! Für uns der beste Moment in Borneo und Erinnerungen, die wir unser ganzes Leben lang nicht mehr missen möchten.

Die letzten Tage auf Borneo und in Malaysia haben wir dann ganz locker mit Pizza im Balin Roofgarden Bistro & Bar (etwas Abwechslung zu Reis, Reis und Reis 😉 ) und chilli milli in Sandakan ausklingen lassen. Die Erlebnisse der letzten Tage mussten erstmal sacken. Aber es geht bald auch schon weiter Richtung Indonesien. Ob wir überhaupt in Indonesien einreisen durften und was noch so passiert ist, erfahrt ihr dann im nächsten Blog-Eintrag.

Cheers und bis bald,

Tamara & Manuel

4 Gedanken zu „Borneo – Sabah

  1. Hallo ihr Zwei,
    Ganz beeindruckend was die Natur alles so zu bieten hat!
    …..und ihr durftet es hautnah erleben. Habt ihr denn im Camp gut geschlafen?

    Dann ist das mit dem Plastikmüll auch dort ein großes Problem! Ein Umdenken ist zwingend erforderlich.
    Da waren früher die „Tante Emma“ Läden nicht schlecht, als jeder seine Schüssel oder Töpfe für das Gekaufte mitbrachte.
    Euch wünsche ich weiterhin eine schöne Reise und auf zu neuen Abenteuern.
    Viele Grüße aus der Heimat

    1. Die erste Nacht im Camp war tatsächlich nicht so erholsam, weil die Geräuschkulisse und die Geschichte von den Ratten uns doch wachgehalten haben. Die zweite Nacht war aber viel besser! Die Tante Emma Läden waren und wären da im Hinblick auf den Müll wirklich besser – da hast du vollkommen Recht. Vielen Dank für deine Worte und bis bald! 🙂

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